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Ausgabe 109-1/2007

YES I AM!

Produktion: filmtank hamburg / Wüste Filmproduktion; Deutschland 2006 – Regie und Buch: Sven Halfar – Kamera: Dirk Heuer – Schnitt: Götz Schuberth – Mitwirkende: D-Flame, Mamadee, Adé Odukoya, Xavier Naidoo – Länge: 104 Min. – Farbe – Verleih: Movienet – Altersempfehlung: ab 14 J.

Über Rassismus wird in Deutschland vor allem dann gesprochen, wenn es zu spät ist. Wenn es irgendwo, vorzugsweise in den neuen Bundesländern, wieder zu neonazistischen Übergriffen und im schlimmsten Fall zu einer Auseinandersetzung mit Todesfolge gekommen ist. Doch wie sieht eigentlich der Alltag der Ausländer in unserem Land aus? Wie gehen sie mit den Anfeindungen um? Und auf welche Weise können sie auf ihre Probleme aufmerksam machen? Diese Fragen beantwortet ein Dokumentarfilm, der mit einer einzigartigen Mischung aus Interviewausschnitten, Archivmaterial und Musikclips eine Welt offenbart, die vielen von uns Deutschen fremd ist, obwohl sie direkt vor unserer Tür existiert.

Im Zentrum von Sven Halfars bewegender Dokumentation "Yes I am!", die einmal den bezeichnenderen Arbeitstitel "Fremd im eigenen Land" trug, stehen drei Menschen, die etwas miteinander teilen: die dunkle Hautfarbe, die Liebe zur Musik, die sie als Ventil für ihre Sorgen und Nöte nutzen, und das Schicksal, in Deutschland ihr Leben meistern zu müssen. Da ist Danny Kretschmar aus Frankfurt am Main. Dessen Vater, ein amerikanischer GI, dealte mit Drogen und wurde noch vor Dannys Geburt des Landes verwiesen. Auch Danny wurde straffällig, die Mutter bekam ihren Sohn nie in den Griff, schob ihn in ein Erziehungsheim ab. Heute nennt er sich D-Flame, ist ein erfolgreicher Rapper und Vater von vier Kindern. Mamadee wuchs im Osten auf, als die Mauer noch stand. Ihren Vater hat sie nie kennen gelernt. Er wurde in dessen Heimat Sierra Leone abgeschoben. Heute ist Mamadee 27 und lebt in Köln. Zuletzt tourte sie als Backgroundsängerin mit Reggae-Star Gentleman durch Deutschland. Jetzt steht sie kurz vor einer Solokarriere. Und schließlich ist da noch Adé Odukoya, in London geboren, aufgewachsen in Lagos und Köln. 1986 wurde seine Familie in ihrem Haus in Nigeria überfallen, sein Vater Adeleke brutal ermordet. Daraufhin beschloss Adés Mutter Barbara, in ihre Heimat nach Deutschland zurückzukehren. Heute ist Adé ein renommierter Musiker, der mit neuen Stilrichtungen für Furore sorgt und als Initiator des Projekts Brothers Keepers gilt.

Sven Halfar lässt seinen drei Protagonisten viel Raum und Zeit, um sich zu erklären. Nach und nach beginnt man zu verstehen, warum Adé, der sich selbst als "AfroPäer" bezeichnet, mit Nigeria weitaus mehr Verbundenheit fühlt als mit Deutschland und seinen kleinen Sohn unbedingt nach Afrika mitnehmen will. Man fühlt und leidet mit, wenn Mamadee erzählt, wie sie eines Tages erstmals mit rassistischen Übergriffen konfrontiert wurde. Es war in einer Disco. Erst dachte sie, man habe sie nur versehentlich angerempelt, doch dann wurde das Schubsen immer heftiger und hörte nicht mehr auf ... Auch die (weißen) Mütter kommen ausführlich zu Wort, sind dem Weinen nahe, wenn sie über ihre Isolation, ihre Ausgrenzung reden, aber auch fasziniert, wenn sie über die Liebe zu ihren schwarzen Partnern sprechen.

Schließlich geht der Filmemacher, der sein Handwerk an der Hamburger Filmhochschule erlernte, auch noch auf das einzigartige Musikprojekt Brothers Keepers respektive Sisters Keepers ein. Unter diesem Dach haben sich diese drei und viele andere Künstler – der Prominenteste wohl Xavier Naidoo, der im Film auch zu sehen ist – organisiert, um Rassismus keine Chance zu geben. Trauriger Anlass der Gründung war 2000 die Ermordung von Alberto Adriano, der in Dessau von drei Männern zu Tode getreten wurde. Oberstes Ziel der Brothers Keepers ist es, dass Rassismus in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Und deshalb ziehen sie durch die (deutschen) Lande, diskutieren mit Schülern, machen Demonstrationen und engagieren sich mit ihrer Musik für mehr Toleranz. All dies hat Sven Halfar in seine Dokumentation gepackt, die informativ ist und nachdenklich macht, gleichzeitig aber auch Möglichkeiten anbietet, wie jeder einzelne von uns diesen Status Quo ändern kann. Und weil "Yes I am!" in erster Linie ein Film über die Suche nach Identität und einem Zuhause ist, geht er uns alle an, unabhängig von Alter, Hautfarbe und Religion.

Thomas Lassonczyk

 

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