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Ausgabe 107-3/2006

DAS SCHLOSS IM HIMMEL

TENKU NO SHIRO LAPUTA

Produktion: Studio Ghibli / Tokuma Publishing; Japan 1986 – Regie, Original Story und Drehbuch: Hayao Miyazaki – Produktionsdesign: Toshio Nozaki, Bizou Yamamoto – Musik: Joe Hisaishi – Länge: 124 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: Universum Film – Altersempfehlung: ab 8 J.

Sheeta, ein bezauberndes Mädchen, trägt einen magischen blauen Stein, der von dem sagenumwobenen Himmelskönigreich Laputa stammen soll. Weil sich der Regierungsagent Musca von dem Stein den Zugang zu Laputa verspricht, wo es unvorstellbaren Reichtum und eine geheimnisvolle Technologie geben soll, mit der sich die Welt beherrschen lässt, entführt er Sheeta kurzerhand. Doch das Luftschiff mit den Kidnappern wird von einer Bande Luftpiraten angegriffen – der Dora-Clan unter Führung der verwegenen Mama Dora ist genau wie Musca hinter Sheeta und ihrem Stein her. Die Piraten entern das Schiff, Sheeta kann fliehen und stürzt in den dunklen Nachthimmel – direkt in die Arme des Jungen Pazu, der in einem kleinen Bergwerkstädtchen lebt. Er nimmt das Mädchen mit in sein Haus. Im Wohnzimmer bemerkt Sheeta ein Bild des legendären Königreichs Laputa. Pazu berichtet, dass sein Vater das Foto gemacht hat, als er während einer Expedition zwischen stürmischen Wolken plötzlich die schwebende Insel auftauchen sah. Aber dem Vater glaubte niemand seine Entdeckung und er starb verbittert. Pazu ist nun dabei, ein Flugzeug zu bauen, denn er ist fest entschlossen, Laputa zu finden und zu beweisen, dass sein Vater kein Lügner war.

Es dauert nicht lange, bis die Dora-Bande sowie Musca und seine Leute Sheeta aufgespürt haben. Während einer wilden Verfolgungsjagd stürzt eine Brücke unter den Kindern ein und Sheeta und Pazu fallen in die Tiefe. Sie landen in einem verlassenen Stollen und treffen dort auf Onkel Pomu, einen alten exzentrischen Bergmann. Pomu kam an diesen Ort, um die Felsen zu sehen, die in der Dunkelheit leuchten. Sheeta bemerkt, dass ihr Stein hier zu glühen beginnt und Pomu erklärt ihnen, dass es sich um einen besonderen Kristall handelt. Nur die Bewohner von Laputa konnten solche Kristalle herstellen. Jetzt sind sich Pazu und Sheeta sicher: Laputa, das legendäre Schloss im Himmel, existiert wirklich! Gemeinsam begeben sich Sheeta und Pazu auf eine abenteuerliche wie gefahrvolle Reise, auf der die beiden ihren Mut unter Beweis stellen müssen, phantastische Dinge sehen und schließlich Freunde fürs Leben gewinnen.

Es ist erstaunlich, wie locker und leichtfüßig dieser nun schon zwanzig Jahre alte Animationsfilm mit den aktuellen Produktionen mithalten kann. Während das digitale Kino von heute sehr oft seine technischen Möglichkeiten selbstgefällig ausstellt und dabei den Zusammenhang mit der Story eines Films vernachlässigt, dienen die Effekte bei Hayao Miyazaki ("Prinzessin Mononoke", "Chihiros Reise ins Zauberland") in erster Linie der Entwicklung der Geschichte oder der Charakterisierung seiner Figuren. Die ästhetische Konzeption von "Das Schloss im Himmel" erinnert stark an seinen neuen Film "Das wandelnde Schloss" (2005): Aus Versatzstücken von "Gullivers Reisen", den Bildern von Leonardo da Vinci bis Karel Zeman, den "Space Raiders" von Roger Corman und der "Enterprise"-Galaxis ist ein eigener, unverwechselbarer Kosmos entstanden. Beim Dekor des Dorfes der Bergleute ließen sich Produzent und Regisseur von Landschaften aus Wales inspirieren (beim "Wandelnden Schloss" waren elsässische Städte das Vorbild). Die Schauplätze – hoch oben im Himmel und tief unter der Erde – vereinigen sich in "Laputa" zu einer im All schwebenden Insel, deren Oberfläche der Erdlandschaft gleicht, im Innern aber mit geheimnisvollen Gängen, Gewölben und Räumen aufwartet. Und ein überdimensionaler Baum, der zunächst durch den Wildwuchs seiner Wurzeln stört, erweist sich am Ende als eine rettende Klammer, die nach dem großen Crash das Überleben sichert.

Wie in den anderen Animes von Miyazaki bilden auch hier die Protagonisten ein illustres Ensemble: "Pazu" ist der forsche, abenteuerlustige Junge; einer, der die Herausforderung sucht und dafür belohnt wird. "Sheeta" ist das hübsche Mädchen; ein anfangs verängstigtes Waisenkind, das immer mutiger und selbstbewusster wird und auch als Prinzessin sich selbst – und Pazu – treu bleibt. Der Agent "Musca" ist windschnittig, undurchschaubar, korrupt und agil wie einige der "Bond"-Gegenspieler und General "Muoro" der dumpfe, betonköpfige Militarist, der dieses Klischee voll bedient.

Die interessanteste Figur ist die der "Dora", die wütende und tricksende Alte, die Mutter der Luftpiraten, die ihre Gang wie einen Familienbetrieb führt. Sie hat sehr viele Ähnlichkeiten mit der Hexe Yubaba in "Chihiro" und der Hexe aus dem Niemandsland im "Wandelnden Schloss", die sich von einer grimmigen Alten in eine bemitleidenswerte Frau verwandelt. Auch bei "Dora" ist eine solche Veränderung zu sehen. Gleicht sie zunächst einer "Bloody Mama", der Kat "Ma" Barker, die mit ihren vier Söhnen im Amerika der 20er-Jahre eine berühmt-berüchtigte Gangsterbande bildete, so stellen sich später immer mehr Ähnlichkeiten mit den bösartigen, aber letztendlich harmlosen Absichten und dem gutmütigen Charakter der "Panzerknacker" aus Disneys "Donald Duck" heraus. Die verwegene Bandenchefin Dora ist am Ende der Geschichte eine warmherzige alte Dame, die sich rührend um ihre beiden neuen Familienmitglieder kümmert, auch wenn sie sich gleich wieder von ihnen trennen muss. Ein wirklich schönes Happy End in einem Animationsfilm für Kinder und einem generationsübergreifenden Familienfilm.

Horst Schäfer

 

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