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Ausgabe 108-4/2006

"Für viele ist die Förderung durch das Kuratorium so etwas wie ein Gütesiegel"

Gespräch mit Andreas Schardt, Direktor des Kuratoriums junger deutscher Film

Interview

Der Rechtsanwalt Andreas Schardt, geboren am 14. Februar 1953 in Bonn, studierte Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main. Während des Studiums Praktika und freie Mitarbeit beim ZDF (Filmschnitt), 1979 erstes juristisches Staatsexamen, 1982 zweites Staatsexamen, Zulassung zur Anwaltschaft, 1983 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Mainz, dann bei der Begleitkommission zum Kabelpilotprojekt Ludwigshafen, ab 1986 Leiter der Abteilung Recht/Honorare und Lizenzen von SAT.1. 1992 Wechsel in die Anwaltschaft; permanenter Rechtsberater der ACT (Verband der privaten Fernsehsender Europas) in Brüssel. Seit 1997 Direktor des Kuratoriums junger deutscher Film. 1993 Assoziierung mit Rechtsanwalt Dr. Udo Kornmeier, Januar 2000 Wechsel nach Berlin. Seit 2005 Einzelanwalt mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Urheber- und Medienrecht, vorrangig im Bereich Film/Fernsehen.

KJK: Seit 1997 sind Sie ehrenamtlicher Direktor des Kuratoriums junger deutscher Film und seither mussten Sie immer wieder Angriffe auf die Existenz des Kuratoriums abwehren ...
Andreas Schardt: "Schon 1998 kam die erste kalte Dusche, als wir uns Gedanken darüber machen mussten, wo ist eigentlich die Funktion und Position des Kuratoriums, was ist das Außergewöhnliche und was ist das Erhaltenswerte in dieser sich rasant verändernden Förderlandschaft. Durch ein lange erarbeitetes Positionspapier ist es uns damals gelungen, die Aufgaben neu zu definieren. Damit konnten wir die Finanzierung für fünf Jahre sichern.
Absolutes Novum war die Einführung einer Projektbetreuung in den Bereichen Talentfilm sowie Kinder- und Jugendfilm. Wir haben Projektbetreuer verpflichten können, die einerseits eine Vorauswahl der Stoffe treffen, die dem Vorstand und dem Auswahlausschuss vorgelegt werden, und andererseits dann die geförderten Projekte betreuen. Der Projektbetreuer für den Kinder- und Jugendfilmbereich ist Thomas Hailer, der seit über drei Jahren das Kinderfilmfest der Berlinale leitet. Die Projektbetreuerin für den Talentbereich ist Gabriele Brunnenmeyer, die seit Anfang letzten Jahres für das Kuratorium tätig ist. Mit beiden Projektbetreuern haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, Hauptpunkt der Arbeit ist die Dramaturgie.
So konnten wir zwar unsere Position neu bestimmen, aber das hat uns nicht davor bewahrt, bei der nächsten Evaluierung wieder gefragt zu werden, ob das denn auf diesem Niveau weitergeführt werden kann. Der Etat von ca. 850.000 Euro im Jahr – das schließt die Förderbeträge und die Verwaltung mit ein – sollte für das Jahr 2001 um 200.000 DM gekürzt werden. Das konnte nur verhindert werden, indem der Vorstand gesagt hat, dann machen wir nicht mehr weiter, denn damit war eine Schmerzgrenze erreicht. So konnten wir auch das abwenden und den Etat erhalten."

