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Ausgabe 110-2/2007

MUKHSIN UND ICH

MUKHSIN

Produktion: Grand Brilliance Sdn. Bhd.; Malaysia 2006 – Regie: Yasmin Ahmad – Buch: Yasmin Ahmad, Inom Yan – Kamera: Keong Low – Schnitt: Affandi Jamaluddin – Musik: ADDAUDIO – Darsteller: Sharifah Aryana Syed Zainal Rashid (Orked), Mohd. Syafie bin Naswip (Mukhsin), Sharifah Aleya Syed Zainal Rashid (Mak Inom), Irwan Iskandar bin Abidin (Pak Atan) u. a. – Länge: 94 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Grand Brilliance Sdn. Bhd., e-mail: lorna.tee@gmail.com – Altersempfehlung: ab 10 J.

Zum ersten Mal konnte beim Kinderfilmfest der Berlinale, das ja nun Generation heißt, ein Film aus Malaysia präsentiert werden. Der fand beim jungen wie erwachsenen Publikum soviel Zustimmung, dass er gleich zweimal ausgezeichnet wurde: mit dem Großen Preis des Deutschen Kinderhilfswerkes von der Internationalen Jury und einer lobenden Erwähnung seitens der Kinderjury.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Mukhsin ist ein zwölfjähriger Junge, "ich" ist die zehnjährige Orked. Orked hat einen ausgeprägten eigenen Willen, ist selbstbewusst und spielt am liebsten mit Jungs. Sie weiß mit ihnen umzugehen und sich bei ihnen durchzusetzen, vor allem aber weiß sie sich zu wehren, wenn nötig, auch mit körperlichem Einsatz. Mit diesem Verhalten schafft sie sich nicht nur Freunde. Die Mädchen halten einen respektvollen Abstand zu ihr, die Jungs lachen heimlich über sie. Außer Mukhsin. Für ihn ist Orked die Allergrößte und dass sie in seiner Fußballmannschaft mitspielen will, stört ihn eigentlich nicht. Auch nicht, dass Orkeds Familie in der Nachbarschaft als "verrückt" oder zumindest als "ausgeflippt" verschrien ist.

Und "verrückt", also anders, sind Orkeds Eltern tatsächlich: Die Mutter spricht grundsätzlich englisch mit ihr und dem Vater. Der wiederum versucht sich in den verschiedensten Geschäften, meist ohne großen Gewinn. Darüber geraten beide immer mal in Streit, der aber nicht lange anhält, lieben sich doch die Eltern zu sehr und können ohne einander nicht sein. Ihrer Tochter lassen sie alle Freiheiten, Strafen gibt es nicht, höchstens inszeniert als Show. Als sich nämlich einmal die Eltern eines Jungen beschweren, dem Orked "eine verpasst" hat, nimmt die Mutter eine Art Rohrstock von der Wand und führt ihre "unerzogene" Tochter ins Kinderzimmer. Von dort hört man einen Schlag auf den anderen, dazwischen herzzerreißendes Gejammer. Kameraschwenk in den Nachbarraum: Mutter und Tochter sitzen vergnügt zusammen, in regelmäßigen Abständen haut die Mutter mit dem Stock auf die Bettdecke, woraufhin Orked auf Bestellung schreit.

Kein Wunder also, dass Orked vor nichts Angst hat, und genau das fasziniert Mukhsin. Doch Mukshin ist nun zwölf und seine Gefühle zu Orked beginnen sich zu verändern. Er möchte mehr als "nur" Freundschaft, doch kaum berührt er zärtlich den Arm seiner Freundin, weist die ihn schroff zurück. Orked ist zu jung, um das Gefühl von erster Liebe teilen zu können. Am Schluss des Films heißt es, dass Orked Mukhsin nie wieder gesehen hat. Und trotzdem ist er ein Stück von ihr. Denn das war er bereits schon, ehe die Liebe kam ...

Die studierte Psychologin, Regisseurin und Drehbuchautorin Yasmin Ahmad, die mit ihren früheren Arbeiten immer wieder internationale Preise errang und nun zum ersten Mal auch zur Berlinale eingeladen war, erinnert sich hier genau an den Punkt in ihrer Kindheit, wo sie als Mädchen die erste Liebe erfährt und damit nicht umgehen kann. "Ich habe nie verstanden, dass so etwas Schönes wie der Beginn einer Liebe das Ende einer mindestens ebenso schönen Freundschaft bedeuten soll", sagte sie zu ihrem neuen Film. Der besticht aber nicht nur durch die sensibel erzählte Geschichte der beiden Kinder, sondern auch dadurch, wie sie deren Umfeld – nämlich die Welt der Erwachsenen – beschreibt. Da ist die schwangere Nachbarin, die von ihrem Mann verlassen wird, oder jene, die voller Neid und Boshaftigkeit anderen hinterher spioniert, um eigene Unzufriedenheit zu kompensieren. Der kritische Blick in die "Wohnzimmer" der Nachbarn ist dabei von einer ausgesprochenen Herzenswärme und Leichtigkeit geprägt.

Yasmin Ahmad erreicht hier eine bemerkenswerte atmosphärische Dichte, was vielleicht auch daran liegt, dass sie ihren Low- oder besser gesagt: No-budget-Film an Schauplätzen aus ihrem privaten und damit dem ihr vertrauten Umfeld gedreht hat. Diesen Aspekt hob auch die Internationale Jury hervor: "Eine wunderbare, bisweilen fast magische Atmosphäre, getragen von wunderbarer Musik. Poetische Bilder, so unaufdringlich wie das Schlagen von Schmetterlingsflügeln. Ein Humor und Filmfiguren, die das Publikum im Zoo Palast zu Begeisterungsstürmen hinrissen", hieß es in ihrer Begründung bei der Preisvergabe. Ein größeres Lob kann es für einen Film, der in nur zwölf Drehtagen fertig gestellt worden ist, wirklich nicht geben!

Barbara Felsmann

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 110-2/2007 - Interview - "Ich möchte die Menschen ermutigen, anstelle der Kälte die Liebe zu wählen"

 

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