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Ausgabe 106-2/2006

Gespräch mit Andreas Schreitmüller

Interview

Andreas Schreitmüller (Jg.1956) ist seit März 2006 Stiftungsratsvorsitzender des Kuratoriums junger deutscher Film. Mit Schreitmüller tritt ein in Film- und Fernsehproduktion erfahrener Experte die Nachfolge von Hans-Helmut Prinzler an. Von 1984 bis 1991 war er Redakteur beim ZDF, Redaktion "Das kleine Fernsehspiel", betreute zahlreiche Auftrags- und Eigenproduktionen für ZDF und 3sat und leitet seit Oktober 1991 die Redaktion Fernsehfilm, seit November 2000 zusätzlich die Redaktion Spielfilm beim Europäischen Fernsehkulturkanal ARTE in Straßburg.

KJK: Als neuer Stiftungsratsvorsitzender des Kuratoriums sind Sie von nun an Teil einer Institution, die eine zentrale Bedeutung für das Kinder- und Jugendkino in Deutschland hat. Sehen Sie eine Eigenheit des deutschen Kinder- und Jugendfilms, die ihn im internationalen Vergleich besonders auszeichnet?
Andreas Schreitmüller: "Zunächst einmal: Es gibt ihn, und allein das ist ja schon einmal hocherfreulich. Dazu ist er noch erfolgreich. Ich glaube, das gilt nicht für alle Länder. In Frankreich, wo ich durch meine Arbeit bei ARTE lebe, ist bei weitem nicht solch eine Kultur vorhanden. Vor einigen Jahren war der erfolgreichste deutsche Film überhaupt ein Kinderfilm, 'Bibi Blocksberg', und viele andere Filme wie die neuen Erich-Kästner-Verfilmungen oder im vergangenen Jahr 'Es ist ein Elch entsprungen', der auch vom Kuratorium gefördert wurde. Da ich selbst zwei Kinder habe, sah ich viele dieser Filme im Kino mit großer Kinderschar, also unter 'Realbedingungen'. All das sind Filme, die man auch als Erwachsener gerne ansieht, weil sie intelligent und mit einem Augenzwinkern gemacht sind, so dass zwei Generationen hineingehen können. Darin sehe ich in Deutschland ein großes Potenzial. Die jetzige Generation von Jugendlichen wächst mit DVD und Internet auf, das sehe ich auch an meinen eigenen Kindern. Um ihnen auch das Kino schmackhaft zu machen, brauchen wir viele gute Jugendfilme."

Worin liegt für Sie die Bedeutung, die Kinder ins Kino zu locken und nicht ins DVD-Geschäft?
"Nichts dagegen – Filmkultur kann man sich auch über DVDs holen. Aber es ist trotzdem ein ganz anderes Erlebnis, zusammen mit zweihundert anderen Kindern im Kino zu sitzen und gemeinsam zu erschrecken und zu lachen. Zudem gibt es, etwa im Fall von Theatern oder Kunstgalerien, heute zusehends auch eine Schwellenangst. Die gibt es zwar beim Kino noch nicht. Aber wer weiß, ob es die nicht in zehn oder zwanzig Jahren geben wird, wenn Kinder nicht früh ins Kino mitgenommen werden und man ihnen nicht zeigt, was das für ein Riesenspaß sein kann."

Sie haben eine typische Situation angesprochen: die Erwachsenen gehen mit den Kindern ins Kino und wollen dabei selbst auch unterhalten werden. Welchen Unterschied – wenn überhaupt – sehen Sie daher zwischen Kinderfilm und Familienfilm? Sollte man in der Filmarbeit den Begriff Kinderfilm oder Familienfilm verwenden?
"Möglicherweise ist Familienfilm der bessere Ausdruck. Es mag auch so sein, dass Kinder relativ schnell nicht mehr in Kinderfilme gehen möchten, einfach weil sie nicht mehr Kinder sein wollen, sondern Jugendliche – und als Jugendliche dann Erwachsene. Oft gibt es das Phänomen, dass gewisse Altersgruppen einen Film eigentlich gerne sehen möchten, aber nicht von ihren Freunden gesehen werden wollen, wenn sie aus dem Kino herauskommen. So dass man sich möglicherweise ein Marktsegment verschenkt, wenn man sagt, es ist ein reiner Kinderfilm. Vor allem aber bilden das wichtigste Segment die Filme, in die Erwachsenen mitgehen."

