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Ausgabe 108-4/2006

"Mit Kindern zu drehen ist sehr bereichernd – ein ständiger Sonnenschein am Set"

Gespräch mit Danielle Proskar anlässlich der Welturaufführung ihres Spielfilmdebüts "Karo und der liebe Gott" beim Kinderfilmfest/ Filmfest München 2006.

(Interview zum Film KARO UND DER LIEBE GOTT)

Nach der Schulvorstellung beantwortet Danielle Proskar, Regisseurin und Drehbuchautorin, die Fragen der Kinder.

Wie ist der Film entstanden?
"Vier Jahre dauerte es von der ersten Idee bis zum Drehen. Es ist mein eigenes Drehbuch. Das Schwierigste war natürlich, Karo zu finden, ein Mädchen von acht Jahren, das viel Text lernen muss, denn sie ist ja jeden Tag dabei. Ich hatte Glück, dass Karo, die eigentlich Resi heißt, sich beworben hatte. Dann mussten wir uns kennen lernen, uns mögen, das hat gepasst. Sie hat auch durchgehalten, es gab kein einziges Problem."

War es schwer für Karo zu spielen, dass sie die unechten Eltern lieb hat?
"Nein, das war nicht so schwer, denn sie haben sich gemocht. Wir hatten vorher eine Art Familienausflug gemacht."

Wie lange wurde gedreht?
"Fünf Wochen während der Sommerferien 2005, das ist nicht viel Zeit. Wir mussten schnell fertig sein, weil wir nicht so viel Geld hatten."

Danielle Proskar will von den Kindern wissen, ob es schlimm ist, dass die Film-Eltern sich haben scheiden lassen.
"Ja, sehr schlimm", ist die einhellige Meinung der Kinder im Kino. Die Regisseurin fragt nach: Habt ihr nicht das Gefühl, dass Karo gelernt hat, dass es trotz der Scheidung für sie gut weiter gehen kann? Ein zögerliches "naja" ist die Antwort.

Danielle Proskar, geboren 1964 in Wien, ging nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaft an die Wiener Akademie, studierte Regie und Kamera. 1995 entstand ihr Kurzfilm "Die schmerzhaften Augenblicke des Kellners"; es folgten Werbe- und Dokumentarfilme, Beiträge für das Südosteuropa-Studio des ZDF. "Karo und der liebe Gott" ist ihr Debüt als Spielfilmregisseurin.

KJK: Es war doch berührend, wie dann ein kleiner Junge im Kino von sich aus erzählte, dass seine Eltern auch geschieden sind. Ihr Film löst also etwas aus.
Danielle Proskar: "Ich denke, dass mehr Reaktionen kommen, wenn es intimer ist. Die Aufmerksamkeit der Kinder war durchaus da."

Gab es Testvorführungen?
"Wir hatten eine Teamvorführung mit Erwachsenen. Da wurde überraschend viel gelacht und viel geschluchzt. Kinder haben noch nicht diese emotionalen Erfahrungen."

"Karo" ist Ihr erster langer Spielfilm. Was machten Sie vorher?
"Kurzfilme, Wirtschaftsfilme und Dokumentationen für Kinder."

Warum haben Sie sich für ihren ersten Spielfilm dieses Thema ausgesucht?
"Man ist umgeben von Scheidungskindern. Ich hatte das Glück, kein Scheidungskind zu sein. Für mich war allein schon der Gedanke ein Horror, dass man sich für einen Elternteil entscheiden muss. Ich habe immer mitgefühlt mit Kindern, die das betroffen hat. Aber der letzte Anstoß war mein Patenkind. Es war sehr klein, als die Eltern sich trennten. Da kam ein Kindermädchen ins Haus. Es hat mich tief gerührt, wie das Kind jemand Fremden, der von außen kommt, annehmen kann in einer solchen Situation. So ist mir die Idee mit dem lieben Gott gekommen, den Karo so lange braucht, bis sie sich allein zurechtfindet. "

Es war gut, dass die Eltern im Film dann doch die Scheidungspapiere unterschrieben haben – gut, dass sie geschieden wurden?
"Man verliert an Glaubwürdigkeit, wenn man versucht die heile Welt wiederherzustellen. Ich wollte die Perspektive vermitteln, dass ein Leben für Kinder auch in dieser Situation möglich ist."