Dann kam im letzten Jahr die große Welle und das Kuratorium sollte abgewickelt werden ...
"Die Finanzminister hatten auf ihrer Liste möglicher Einsparungen auch das Kuratorium, anstelle des bisherigen Etats sollte eine Auslauffinanzierung treten, bis 2008 wäre die Einrichtung dann mehr oder weniger abgewickelt worden. Was dann passiert ist, hat uns alle überrascht, denn der Aufruf 'Kuratorium von Schließung bedroht' hat eine ungeheure Welle von Protesten und Sympathiebekundungen ausgelöst. Die Presse hat sich hinter uns gestellt und ein wahrer Turning Point war kurz vor der Ministerpräsidenten-Konferenz im Oktober 2005 ein Bericht in der 3sat-Sendung 'Kulturzeit' über die Arbeit des Kuratoriums. Da hat zum Beispiel Tom Tykwer gesagt, ich drehe hier gerade den Film 'Das Parfüm', der mit fünfzig Millionen Euro sicher einer der teuersten Filme Europas ist, aber ich säße hier nicht, wenn das Kuratorium nicht meinen ersten Film 'Die tödliche Maria' angefördert und damit den Ball überhaupt erst ins Rollen gebracht hätte. Dann gäbe es den Film nicht und mich als Regisseur auch nicht, dann wäre ich Taxifahrer.
Wenn man sich die letzten vierzig Jahre, die das Kuratorium besteht, ansieht, dann findet man da die gesamte Riege deutscher Filmemacher vertreten. Reitz, Kluge, Herzog bis zu den Newcomern der heutigen Zeit. Das Kuratorium ist gerade deshalb so wichtig, weil es nicht an einen Standort gebunden fördert."

Zum anderen wirken die Standorte auch zum Kuratorium wieder zurück, denn im Auswahlausschuss sind Vertreter der Länderförderungen beteiligt. Das ergibt doch eine positive Wechselwirkung?
"Jeder, der bei uns für eine Anschubfinanzierung anklopft, wird bald auch bei seiner heimatlichen Länderförderung ankommen. Was liegt näher, als die Entscheidungsprozesse zu koordinieren. Manche haben das erst skeptisch beurteilt, weil sie befürchtet haben, dass die Länderinteressen ins Kuratorium durchgereicht werden. Genau das ist nicht der Fall. Denn hier unterhalten sich Förder-Profis über Projekte, und inzwischen haben alle gemerkt, wie wertvoll diese Diskussionen sind. Unter Umständen ist ein eingereichtes Projekt für das Kuratorium nicht interessant, aber für eine der Länderförderungen. Und so bekommen die Antragsteller von uns oft eine qualifizierte Absage, in der nicht nur steht, dass es keine Förderung gibt, sondern auch eine Empfehlung ausgesprochen wird, wo Förderung möglich wäre. Weil wir so wenig Geld haben, müssen wir extrem genau hinschauen. Für die, die abgelehnt werden – und das ist die Mehrzahl –, ist das bitter, aber die angenommenen Projekte haben eine harte Prüfung bestanden."

Und aus diesen Projekten werden dann auch Kinofilme?
"Ja, seit wir so arbeiten, hat die Realisierungsquote enorm zugenommen. Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass das ein guter Weg ist. Die Quote hat auch zugenommen, weil die Professionalität der Autoren gestiegen ist."

Das ist sicher ein Ergebnis der Drehbuchwerkstätten bzw. der Drehbuchschulen ...
... und die Hochschulen tun viel auf diesem Sektor. So klein und fein das Kuratorium auch ist, für viele ist unsere Förderung so etwas wie ein Gütesiegel"

Können Sie mit dem Etat eigentlich klar kommen?
"Es ist halsbrecherisch, was wir da machen. Wir haben ein Mini-Büro aus anderthalb fest angestellten Kräften, die zu den Einreichterminen bis zu 140 Anträge zu bewältigen haben. Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich."

Seit einem Jahr hat das Kuratorium für die Förderung des Kinder- und Jugendfilms ein gemeinsames Gremium mit dem Bundesminister für Kultur und Medien, das über Drehbuch- und Projektentwicklungsförderung sowie über die Produktionsförderung beschließt. Kuratorium und BKM teilen sich dabei die Aufgaben: Die Drehbuch- und Projektentwicklungsförderung wird mit den Mitteln des Kuratoriums durchgeführt, die Produktionsförderung mit den Mitteln des BKM. Hat sich diese Aufteilung und Zusammenarbeit bewährt?
"Ganz großartig. Wir haben anfangs Befürchtungen gehabt, denn wir arbeiten mit jemand zusammen, der die Projekte, die wir fördern, irgendwann sowieso auf dem Tisch haben wird. Und wir arbeiten als Einrichtung der Länder mit einem Bundesministerium zusammen. Eine solche Stelle arbeitet nach anderen Kriterien. Sie vergibt z. B. Zuschüsse, wir dagegen rückzahlbare Darlehen. Im Detail passte nicht alles sofort genau, aber die Aufteilung, Drehbuch- und Projektförderung beim Kuratorium und Produktionsförderung beim BKM, hat sich in bisherigen drei Sitzungen bewährt."