Was halten Sie von der Bezeichnung "Family Entertainment"?
Ich bin dagegen, dass man immer alles englisch ausdrückt, obwohl ich Anglistik studiert habe. Man macht alles unverbindlicher und hochtrabender. Das allermeiste kann man auch auf Deutsch sagen."

Welches sind für Sie, gerade auch als Familienvater, die Kriterien für einen guten Kinderfilm?
"Es ist gut, wenn man merkt, dass ganz allgemeine Werte vermittelt werden, wie es zum Beispiel bei den Erich-Kästner-Verfilmungen immer der Fall war. Dann müssen die Filme einfach auch unterhaltsam sein. Man muss lachen können, überrascht sein, man muss sich identifizieren können. Und es muss etwas dabei sein, damit die Kinder merken: Hier geht es auch um Dinge, die eigentlich für eine höhere Altersgruppe bestimmt sind. Kinder finden ja interessant, wenn sie nicht alles ganz genau entschlüsseln können. Ihnen gefällt es, wenn sie merken: Es ist auch für Erwachsene spannend."

Wie lässt sich die Situation des Kinderfilms in Deutschland verbessern, hinsichtlich Drehbuch, Produktion, Verleih, Abspiel?
"Kinderfilm ist natürlich bislang nicht mein Spezialgebiet. Aber ich habe von den Kinderfilmen, die ich in den letzten zehn Jahren selbst gesehen habe, und das waren nicht wenige, meist den Eindruck gehabt, dass die Bücher sehr sorgfältig gebaut waren – im Gegensatz zu manchen Erwachsenenfilmen. Wahrscheinlich ist das auch so, weil Kinder ein sehr kritisches Publikum sind, kritischer als manches Festivalpublikum. Auch in der Produktion sind Kinderfilme oft sehr gut gemacht und manchmal hochrangig besetzt, man denke etwa an Ulrich Noethen im 'Sams'. Und was den Verleih betrifft, habe ich den Eindruck, dass Kinderfilme meist mit einer großen Stückzahl herauskommen. Das müssen sie auch, denn ein Kinderfilm ist immer auch ein Event und das ist Kindern und Jugendlichen wichtig: Das ist jetzt angesagt, darüber reden die anderen Kinder. Auch die Werbung ist sehr kindgerecht. Insofern fällt mir eigentlich kein Punkt ein, in dem ich eine entscheidende Verbesserung notwendig sähe."

Welche Bedeutung haben die TV-Sender für die Produktion von Kinderfilmen?
"Ich denke, dass die Sender eine große Rolle spielen, einfach auch weil sie notgedrungen am Nachmittag spielen und gerade an Feiertagen Events haben wollen. Insofern ist das Fernsehen auf diesem Gebiet sehr aktiv und zwar nicht nur als Geldgeber, sondern auch durch die redaktionelle Betreuung und oftmals durch die Initiative zu einem Film. Ich denke, es ist auch ein starkes Eigeninteresse der Sender vorhanden, das man nutzen kann."

Wie sieht das in Ihrem eigenen Sender aus?
"ARTE ist ein Spezialfall, weil wir, was Spielfilme betrifft, im Nachmittagsprogramm nur Wiederholungen senden. Das ist einfach eine Budgetfrage, denn wir sind ein kleiner Sender und besitzen nicht die Mittel für eigene Produktionen im Nachmittagsprogramm. Was bei ARTE dennoch immer wichtiger wird, ist die Hinwendung zu den ganz jungen Zuschauern. Das hängt auch damit zusammen, dass unser Programmdirektor, Dr. Hauser, der seit Januar 2005 im Amt ist, beim SWR früher für Familienprogramme zuständig war. Ich glaube, dass da die deutsche Seite für die französische interessante Impulse setzen könnte. Wir zeigen jetzt z. B. die 'Sendung mit der Maus'. Das ist eine Art von pädagogischem Programm, wie es in Frankreich völlig unbekannt ist. Die Ausstrahlung ist verbunden mit einem Sprachlernimpuls: Wir zeigen die Sendungen in Frankreich im deutschsprachigen Original und in Deutschland die französische Synchronfassung. So können die Kinder eine Sendung, die sie in ihrer eigenen Sprache möglicherweise schon kennen, nun auch in der anderen hören. Das sind Aspekte, die wir sicher noch verstärken können."

Interview: Florian Borchmeyer

 

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