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Ausgabe 109-1/2007

"Jeder muss seinen eigenen Weg finden."

Gespräch mit Regisseur Martin Koolhoven und Drehbuchautor Marco van Geffen zu ihrem Film "Das Schnitzelparadies"

(Interview zum Film DAS SCHNITZELPARADIES)

Martin Koolhoven, 1969 in Den Haag geboren, studierte an der niederländischen Film- und Fernsehakademie in Amsterdam. Danach arbeitete er vorwiegend für das Fernsehen ("Duister Licht", 1997; "Suzi Q", 1999). Er ist Drehbuchautor und Regisseur bei Kurzfilmen, Musikvideos und Spielfilmen. 2001 erhielt er für seinen Film "De Grot / The Cave" das "Golden Calf" für die Beste Regie beim Filmfestival Utrecht. Bei "Schnitzelparadies" hat Martin Koolhoven das erste Mal mit Autor Marco van Geffen zusammen gearbeitet.

Marco van Geffen studierte Kunst an der Hochschule von Arnhem, bevor er als Drehbuchautor und Regisseur arbeitete. 1995 gehörte er zu den Gründern der Produktionsfirma Lemming Film, die bereits zahlreiche Kinder-, Jugend- und Familienfilme hergestellt hat. Marco van Geffen ist für die Stoffentwicklung zuständig und verfasst Drehbücher.

KJK: In Ihrem Film darf über Moslems gelacht werden, ich denke da an Nordips Papa und seine drei weisen Freunde, die mich auch ein wenig an die Heiligen Drei Könige erinnert haben. Wenn man die aktuelle Lage vom Karikaturen-Streit und dem sogenannten Kampf der Kulturen bedenkt, ist das aber gefährlich. Passen Humor und Islam zusammen?
Martin Koolhoven: "Niemand hat Probleme damit, alle haben über den Film gelacht. Auch die Leute aus Marokko, die zur muslimischen Community in Holland gehören. Selbst in Marokko kennt man solche Typen, wie sie im Film vorkommen, denn die gibt es wirklich. Für mich soll es nur witzig sein, keiner soll lächerlich gemacht werden."

Ihr Film ist eine Komödie, aber mit einem durchaus ernsten Hintergrund. Für mich geht es um Toleranz und Intoleranz. In der Hotelküche funktioniert die Zusammenarbeit nur, weil es eine klare Rangordnung gibt und auch, weil es immer noch einen weiter unten gibt, den man treten kann. Gibt es eine multikulturelle Zukunft für europäische Länder wie Holland oder Deutschland?
Marco van Geffen: "Eindeutig ja, denn dazu gibt es überhaupt keine Alternative."
Martin Koolhoven: "Wir leben doch längst in einer multikulturellen Gesellschaft und das hat auch eine Zukunft."
Marco van Geffen: "Spätestens in zehn Jahren kommt die Hälfte der Schüler aus anderen Ländern. Ich glaube, wir leben in einer Zeit eines großen Umbruchs und das geht eben auch mit Gewalt einher, aber wir müssen diese Veränderung der Gesellschaft akzeptieren."

Das Zusammenwirken in der Hotelküche klappt auch noch aus zwei anderen Gründen, zum einen sind die Aufgaben klar verteilt und es gibt einen Big Boss, zum anderen werden alle per Video überwacht, so eine Art Big Brother. Sollte man das auf Holland und Deutschland übertragen?
Marco van Geffen: "Nicht so direkt ...
Martin Koolhoven: ... viele dieser Späße haben etwas mit Macht zu tun. Für uns war diese Küche eine Art Armee, hier geht es ein wenig wie beim Militär zu.Marco van Geffen: "Natürlich lassen sich diese Küche und die Verhältnisse dort nicht eins zu eins als Spiegelbild der Gesellschaft verstehen. Trotzdem geht es um Macht und der Küchenchef hat sie eben, aber wie geht er mit dieser Macht um? So geht der Ministerpräsident in Holland nicht mit seiner Macht um, aber Ansätze dazu, Macht zu missbrauchen, gibt es überall."
Martin Koolhoven: "Und auch für eine multikulturelle Gesellschaft ist diese Küche kein Spiegelbild, denn wir wollten keinen Film über Multikultur machen, aber schon einen multikulturellen Film. Die Probleme in dieser Küche sind universell, sie sind nicht holländisch oder marokkanisch, auch wenn die Hauptfigur ein marokkanischer Junge ist, aber es gibt auch einen Jugoslawen ...Marco van Geffen: "Ausgangspunkt unseres Films war ein Buch und dieses Buch war schon multikulturell und daraus wollten wir eine Komödie machen, denn wer über diese Situationen lachen kann, wird in gewisser Weise auch erlöst."

