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Ausgabe 109-1/2007

ROSSO COME IL CIELO

ROT WIE DER HIMMEL

ROSSO COME IL CIELO

Produktion: Orisa Produzioni Srl.; Italien 2005 – Regie: Cristiano Bortone – Buch: Cristiano Bortone, Paolo Sassanelli, Monica Zapelli – Kamera: Vladan Radovic – Schnitt: Giancarla Simoncelli – Musik: Ezio Bosso – Darsteller: Luca Capriotti (Mirco), Francesca Maturanza (Francesca), Simone Gulli (Felice), Paolo Sassanelli (Don Giulio), Marco Cocci (Ettore) u. a. – Länge: 90 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Adriana Chiesa Enterprises srl, Via Barnaba Oriani 24/A, I-00197 Roma, Telefon +39 06 8070 400, Fax +39 06 8068 7855, Internet: www.adrianachiesaenterprises.com – Altersempfehlung: ab 14 J.

Italien 1971. Der zehnjährige Mirco hat noch Glück, dass er beim Spiel mit einem Gewehr nur sein Augenlicht und nicht das Leben verliert. Fortan sieht er nur noch Schatten. Und das sind nicht die einzigen Schatten, die sein junges Leben schmerzlich verdüstern. Weil Blinde nach dem Gesetz keine öffentlichen Schulen besuchen dürfen, muss er sein Zuhause in dem toskanischen Dorf Pontedera verlassen, seine Eltern, die Freunde, alles, was ihm lieb ist, und von nun an in dem von der Kirche in Genua betriebenen Blinden-Internat Cassoni leben und lernen.

Der Kontrast könnte schlimmer nicht sein. Schon in der ersten Schulpause zieht sich Mirco den Zorn der Nonnen zu, weil er mit dem "Bestimmer" der Klasse heftig aneinander gerät. Vom Unterricht ausgeschlossen, entdeckt er ein Tonband – und als Don Giulio den Jungen seiner Klasse später einen Aufsatz zum Thema Jahreszeiten aufgibt, beschließt er, diese Aufgabe mittels einer Geräuschcollage zu lösen. Denn weil sich Mirco zu den Sehenden zählt, weigert er sich, die Punktschrift von Braille zu lernen.

Die Idee für die Collage kommt ihm, nachdem er durch ein geöffnetes Fenster ein Hörspiel nach Melvilles "Moby Dick" aus dem Radio von Francesca, der Tochter der Verwalterin, gehört hat. Obwohl die Mutter ihr bei Strafe den Kontakt zu den blinden Jungen verboten hat, freunden sich Francesca und Mirco an. Als es ihm gelingt, ihr das Fahrrad zu reparieren, verlassen sie Cassoni, fahren heimlich bis zum nächsten Kino und geraten auf dem Rückweg in eine Demonstration, aus der ihnen der blinde Ettore hilft, ein ehemaliger Internats-Schüler, der nun – neben seiner Arbeit am Hochofen – studiert und sich in der Studenten- und Arbeiterbewegung der 68er engagiert. Plötzlich bekommt das Leben für Mirco wieder einen Sinn. Mit seinem neuen Freund, dem dicken, gutmütigen und nicht sehr hellen Felice, entwendet er aus dem Lehrerzimmer weitere Bänder und bespielt sie mit Geräuschen, die sie zum größten Teil selbst herstellen. Er lernt zu schneiden und erklärt dem von Geburt an blinden Felice die Farben. Rot sei zum Beispiel wie Feuer oder wie der Himmel, wenn die Sonne untergeht. Schließlich kann Mirco Francesca seine fertige Collage präsentieren und sie ist begeistert. Beim Direktor der Schule hat er damit weniger Erfolg. Der sieht in seiner "Stimme der Natur" nur Obstruktion und stellt ihn als Dieb bloß. Mirco verliert jede Hoffnung, er wird krank, verweigert das Essen – bis Don Giulio ihm auf eigene Faust das Tonband und neue Bänder bringt. Dafür will Mirco nun auch die Blindenschrift lernen.

Es folgt der wohl schönste Teil des Films: die Produktion eines Märchenspiels um eine Prinzessin und ihre dreizehn Brüder, die nach dem Tod des Vaters von der Stiefmutter fortgejagt werden und ihre Schwester aus den Fängen eines furchtbaren Drachen befreien. Spannend die Entwicklung der Geschichte, in der eigene Erfahrungen verarbeitet werden, spannend die Suche nach den passenden Geräuschen, die bis zum Hochofen führt. Am Ende arbeiten nicht nur Francesca oder Felice, sondern die ganze Klasse bei der Hörspiel-Produktion mit, obwohl es natürlich auch hier das übliche Hickhack um die Besetzung der Rollen gibt. Selbst Valerio, der Bestimmer, verrät nichts. Und als die Kinder, die bisher meist verbissen Schaltbretter zusammengesteckt, gewebt und Stühle geflochten haben, eines Abends heimlich ins Kino gehen, sieht man sie endlich mal befreit lachen. Am glücklichsten aber ist Mirco, der mit Francesca im Kino Händchen hält und ihr verspricht, für immer mit ihr zusammen zu bleiben.

Doch natürlich kommt alles raus und der Direktor beschließt, Mirco von der Schule zu schmeißen. Don Giulio kämpft für ihn, präsentiert sein Tonband als beste Jahresarbeit, doch alles vergebens. Nach einem Gespräch mit der dicken Concetta aus der Küche stürzt er noch einmal zum Direktor, um ihm zu sagen, dass er dafür sorgen wird, dass Mirco bleibt und statt der üblichen Aufführung religiöser Geschichten zum Beginn der Ferien die Geschichte der Kinder für die Eltern aufführen will. Aber da stehen auch schon die von Francesca und Ettore mobilisierten Studenten und Arbeiter vor der Tür, die einen Streik für die Absetzung des Direktors ankündigen. Es dauert allerdings noch ein paar Jahre, bis Italien 1975 seine öffentlichen Schulen endlich auch für die Blinden öffnet. Aber im Film kann die Aufführung des Märchens ihren Lauf nehmen, der die erst verblüfften, dann jubelnden Eltern mit verbundenen Augen folgen.

Mit leuchtenden Bildern, die aber auch das schattenhafte Nichts des erblindeten Mirco einbeziehen, mit Stimmen, Musik, phantastischen Geräuschen und überraschenden Wendungen erzählt der Film von Cristiano Bortone einfühlsam und spannend vom einsamen und mutigen Kampf eines sensiblen und begabten Jungen gegen die eigene Blindheit und die der Gesellschaft, die ihm eine normale Kindheit und jede Möglichkeit einer freien Entfaltung abzusprechen versucht. Er zeigt, wie die autoritäre Leitung des verbitterten Direktors Phantasie und Begeisterungsfähigkeit abtötet, wie sie kindliche Träume und das Finden eines eigenen Ausdrucks verhindert. Auf der Ebene der Kinder besticht der Film mit Natürlichkeit und Humor, auf der der Erwachsenen wird die Botschaft für meinen Geschmack ein bisschen zu deutlich ausgesprochen. Übrigens beruht dieser Film auf der wahren Geschichte des bekannten italienischen Musikers und Musik-Produzenten Mirco Mencacci, der schon im Alter von acht Jahren erblindete und z. B. für die Ton-Gestaltung bedeutender Filme von Ferzan Ozpetec ("Le fate ignoranti" und "La finestra di fronte") oder Tullio Giordana ("La meglio gioventù") verantwortlich war.

Uta Beth

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.ROSSO COME IL CIELO im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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