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Ausgabe 106-2/2006

DER RÄUBER HOTZENPLOTZ

Produktion: Collina Filmproduktion / Ulrich Limmer / Constantin Film; Deutschland 2006 – Regie: Gernot Roll – Drehbuch: Ulrich Limmer, Claus P. Hant, nach den gleichnamigen Kinderbüchern von Otfried Preußler – Kamera: Gernot Roll – Schnitt: Horst Reiter – Musik: Nicola Piovani – Darsteller: Armin Rohde (Räuber Hotzenplotz), Christiane Hörbiger (Großmutter), Martin Stührk (Kasperl), Manuel Steitz (Seppel), Rufus Beck (Zauberer Zwackelmann), Katharina Thalbach (Frau Schlotterbeck), Piet Klocke (Wachtmeister Dimpfelmoser) u. a. – Länge: 94 Min. – Farbe – Verleih: Constantin – Altersempfehlung: ab 6 J.

Ein heiterer Sommertag irgendwo in bayrischen Landen zu einer Zeit, die nichts mit Heute zu tun hat. Die roten Äpfel lachen von den Bäumen, Kasperl und Seppel haben wieder mal eine gute Idee, wie sie zu ernten sind. Derweil lauscht Großmutter ihrer singenden Kaffeemühle. Die Idylle wird jäh zerstört durch den wild dreinschauenden Räuber Hotzenplotz, der tut, wovon er singt: "Ich raube mir, was mir gefällt ..." Sein Begehr gilt der Kaffeemühle und Großmutter fällt in Ohnmacht. Seppel und Kasperl müssen das kostbare Stück zurückbringen und den Räuber überlisten, das ist klar. Ihre Angst verstecken sie unter ihren Kopfbedeckungen, rote Kasperlmütze und grüner Seppelhut, die sie tauschen. Eine tolle Idee, finden beide, denn jetzt sind sie ja verkleidet und der Räuber kann sie gar nicht erkennen. Jeder neuen gefährlichen Situation setzen sie eine ihrer tollen Ideen entgegen. Die Geschichte spielt sich auf verschiedenen Schauplätzen ab. Da ist der Wachtmeister Dimpfelmoser, der sich zu gerne bei der Wahrsagerin Schlotterbeck Rat und Tat holt, während der Zauberer Zwackelmann im Verlies seines Schlosses die schöne Fee Amaryllis als Kröte gefangen hält, auch das ein Fall für Kasperl – oder ist es Seppel? Es gibt Drehungen und Wendungen, leuchtendes Feenkraut erhellt die Geschichte und zum Schluss hat jeder das, was er gesucht bzw. verdient hat.

Kameramann Gernot Roll, der mit "Räuber Hotzenplotz" sein Regiedebüt gibt, hat Preußlers Kinderbuchklassiker (von der in 34 Sprachen übersetzten Hotzenplotz-Trilogie wurden über 6,5 Millionen Bücher verkauft) mit Liebe zum Detail und Lust an Kinderwelten ins Bild gesetzt. Das beginnt schon beim originellen Vorspann: Gestaltet wie eine Guckkastenbühne, bevölkert mit Marionetten, die neugierig auf das kommende Filmgeschehen machen. Sobald man sich auf den märchenhaften Ton in einer sonnendurchfluteten heilen Sommerwelt eingelassen hat, kann sich der Zauber dieser legendären Hotzenplotz-Erfolgsgeschichte entfalten. In all ihrer liebenswerten Naivität gelingen Kasperl und Seppel immer wieder Einsichten, die auch erwachsene Zuschauer zum Schmunzeln bringen. Martin Stührk ("Der zehnte Sommer") als Kasperl und Manuel Steitz als Seppel ergänzen sich in ihrer Unbefangenheit. Ihr überzeugendes Spiel bewahrt die Figuren vor Albernheiten. Die sind dem unbeholfenen Wachtmeister und der koketten Wahrsagerin vorbehalten. Zur weiteren Belustigung trägt der misslungen verzauberte Dackel Wasti im Krokodil-Look bei, eine nicht ganz perfekte Computer-Animation. Zwackelmann mit seinem stechend blauen Blick überzieht gelegentlich den Zauber.

Armin Rohde als Räuber Hotzenplotz ist eine adäquate Besetzung. Er rollt zwar gefährlich mit den Augen, entreißt der Großmutter ihre geliebte und gehütete Kaffeemühle und ist auch sonst reichlich ungebärdig. Und doch – ein wirklich böser Räuber ist er im Grunde seines Herzens nicht, dazu ist er viel zu schlicht gestrickt. Er redet sich selbst immer wieder seine Gefährlichkeit ein – und ist deshalb auch für kleine Zuschauer gut zu verkraften. Angst jedenfalls verbreitet er nicht. Ein reines Vergnügen schließlich ist es, Christiane Hörbiger in der Rolle der Großmutter zu erleben. Sie wie alle anderen Darsteller waren sichtlich mit großer Spielfreude bei der Sache.

Seine Weltpremiere erlebte "Der Räuber Hotzenplotz" beim diesjährigen Kinderfilmfest der Berlinale. Schön, dass damit auch für Vorschulkinder ein sehenswerter Film im Programm war, der ab Ende März in den Kinos zu sehen ist.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

 

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