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Ausgabe 109-1/2007

NICELAND

Produktion: Nimbus Film / Tradewind Pic. / Zik Zak Kvikmyndir / Film and Music Ent.; Island / Deutschland / Dänemark / Großbritannien 2004 – Regie: Fridrik Thor Fridriksson – Buch: Huldar Breidfjörd – Kamera: Morton Soborg – Schnitt: Sigvaldi J. Karason, Anders Refn – Musik: Mugison – Darsteller: Martin Compston (Jed), Gudrun Maria Bjarnadottir (Chloe), Timmy Lang (Alexander), Gary Lewis (Max), Kerry Fox (Mary), Peter Capalbi (John) u. a. – Länge: 87 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Bavaria Film International – Verleih: Alpha Medienkontor – Altersempfehlung: ab 12 J.

Das Leben ist herrlich, wenn Chloe sagt, am liebsten würde sie mit ihrer Katze Catey und ihm, Jed, für immer zusammen bleiben. Als er sich daraufhin traut, ihr einen Antrag zu machen und sie ihn ohne zu zögern annimmt, muss er einfach vor Glück tanzen ... Das Leben ist grausam, wenn sich Catey ausgerechnet in diesem Moment losreißt, auf die Straße springt und überfahren wird. Wenn Chloe danach am Leben verzweifelt und Jed nicht mehr sehen will ... In der Tragikomödie "Niceland" wird die Liebe von Chloe und Jed, beide Anfang 20 und geistig behindert, auf eine harte Probe gestellt. Wobei Jed nie aufgibt, an ihre gemeinsame Zukunft zu glauben. Er überzeugt Chloe, dass es außer Catey noch etwas geben muss, das ihrem Leben Sinn gibt, und verspricht, es für sie zu finden. Sein am Down-Syndrom erkrankter Freund Alex hilft ihm dabei. Also nichts weniger als den Sinn des Lebens sucht Jed in dem neuen Film des bekannten isländischen Regisseurs Fridrik Thor Fridriksson. Doch worin der besteht, scheinen weder sein Vater, noch die Leute in der Behindertenwerkstatt oder die Hörer der lokalen Radiostation zu wissen. Da sieht Jed im Fernsehen zufällig den Schrotthändler Max und der gibt vor, eine Antwort gefunden zu haben.

Um ihm diese zu entlocken, beschließt Jed, zu Max auf den Schrottplatz zu ziehen. Das ist schon mehr als ungemütlich, zumal der Schrotthändler ein einsamer, unglücklicher Mann ist, der gelegentlich ausflippt und sich geradezu verzweifelt gegen die wachsende emotionale Nähe zu Jed wehrt. Aber Jed hat keine Wahl: Nachdem Chloe ins Koma gefallen ist, geht es schließlich um Leben und Tod. Auch für Max, der die Antwort schuldig bleibt. Als Jed begreift, dass Max ihm nicht helfen kann, weil er selbst durch den von ihm verschuldeten Verlust seiner Familie schwer traumatisiert ist, weiß er plötzlich: die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens kann man nur in sich selbst finden!

Nach "Children of Nature" (1991), mit dem Fridriksson den isländischen Film ins Bewusstsein der Welt katapultiert hat, zeigt er mit "Niceland" wieder ein Märchen, das in der Realität wurzelt. Und wie in seinem Psychiatriedrama "Angels of the Universe" (2000) zeigt er behinderte Menschen, die uns mit ihrer rücksichtsvollen Freundlichkeit, ihrer feinfühligen Sensibilität und ihrem wundervollen Humor beeindrucken. Es sind dieselben Qualitäten, die den Regisseur auszeichnen im respektvollen Umgang mit seinen jungen Protagonisten, deren unterschiedliche Behinderungen an keiner Stelle thematisiert oder gar instrumentalisiert werden. Im Gegensatz zu dem verzweifelten Max und den überwiegend ratlosen Erwachsenen, die ihre Träume längst begraben und jegliche Eigeninitiative vor dem Fernseher verloren haben, zeigt er sie als starke junge Menschen, die etwas riskieren und ihre Angst überwinden, die sich trauen, ihre Gefühle auszuleben und ihnen zu folgen.

Martin Compston, der 2003 zum ersten Mal als Teenager ohne Zukunft in Ken Loachs "Sweet Sixteen" beeindruckte, spielt den naiven, einfältigen Märchenhelden, mit dem wir uns der Antwort auf die existenzielle Frage nach dem Sinn des Lebens annähern. Unvergesslich der aus Scorseses "Gangs of New York" und als strenger Vater von "Billy Elliot" bekannte Gary Lewis in der Rolle des unglücklichen Schrotthändlers Max. Das anrührende philosophische Märchen wird geradlinig mit lakonischem Humor und einprägsamen, melancholischen Bildern erzählt, die eine mitunter märchenhaft unwirkliche Landschaft aus riesigen Schrottbergen und gesichtslosen Wohnhäusern in kaltem künstlichen Licht und beängstigender Dunkelheit, gelegentlich auch in warmem Sonnenlicht zeigen.

Uta Beth

 

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