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Ausgabe 105-1/2006

RYNA

Produktion: Pacific Films; Schweiz / Rumänien 2005 – Regie: Ruxandra Zenide – Buch: Marek Epstein – Kamera: Marius Panduru – Schnitt: Joachim Stroe, Jean-Paul Cardinaux – Darsteller: Dorotheea Petre, Valentin Popescu, Matthieu Rozé, Nicolae Praida, Aura Calarasu u. a. – Länge: 93 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Pacific Films, e-mail: pacific@pacificfilms.ch – Altersempfehlung: ab 14 J.

Der Wind raschelt im Schilf. Weit und flach zieht sich das Land hin. In der melancholisch-schönen Landschaft des rumänischen Donaudeltas leben Menschen, die wenig haben, aber viel trinken. Einer von ihnen ist Rynas Vater, der schon einmal besoffen um sich schlägt, wenn ihn seine Tochter nachts aus der Kneipe abholt. Am nächsten Tag fragt er sie dann schuldbewusst, ob er ihr etwas getan hätte, aber sie schüttelt lächelnd den Kopf. Ryna hängt an ihrem hilflos-tyrannischen Vater.

Eigentlich hätte das Mädchen Ryna ein Junge werden sollen, jedenfalls, wenn es nach dem Wunsch des Vaters gegangen wäre. Darin liegt sicher ein Grund für das burschikose Auftreten der 16-Jährigen, die stets einen Overall trägt, Zigaretten paffend in der Autowerkstatt ihres Vaters arbeitet und mit ihren kurz geschorenen Haaren überaus jungenhaft wirkt. Zur Familie gehören noch ihre Mutter, die sich irgendwann nach einem Streit mit ihrem Mann frustriert Richtung Bukarest absetzt, sowie ein reichlich verwirrter Großvater. Letzterer erweist sich als immun gegen das dominante Familienoberhaupt und erfasst manchmal intuitiv die unsichere Hängepartie zwischen Kind und Frau, in der Ryna sich befindet.

Die 30-jährige Schweizer Regisseurin rumänischer Herkunft, Ruxandra Zenide, gibt mit "Ryna" ihr Spielfilmdebüt. Mit Empathie und einem guten Gespür für Locations zeichnet sie, immer eng an ihrer jungen Heldin bleibend, ein tristes, gelegentlich von drolligen Erscheinungen durchsetztes Bild dieses Landes, das noch nicht so recht in die europäische Union passen will. Kameramann Marius Panduru arbeitet mit ausgeblichenen Farben, wenn er das Donaudelta, das hin und wieder so unendlich wie das Meer wirkt, in Beige-, Grau- und Grüntönen – Rynas Overall nicht unähnlich – zeigt.

Ryna weiß sich durchaus ihrem Vater zu entziehen. Heimlich frönt das naturverbundene Mädchen seiner Leidenschaft, dem Fotografieren. Und Gelegenheiten zu kleinen Flirts finden sich auch, beispielsweise mit dem ungefähr gleichaltrigen Fahrrad fahrenden Briefträger dieser Gegend. Doch obwohl Ryna so munter und entschlossen wirkt, wird sie von mehreren Seiten unterdrückt, hat keine Chance, sich in dieser Umgebung, die sie liebt, frei zu entwickeln. Als die unverhohlenen Annäherungsversuche des örtlichen Bürgermeisters in sexuelle Gewalt umschlagen, ist ihr Vater nicht in der Lage, sie zu schützen. Ryna muss ihre Heimat verlassen, um ein selbst bestimmtes Leben führen zu können. Ruxandra Zenide erzählt keine glatte Emanzipationsgeschichte, sondern begleitet mit liebevollem Blick das schmerzhafte Erwachsenwerden einer jungen Frau.

Beim Internationalen Filmfest Mannheim-Heidelberg 2005 heimste "Ryna" viele der allerdings durchweg undotierten Auszeichnungen ein. Der Film erhielt den Spezialpreis der Jury – wobei der wunderbaren Hauptdarstellerin Dorotheea Petre sehr verdient noch ein zusätzlicher Spezialpreis verliehen wurde – sowie eine Lobende Erwähnung der Ökumenischen Jury und eine Empfehlung der Kinobetreiber-Jury.

Beim Festival des osteuropäischen Filmes in Cottbus 2005 gab es ebenfalls den Spezialpreis der Jury für "Ryna". Eine Ausstrahlung auch irgendwann im deutschen Fernsehen dürfte der schweizerisch-rumänischen Co-Produktion sicher sein. Ob sie allerdings den Weg auf unsere Kinoleinwände schafft, bleibt ungewiss.

Ina Hochreuther

 

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KJK-Ausgabe 105/2006

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