Manchmal wird Ihr Film als Romeo-und-Julia-Geschichte bezeichnet. Das klingt eher nach einem tragischen Ende.
Martin Koolhoven: "Es kommt sogar im Dialog des Films vor, wenn die Chefin Nordip fragt: Hast du denn Romeo und Julia nicht gelesen?"

Was halten Sie von dieser Klassifizierung?
Martin Koolhoven: "Das ist doch klar, wenn wir so einen Satz im Film haben, dass der dann auch in den Kritiken aufgegriffen wird. Und jede Liebesgeschichte erzählt von Leuten, die Probleme mit dieser Liebe haben. Der Vergleich mit Romeo und Julia ist eben unvermeidlich."

Ihr Hauptdarsteller Mounir Valentyn ist ein Newcomer, wie haben Sie ihn entdeckt?
Martin Koolhoven: "Wir haben recht lange gesucht. Ich hatte ihn schon zwei Jahre zuvor in einem kleinen Film der Filmakademie gesehen, aber als wir mit dem Casting anfingen, wollten wir eigentlich einen Jüngeren für die Hauptrolle finden. Wir haben jedoch nicht den Richtigen gefunden und so sind wir wieder bei Mounir Valentyn gelandet. Und er war so gut, dass ich sehr glücklich bin, dass er den Nordip gespielt hat."

Mimoun Oaïssa und Yahya Gaier spielen ein schräges Duo, sollen Sie wirklich so etwas wie Ernie und Bert sein?
Martin Koolhoven: "Ja, aber im Prinzip könnte es jedes Comedy-Duo sein, wir haben eher an Laurel & Hardy gedacht. Ursprünglich hatten wir nur die Figur Amimoen im Drehbuch, aber beim Casting für diese Rolle sind dann Mimoun Oaïssa und Yahya Gaier zusammen aufgetaucht. Die Chemie zwischen den beiden stimmte von Anfang an und im Zusammenspiel waren sie sehr witzig. So haben wir das ausgebaut."
Marco van Geffen: "Wir haben aus einer Rolle zwei Rollen gemacht, um beide in unserem Film zu haben, denn sie sind auf unterschiedliche Weise jeder für sich sehr lustig und im Zusammenspiel übertreffen sie sich."

Sie haben sehr unterschiedliche Filme gemacht, die von Dogma 95 inspirierte Charakterstudie "Der Süden", den surrealen "Amnesia" und jetzt die Komödie "Das Schnitzelparadies", dazwischen dann einen TV-Spot für den Atemfrei-Kaugummi Airwaves, der mit seinen Kettensägen an Horrorfilme erinnert. Spielen Sie alle Genres durch?
Martin Koolhoven: "Für mich sind bei einem Film immer die Charaktere entscheidend. Ich will etwas über Menschen erzählen, da ist das Genre dann zweitrangig. Das Genre transportiert dabei lediglich die Geschichte eines Menschen. Die Autorentheorie der 60er-Jahre, nach der ein Film eines Regisseurs wie der andere auszusehen hat, halte ich für Unsinn. Denken wir nur an Hitchcock, der im Genre des Thrillers gefangen und damit unglücklich war, denn immer wenn er versucht hat, etwas anderes zu realisieren, wollte das keiner haben. Ich bin glücklich darüber, immer wieder andere Filmgeschichten in anderen Genres erzählen zu können. Für mich haben sie alle einen typischen Stil, ich sehe die Verbindungen zwischen meinen Filmen, aber sie haben nichts mit dem Genre zu tun."

Ich habe gelesen, dass Sie bereits an zwei weiteren Projekten arbeiten. Können Sie schon etwas über "Koning van Katoren" und "Oorlogswinter" erzählen?
Martin Koolhoven: "'Koning van Katoren' ist ein Fantasy-Film und das ist ein Riesenprojekt, es wird sicher noch eine Weile dauern, bis wir mit den Dreharbeiten beginnen können. Und 'Oorlogswinter' wird ein Film über einen 14-jährigen Jungen während des Zweiten Weltkriegs in Holland. Aber es gibt sogar noch ein weiteres Projekt: Zusammen mit Marco van Geffen arbeite ich am Drehbuch zu 'De President', das wird eine Fortsetzung von 'Schnitzelparadies'. Bisher hatte ich bei keinem Film zuvor so viel Spaß wie bei den Dreharbeiten zu 'Schnitzelparadies', deshalb wollten wir auf jeden Fall wieder etwas zusammen machen. Khalid Boudou, dessen Roman die Vorlage für diesen Film war, hat ein Buch mit dem Titel 'De President' geschrieben. Darin geht es um einen Illegalen, der Präsident des Landes wird und sein Kabinett besetzt er mit anderen Illegalen – und diese Leute regieren dann. Dieses Buch werden wir mit den Darstellern aus 'Schnitzelparadies' verfilmen und das ist auf jeden Fall besser als ein zweiter Teil von 'Schnitzelparadies'."

Interview: Manfred Hobsch

 

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