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Ausgabe 105-1/2006

DER LETZTE TRAPPER

LE DERNIER TRAPPEUR

Produktion: MC4 / TF1 Cinéma / Mikado / Pandora Filmproduktion u. a.; Frankreich / Kanada / Deutschland / Italien 2004 – Regie und Buch: Nicolas Vanier – Kamera: Thierry Machado – Musik: Krishna Levy – Länge: 94 Min. – Farbe – FSK: o. A., ffr. – Verleih: 3L Filmverleih, www.3L-filmverleih.de – Altersempfehlung: ab 8 J.

Mit Filmen über eine Durchquerung Sibiriens und eine Schlittenhundfahrt quer durch den amerikanischen Kontinent hat sich der französische Abenteurer, Schriftsteller und Filmemacher Nicolas Vanier (geboren 1962 in Senegal) als "moderner Jack London" einen Namen gemacht. In seinem jüngsten Werk porträtiert er einen passionierten Trapper, der im Einklang mit der Natur lebt. Norman Winther lebt mit der Nahanni-Indianerin Nebraska in den einsamen Weiten Yukons, im Nordzipfel Kanadas, und trotzt allen Unbilden des harten Klimas. Der Film folgt dem Jahreslauf der Wildnis: Im Sommer durchwandert der Trapper sein Revier entlang der Flüsse und Seen, im Herbst bringt er Vorräte ein und reitet zu den Pelztierfallen. Die dabei gewonnenen Pelze verkauft er in der weit entfernten Stadt, um einige notwendige Zivilisationsgüter mitnehmen zu können. Im Winter werden die Schlittenhunde zu seinen Begleitern – und Lebensrettern, etwa wenn er mit dem Schlitten in einen zugefrorenen See einbricht. Mit dem Tauen von Eis und Schnee erwacht im Frühjahr die Natur auf wunderbare Weise zu neuem Leben.

Über weite Strecken wirkt "Der letzte Trapper", der nach Angaben des Verleihs der erste Kinofilm ist, der in den nördlichen Rocky Mountains gedreht wurde, wie ein Öko-Märchen. Dem erfahrenen Kameramann Thierry Machado, der schon für die Naturfilme "Nomaden der Lüfte" und "Mikrokosmos" fotografiert hat, sind imposante Tier- und Landschaftsaufnahmen gelungen. Allerdings mussten er und sein Team auch Temperaturen bis zu minus 50 Grad auf sich nehmen, um die Naturschönheiten auf Zelluloid zu bannen.

Vanier stilisiert den authentischen Protagonisten Winther, der aus dem Off in allzu papiernen Statements seine alltäglichen Verrichtungen kommentiert, zur Galionsfigur des Umweltschutzes. Winthers respektvoller Umgang mit den natürlichen Ressourcen und die konsequente Anpassung seiner Lebensweise an Fauna und Flora sollen die gedankenlosen Angehörigen westlicher Zivilisationen mahnen, die Natur zu schonen und sorgsamer mit deren Schätzen umzugehen. Allerdings schießt die Co-Produktion von fünf Ländern übers Ziel hinaus, wenn Winther des Öfteren seine jägerischen Eingriffe mit einem Argument rechtfertigt, das puristischen Öko-Aktivisten sauer aufstoßen dürfte: Die Trapper sorgten mit ihrer Jagd dafür, das natürliche Gleichgewicht in der Balance zu halten, weil sich sonst einige Tierarten zu stark vermehrten.

Um den Spielfilm, der mit dokumentarisch anmutenden Szenen auch lehrreiche Erkenntnisse über das Überleben in der Kälte liefert, familientauglicher zu machen, verzichtet Vanier darauf, das unumgängliche Töten von Tieren explizit zu zeigen, vom überfahrenen Hund und dem Schuss auf ein Karibou mal abgesehen. Angesichts des Umstands, dass der Film vom World Wildlife Fund unterstützt wurde, verwundert es, dass die systematische Zerstörung der kanadischen Wälder durch den exzessiven Holzeinschlag nur kurz angeschnitten wird, obwohl dies ja zur weiteren Verdrängung der Tierpopulationen und damit auch der Trapper führt. Trotz solcher Schwächen bietet Vaniers filmisches Naturspektakel genug Erzählstoff und Bilderopulenz für die Nachfolge von so erfolgreichen dokumentarischen Naturfilmen wie "Die Reise der Pinguine", "Deep Blue" und "Nomaden der Lüfte".

Reinhard Kleber

 

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KJK-Ausgabe 105/2006

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