Sie lassen im Film dem Mädchen durch den lieben Gott erklären, dass die Eltern sich nicht verstehen können, weil einer chinesisch und der andere tschechisch spricht ...
"Ich war mir nicht sicher, ob das verständlich ist. Aber die Kinder haben's verstanden. Oft entstehen bei Kindern Schuldgefühle, weil sie die Trennung nicht verstehen können und denken, es hat mit ihnen zu tun."

War es schwierig, den Film zu realisieren?
"Ich muss sagen, der Dreh war das Einfachste, obwohl man mit so einem kleinen Kind mit allem rechnen muss. Ich wusste, dass Karos Mutter die fünf Wochen nicht dabei sein konnte. Sie ist alleinerziehend und berufstätig. Man weiß ja nicht, wie verlassen ein Kind ist. Ich habe vorher probiert, da ist alles daneben gegangen."

Was alles?
"Ich lernte mit der achtjährigen Resi Reiner Text, spielte mit ihr Szenen, besprach Dinge. Sie war unkonzentriert, schaute immer woanders hin. Man muss sie auf ganz knappem Abstand zu sich nehmen. Prinzipiell ist es so, dass sie nicht stillsitzen kann."

Warum dann doch die Entscheidung ausgerechnet für dieses Kind?
"Sie hat gepunktet mit ihrer Natürlichkeit. Es gab etliche Kinder, die begabt waren, die haben aber ihre Rolle gespielt. Ich hatte das Glück, mit dem Drehbuch ein bisschen Resis Lebenssituation getroffen zu haben. Die schwermütigen Dinge waren ganz einfach von ihr zu bekommen, die heiteren viel schwieriger. Sie war jeden Tag beim Drehen und es hat den ganzen Sommer geregnet. Das sieht man aber nicht. Wir änderten von Anfang an den Drehplan, stellten viel um. Karo hatte Kraft und Durchhaltevermögen, ist von Tag zu Tag mehr hineingewachsen."

Für welches Alter ist der Film gedacht?
"Meiner Einschätzung nach ab acht, die der Verleiher ab sechs. Ich glaube, das ist die untere Grenze."

Wie hat der österreichische Verleih den Film eingeordnet?
"Als Kinder- oder Familienfilm für den Nachmittag, ins Abendprogramm werden sie ihn nicht nehmen. Die Schauspieler sind in Österreich relativ bekannt. Sie haben wegen des Drehbuchs und ihrer Rolle zugesagt. Es war ein richtig schöner Dreh ..."

Haben Sie vor, weiter Filme für Kinder zu machen?
"Ja, natürlich. Es kommt auf den Stoff an. Wenn man eine tolle Geschichte hat, ist es egal, ob man für Kinder oder Erwachsene einen Film macht. Mit Kindern jederzeit, immer wieder, auch wenn es mehr Kraft kostet. Mit Kindern zu drehen, ist sehr bereichernd – ein ständiger Sonnenschein am Set."

Würden Sie auch "nur" Regie führen?
"Ich zähle mich nicht zu den Autoren. Ich schrieb dieses Buch aus der Not heraus, denn für die erste Regiearbeit muss man auch das Buch mitbringen. Ich hatte keins, also schrieb ich es selbst und hatte das Glück, beim Drehbuchprogramm 'step by step' mitzumachen. Da lernte ich sehr viel. Ich kam mit einem Treatment hin. Es erstreckt sich über neun Monate. Man trifft sich in der Gruppe alle drei Monate mit einem Dramaturgen. Man muss auch die Bücher der anderen gelesen haben. Es sind zwölf Autoren, jeweils vier aus den deutschsprachigen Ländern. Ich hatte eine deutsche Dramaturgin, Sabine Pochhammer, auch das ein großes Glück. Es ist eine Sache des Vertrauens, dass man annimmt, was gesagt wird."

Ist dabei das Drehbuch herausgekommen, das dem Film zugrunde liegt?
"Die Produktion wollte, dass nach dem 'step by step'-Programm noch ein Dramaturg hinzukommt. Das war eine ganz andere Erfahrung. In großen Firmen gibt es fest angestellte Dramaturgen. Ich halte das für eine gute Einrichtung. Man braucht jemanden, der es noch einmal betrachtet, einem hilft, denn man ist so gefangen in seinen Ideen. Im Moment versuche ich einen Autor zu finden. Ich halte nicht soviel davon, dass alle alles selber machen. Ich finde, man kann froh sein, wenn man ein Talent hat und mein Talent ist die Regie, würde ich sagen."

Interview: Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

 

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