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Ausgabe 105-1/2006

DIE CHRONIKEN VON NARNIA – DER KÖNIG VON NARNIA

THE CHRONICLES OF NARNIA: THE LION, THE WITCH AND THE WARDROBE

Produktion: Walt Disney / Walden Media / Lamp Lost; USA 2005 – Regie: Andrew Adamson – Buch: Ann Peacock, Andrew Adamson, Christopher Markus, Stephen McFeely, nach dem Buch von C. S. Lewis – Kamera: Donald McAlpine – Schnitt: Sim Evan-Jones, Jim May – Musik: Harry Gregson-Williams – Darsteller: Georgie Henley (Lucy Pevensie), William Mosely (Peter Pevensie), Skandar Keynes (Edmund Pevensie), Anna Popplewell (Susan Pevensie), Tilda Swinton (Jadis, die weiße Hexe), Jim Broadbent (Professor Kirke) u. a. – Länge: 138 Min. – Farbe – FSK: ab 6, ffr. – Verleih: Buena Vista – Altersempfehlung: ab 10 J.

Drei Jahre lang dominierte die "Herr der Ringe"-Trilogie in der lukrativen Weihnachtszeit weltweit die Kinos. Mit Hilfe des christlich orientierten Hollywood-Konzerns Walden Media hat nun das Disney-Imperium – mit lieblichen Animationsfilmen auf das Weihnachtsgeschäft abonniert – versucht, verlorenes Terrain zurückzuerobern. Schätzungsweise 150 Millionen Dollar wurden in die "bislang größte Disney-Produktion" – so die Verleihwerbung – investiert, um die Verfilmung des ersten Bandes des britischen Kinderbuchklassikers "Die Chroniken von Narnia" mit einer riesigen Marketingkampagne zu einem Kassenschlager zu machen.

England im Zweiten Weltkrieg: Um den deutschen Bombenangriffen zu entgehen, werden die Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy zu ihrem Patenonkel aufs Land geschickt. Auf dem Landsitz des kauzigen Professors stoßen sie beim Versteck Spielen auf einen Wandschrank, der sich als Tor zum magischen Land Narnia erweist. Weil die schöne böse Hexe Jadis, eindrucksvoll gespielt von Tilda Swinton, das Land mit einem Fluch belegt hat, herrscht dort eisige Kälte, ja es gibt auch kein Weihnachten mehr. Der eisige Zauber kann einer alten Prophezeiung zufolge nur durch das gemeinsame Wirken je zweier Nachkommen von Adam und Eva gebrochen werden. Die mutige kleine Lucy schließt als erste Freundschaft mit einem ziegenfüßigen Faun, der die Kinder mit den vielen phantastischen Lebewesen von Narnia bekannt macht. Die vier schlagen sich auf die Seite des guten Löwenkönigs Aslan, um den Fluch zu brechen und Narnia endlich Frieden zu bringen. Doch die Weiße Hexe gibt sich nicht so leicht geschlagen: Sie hat Edmund schon bei der ersten Begegnung verhext, so dass er ihr in ihr Schloss folgt. Natürlich versuchen die übrigen Geschwister, Edmund aus den Klauen der Hexe zu retten, erkennen jedoch bald eine größere Aufgabe.

Der Vergleich mit der "Herr der Ringe"-Trilogie von J. R. R. Tolkien ist kein Zufall. Tolkien und der Autor der siebenbändigen "Narnia"-Reihe (entstanden von 1950 bis 1956), Clive Staples Lewis (1898-1963), waren befreundet und lehrten zeitgleich an der Universität Oxford. Beide waren überzeugte Christen und schrieben ihre phantastischen Romane unter dem Eindruck der Schrecken des Zweiten Weltkrieges. Beide erzählen vom Kampf von Gut und Böse und propagieren in mythologischem Gewand christliche Werte, wobei Lewis etwas direkter vorgeht. Sein Löwe ist klar als Metapher für Jesus erkennbar, die Hexe als Satan und der von ihr irregeführte Edmund als Verräter Judas. Und im Mittelpunkt der Geschichte steht der Glaube an die Wiederauferstehung.

Die Parallelen wiederholen sich sogar bei der Verfilmung: Der "Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson ist ebenso Neuseeländer wie sein "Narnia"-Kollege Andrew Adamson, der nach den beiden genialen "Shrek"-Animationsfilmen hier erstmals bei einem Spielfilm die Regie übernommen hat. Auch ein Großteil der Außenaufnahmen entstanden jeweils in Neuseeland. Und ein Teil der Trickspezialisten wechselten vom "Ring" zu "Narnia". Ein Handicap hat Adamsons überlanges Opus jedoch: Im Unterschied zum angelsächsischen Sprachraum ist die Buchreihe von Lewis mit einer weltweiten Auflage von 100 Millionen Exemplaren hierzulande fast nur in christlichen Zirkeln bekannt.

Eindrucksvoller als das visuelle Spektakel mit imposanten Schauplätzen und Spezialeffekten ist aber die anfängliche Entdeckungsreise der Kinder in ein fabelhaftes Märchenland, die zu Loyalitätskonflikten zwischen den Geschwistern führt. Zumal die Kinderfiguren solide besetzt sind und die kleine Georgie Henley als Lucy eine erstaunliche Präsenz entfaltet. Sobald aber der Machtkampf zwischen Aslan und Jadis eskaliert und die Heerscharen aufeinanderprallen, kommt Adamson über eine matte Variation der "Ringe"-Gefechte nicht hinaus. Im Gegenteil: Wenn in blutrünstigen Schwertkämpfen kein Tropfen Blut fließt, wird selbst der jungen Zielgruppe rasch auffallen, dass hier buchstäblich Krieg nur simuliert wird und hässliche Folgen von Gewalt ausgeblendet werden, offenkundig mit dem erwünschten Effekt, eine möglichst niedrige Altersfreigabe zu bekommen.

Reinhard Kleber

 

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