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Ausgabe 109-1/2007

LITTLE RED FLOWERS

KAN SHANG QU HEN MEI

Produktion: Beijing Century Good-Tidings Cultural Development Ltd. / Downtown Pic. Bologna; VR China / Italien 2006 – Regie: Zhang Yuan – Buch: Ning Dai, Zhang Yuan, nach dem Roman "Kanshangqu" von Wang Shuo – Kamera: Yang Tao – Schnitt: Jacopo Quadri – Musik: Carlo Crivelli – Darsteller: Dong Bowen, Ning Yuanyuan, Chen Manyuan, Zhao Rui, Li Xiaofeng – Länge: 92 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Fortissimo Films, Amsterdam, e-mail: info@fortissimo.nl – Altersempfehlung: ab 12 J.

Ein Vierjähriger wird von seinem Vater in einem Kinderheim abgeliefert – die Eltern sind beruflich viel unterwegs. Eine sehr hübsche, freundliche Erzieherin nimmt den aufgeweckten Jungen entgegen. Sie wird ihn in das ebenfalls sehr hübsche und freundliche Kinderkollektiv eingliedern. Der Vater geht, der Knabe heult, pinkelt ins Bett und "stört" auch in den nächsten Tagen die mustergültige, reibungslos ablaufende und durch Trillerpfeifensignale gesteuerte Anstaltsordnung auf vielfältige Weise, ohne dies mutwillig zu provozieren. Er nervt dadurch vor allem die anfangs so hübsche und freundliche Erzieherin, was erkennbar wird an ihren Zügen, die zunehmend weniger hübsch wirken und an ihrem Verhalten, das zunehmend weniger freundlich ist.

Zu ihren Herrschaftsmitteln gehören neben der Trillerpfeife rote Papierblümchen, die bei Wohlverhalten ausgegeben und bei Zuwiderhandeln wieder eingezogen werden. Das Verfahren erläutert sie einem davon sehr angetanen Vater, Angestellter im Erziehungsministerium, der sein Kind abholt – da schaut sie wieder ganz bezaubernd aus. Doch der Kleinkrieg zwischen ihr, der verantwortlichen Pädagogin und dem aufgeweckten, neugierigen Protagonisten geht weiter. Er führt uns durch den Alltag der Kinder, der sich in hohen, harmonisch gestalteten Räumen und auf einem freien Spielgelände vollzieht, alles von der Außenwelt abgeschirmt und in einer – von der Architektur unterstützten – Atmosphäre, die aus der Geschichte Chinas zu stammen scheint.

Aus diesem behüteten Milieu stiehlt sich der Knabe zweimal davon. Das erste Mal nimmt er ein Mädchen mit, das zu ihm hält, obwohl er bei allen als Außenseiter gilt. Beim zweiten Mal ist er allein, hinaus in den Park, der zu einem Krankenhaus oder Altersheim zu gehören scheint und noch weiter, bis ein Trupp Soldaten an ihm vorbei marschiert: sie tragen riesengroße rote Papierblumen. Als er "heim" kommt, ist es dunkel. Die Schlusseinstellung zeigt ihn auf dem Flur, den Kopf auf einen großen Stein gebettet, der als Richtstätte gedient haben könnte.

Der Film verstört zunächst: Ist er ein "Kinderfilm", nur weil der Held ein Vierjähriger ist und obwohl es kein Happy End gibt? Wann spielt er? Kritisiert er nur die Erziehungsmethoden der Mao-Zeit? Oder auch das, was davon heute noch übrig ist? Aus der zeitlichen Entfernung sehe ich ihn jetzt als einen wunderbar, fast choreographisch inszenierten Mikrokosmos mit wunderbaren Darstellern.

Man kann ihn als "Filmerlebnis" so stehen lassen, aber man kann auch Anspielungen drin sehen: das "Drinnen und Draußen", die Menschen im Park, die in einer Anstalt leben und die Soldaten, die im Gleichschritt marschieren und so absurd große Blumen vor sich her tragen – beide "inmates", die von Institutionen behütet, aber auch gegängelt werden. Dagegen die selbstbewusste System sprengende Haltung des Kleinen, der nur zu gerne die kleinen roten Blumen hätte, der aber auch nicht anders kann als er selbst bleiben. Ein kleiner Film über das große Thema des Sinns der Erziehung und der Menschlichkeit ihrer Umsetzung!

Christl Grunwald-Merz

 

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KJK-Ausgabe 109/2007

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