Das Kuratorium arbeitet länderübergreifend und unterscheidet sich von den einzelnen Länderförderungen. Wie sehen Sie die aktuelle Debatte des Föderalismus? Wären für den Film- und Medienbereich weniger Bundesländer effektiver?
"Eine sehr schwierige Frage und fast schon eine Glaubensfrage. Unsere Erfahrung zeigt uns, dass es nicht so sehr darauf ankommt, ob es fünf, zehn oder dreizehn Bundesländer sind, sondern vor allem darauf, dass sie nicht am Hungertuch nagen und bereit sind, zu kooperieren. Das Entscheidende am Föderalismus ist doch das kooperative Moment. Wir haben in der Zusammenarbeit mit dem BKM – gerade unter dem Gesichtspunkt der Föderalismus-Debatte – den Beweis angetreten, dass man gemeinsam in einem Bereich das Bestmögliche erreichen kann. Wobei das Kuratorium selbst inzwischen fast ein Unikum ist, denn es ist eine der wenigen verbliebenen Einrichtungen, die alle Länder gemeinsam tragen."

Im zurückliegenden Jahr hat es für das Kuratorium junger deutscher Film mit rund 150.000 Euro so hohe Rückflüsse aus den Projektförderungen gegeben wie noch nie. Sind Sie mit der Bilanz zufrieden?
"Ja, wir werten das als Erfolg, denn es fließt nur zurück, wenn der Film realisiert worden ist. Man sollte aber nicht in Euphorie verfallen, denn das sind Mittel aus der Drehbuch- und Projektförderung, die immer dann zurück fließen, wenn die Produktion beginnt."

In der Vergangenheit hat der Dokumentarfilm beim Kuratorium eher eine untergeordnete Rolle gespielt und sich auf die Produktionsförderung beschränkt. Jetzt wollen Sie auch die Entwicklung von Dokumentarfilm-Projekten fördern. Wie ist es zu dieser Neuerung gekommen?
"Wir haben entsprechende Anträge auf dem Tisch gehabt und uns überlegt, wie gehen wir damit um. Wir haben auch festgestellt, dass viele Leute aus dem Dokumentarfilmbereich wohl dachten, beim Kuratorium kann man gar keine Förderung bekommen. Wir bekennen uns zum Dokumentarfilm, wir wollen uns keineswegs auf fiktionale Stoffe beschränken."

Für 2009 steht wieder eine Evaluierung des Kuratoriums an. Was wollen Sie bis dahin erreichen?
"Wir können nicht wieder einen Massenaufschrei fordern, das nutzt sich auch ab. Der dicke Ordner mit über 1.200 Protestschreiben aus dem letzten Jahr ist auch eine Herausforderung, das Kuratorium aus dem schwierigen Fahrwasser herauszumanövrieren und es auf solide Beine zu stellen. Und das muss gelingen, sonst ist der Zeitpunkt gekommen, eine Entscheidung der Länder abzufordern, denn ein langsames Abschmelzen des finanziellen Fundaments wäre sehr unerfreulich, dann sollten die Länder die Verantwortung übernehmen und die Einrichtung aufgeben. Wenn man dies tut, dann wird aber bei einem Jahresetat von 750.000 Euro ab dem Jahr 2008 kein einziges der Länder einen Einsparungseffekt in sechsstelliger Höhe erzielen, meist gerade mal fünfstellig – das steht doch in keinem Verhältnis zu dem Verlust einer so renommierten und wichtigen Einrichtung. Wir haben noch über zwei Jahre mit gekürztem Etat vor uns und dann soll wieder eine Evaluierung stattfinden. Erwartet wird ein großer Sprung in der Neuorientierung des Kuratoriums."

Interview: Manfred Hobsch

 

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