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Ausgabe 105-1/2006

MAD HOT BALLROOM

Produktion: Just One Productions New York; USA 2005 – Regie: Marilyn Agrelo – Buch: Amy Sewell – Kamera: Claudia Raschke-Robinson – Schnitt: Sabine Krayenbühl – Musik: Steven Lutvak, Joseph Baker – Länge: 105 Min. – Farbe – FSK: o. A., ffr. – Verleih: X Verleih; OmU – Altersempfehlung: ab 8 J.

American Ballroom Theater – das ist der Name der gemeinnützigen Organisation, die in New York 1994 an zwei öffentlichen Schulen das Projekt "Dancing Classrooms" initiierte. Heute tanzen mehr als siebentausend Jungen und Mädchen an 60 New Yorker Schulen. Nur die besten Tanzpaare schaffen es in diesem Wettbewerb bis zum großen "Rainbow Team Matches". Das Filmteam hat für sein Projekt – eine Langzeitdokumentation von den ersten Tanzschritten bis zum aufregenden Finale – drei Schulen ausgewählt. 30 Prozent der jungen Teilnehmer der Dancing Classrooms sind asiatischer Herkunft, 25 Prozent lateinamerikanischer, 25 Prozent sind schwarz und 20 Prozent weiß. Die Regisseurin Marilyn Agrelo, nach eigener Aussage New Yorkerin mit Herz und Seele: "Es war meine Idee, nicht nur eine Schule zu porträtieren, sondern mehrere, um die unglaubliche Vielfalt New Yorks aufzuzeigen. Die riesige Bandbreite des sozialen und kulturellen Hintergrunds, den diese Kids mitbringen, reizte mich."

Und das auf der Leinwand mitzuerleben, macht den Reiz dieses Dokumentarfilms aus. Die Kinder, von engagierten wie ambitionierten Lehrern trainiert, bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit. Während die asiatischen Schüler mit großem Ernst und angestrengter Beflissenheit ihre Füße Schritt für Schritt setzen, haben die lateinamerikanischen Kinder, allen voran die aus der Dominikanischen Republik, keine Mühe mit dem Rhythmus der vorgegebenen Tänze Foxtrott, Merengue, Swing, Rumba und Tango. Das Tanztraining schließt auch die einfachsten Benimmregeln des Umgangs miteinander ein. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Jungen nicht mit heraushängendem Hemd ihre Partnerin zum Tanz auffordern, dass sie beim Tanzen nicht krampfhaft aneinander vorbei sehen, dass sie sich bewusst wahrnehmen. Manche steigen aus, ohne Gründe zu nennen, andere laufen zu ungeahnten Formen auf, haben erstmals in ihrem Schülerdasein Erfolgserlebnisse. Es geht in diesem Projekt darum, die Schüler für eine gemeinsame Sache zu begeistern, gleichwohl ihren Ehrgeiz zu wecken, gewinnen zu wollen.

Das mag ein Problem sein, denn es ist wirklich tragisch, mitzuerleben, wie eine Gruppe nach der anderen herausfällt aus dem Wettbewerb, wie Träume in Tränen ertrinken. Eine Lehrerin sagt es deutlich: Wettbewerb muss sein, sonst wird es nicht ernst genommen. Vielleicht ist das ein wesentlicher Unterschied zwischen Amerika und Europa. Hier drängt sich unwillkürlich der Vergleich mit dem erfolgreichen Dokumentarfilm "Rhythm is it" auf, wo Berliner Jugendliche – auch aus sozialen Brennpunkten – für ein ambitioniertes Tanzprojekt begeistert werden, das ebenfalls mit hartem Training verbunden ist. Doch hier steht nicht der Wettbewerb der Besten im Mittelpunkt, wird nicht aussortiert, sondern das Ziel ist eine furiose Aufführung mit allen, die bei dem Projekt geblieben sind.

Trotzdem: Es macht Spaß, den Kindern dabei zuzusehen, wie sie in "Mad Hot Ballroom" immer lockerer und sicherer auf dem Parkett werden, begleitet von einer mitreißenden Musik. In Gesprächen vor der Kamera geben sie Auskunft über ihre Wünsche und Zukunftsvorstellungen. In diesen privaten Momenten ist zu spüren, dass sich die Filmemacherinnen während ihrer Arbeit das Vertrauen der Kinder erworben haben. Alles in allem: "Mad Hot Ballroom" ist ein vergnüglicher Film, der wieder einmal beweist, welche Bedeutung die musische Erziehung für Heranwachsende hat.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

 

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KJK-Ausgabe 105/2006

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