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Ausgabe 105-1/2006

"Ich habe kein Problem mit dem Wort Kinderfilm ..."

Gespräch mit Richard Claus über den Film "Herr der Diebe"

(Interview zum Film HERR DER DIEBE)

KJK: Seit 5. Januar 2006 ist "Herr der Diebe" im Kino. Wie war die Vorpremiere im Dezember in Hamburg?
Richard Claus: "Der Film ist fantastisch angekommen. Ich habe schon viele Premieren mitgemacht, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt, die waren richtig aus dem Häuschen."

Auch die Erwachsenen?
"Ich möchte, dass Erwachsene, wenn sie mit ihren Kindern in den Film gehen, nicht dabei leiden. Ich meine, dass die Erwachsenen das einigermaßen aushalten ..."

Die haben es ganz toll ausgehalten, auch wegen Venedig, bestens bekannt aus den Donna Leon-Krimi-Verfilmungen. War der Premieren-Jubel größer als beim "Kleinen Vampir"?
"Ja, kein Vergleich. Es ist so, dass den Leuten offensichtlich der 'human touch' im 'Herr der Diebe' extrem etwas angeht, die Sehnsucht nach Familie. Das Abenteuer kommt dazu. Ich bin ja nicht der Meinung, dass ich ein bedeutendes Meisterwerk geschaffen habe, aber doch einen Film über Füreinandersorgen, Freundschaft, Familie, der echt unter die Haut geht. Weil jedes Kind sowieso, auch wenn es Eltern hat, sich dauernd allein gelassen fühlt. Das gehört zum Kindsein, das Gefühl: Die kümmern sich nicht um mich oder zum falschen Zeitpunkt ..."

Wie war die Zusammenarbeit mit Cornelia Funke, deren Buch dem Film zugrunde liegt?
"Am Anfang sehr eng. Aber in dem Moment, wo es zu viele Dinge waren, hat sie sich sehr schlau raus gehalten."

Hat sie am Drehbuch mitgewirkt?
"Sie hatte eine Drehbuchfassung geschrieben. Technisch ist sie Co-Autorin. In ihrer Begleitung ging es dann in eine Richtung, in der von ihrer ursprünglichen Fassung nicht mehr viel zu erkennen war. Deshalb die Formulierung: basierend auf dem Buch von Cornelia Funke, das ist ein angemessener Titel, das findet sie auch."

Wie kam es zur Zusammenarbeit? Es ist ja nicht automatisch so, dass ein Buchautor eingeladen wird zur Verfilmung seines Werkes.
"Das war mein Wunsch. Ich habe sie gefragt, ob sie Lust hat, eine Drehbuchfassung zu schreiben."

Wie viele Fassungen gab es?
"So etwa um die zehn ..."

Wie kam es überhaupt zur Buchverfilmung?
"Der Chef von Warner Brothers rief mich an, wies mich darauf hin, sagte: Lies das mal. Ein paar Tage später hatte ich's gelesen und mir dann die Rechte gekauft."

Wann war das?
"Im August 2002 hatte ich die Option auf die Rechte, im Frühjahr 2003 begann ich mit der Arbeit an dem Film."

Wie lange wurde gedreht?
"In Venedig etwa vier Wochen, dann zwei Wochen in Luxemburg, in dem Städtchen Esch-sur-Alzette, wo sich eine erstaunliche Venedig-Außenwelt mit Kanälen von mehreren hundert Meter Länge und über einem Dutzend Brücken befindet. Ein Ambiente, das in etlichen Filmen schon zum Einsatz gekommen ist, z. B. in 'The Merchant of Venice' (Der Kaufmann von Venedig)."

Wie viele Drehtage waren es insgesamt?
"55 Drehtage"

Das ist doch gut für einen Kinderfilm dieser Größe, ich meine für einen Film mit Kindern ..."
"Kannst ruhig Kinderfilm sagen, ich habe damit kein Problem. Die Hauptfiguren in dem Film sind sechs Kinder zwischen 6 und 15 Jahren. Ich glaube realistisch zu sehen, dass die Zielgruppe allein von den Charakteren her Kinder in diesem Alter sind. Es ist also ein Kinderfilm."

Wie hoch war der Etat?
"Dreizehneinhalb Millionen Euro."

War das genügend für diesen großartig ausgestatteten Film?
"Es war ehrlich gesagt zu wenig, ein furchtbarer Stress."

Neben allem ist "Herr der Diebe" auch eine Liebeserklärung an das Kino – im Film das geschlossene "Stella"-Kino als Ort der Geborgenheit, als außergewöhnliches Zuhause für die kleinen Diebe ...
"Das ist im Buch auch schon so. Wir haben lediglich dazu erfunden, dass der kleine Mosca das Filmchen über seinen Vater dreht und vorführt."

Sie sind Co-Autor, Produzent und Regisseur, eine Personalunion, wie sie es vorher in Ihrem beruflichen Werdegang noch nicht gegeben hat ...
"Ja. Das war furchtbar, ganz schrecklich. Es hatte sich so ergeben. Ich hätte mir im Nachhinein gewünscht, eine starke Produzentenfigur neben mir zu haben. Ich war der Hauptproduzent, habe mich erst später dazu entschieden, Regie zu führen und es hat sich auch so ergeben, dass ich mich ins Drehbuch reingehängt habe. Auf diese Art und Weise liefen alle Fäden bei mir zusammen, das war nicht mein Wunsch. Das war furchtbar in dem Sinn, dass ich furchtbar viel Arbeit hatte. Aber mir war klar, dass ich mich hinterher nicht entschuldigen kann mit Arbeitsüberlastung, wenn etwas nicht so war wie ich wollte. Ich musste mich beim Drehen natürlich auf die Regie konzentrieren ..."

Entscheidend für die Auswahl der jungen Darsteller war, dass sie bereits Filmerfahrung hatten, so steht es in der Presseinformation. Warum?
"Wenn du elf Wochen drehst, kannst du nicht das Risiko eingehen, dass die Kinder nach drei Wochen schlapp machen. Die müssen wissen, auf was sie sich einlassen. Und sie wussten es ... Es sind alles englische Kinder mit Filmerfahrung. Bei fast allen war ein Elternteil mit bei den Dreharbeiten; es ist auch wichtig, dass die Eltern wissen, worum es geht."

Sind die Regeln für Kinder beim Drehen in England lockerer als in Deutschland?
"Kinderarbeit ist in England streng geregelt, sehr genau differenziert und etwas komplizierter als in Deutschland, weil es mehr gestaffelt ist nach Altersstufen. Weil alles vorgeschrieben ist, auch wie viele Stunden Schule sie täglich haben müssen."

Viele Regisseure, die mit Kindern arbeiten, beklagen die strengen Arbeitsvorschriften, Sie auch?
"Nein, ich bin schon bei 'Bananen-Paul' (1980, Buch und Regie: Richard Claus) gut damit klargekommen, weil es auch für mich eine Hilfe ist."

Der Film wurde in Englisch gedreht, dann deutsch synchronisiert. Sind Sie mit dem Ergebnis einverstanden?
"Ich finde es gut. Warner Brothers hatten mich bei allem gefragt und mir auch das Synchron-Buch geschickt, ich habe es nicht mal gelesen, habe es ihnen überlassen. Dann luden sie mich ein zur Abnahme der deutschen Fassung. Ich war größtenteils zufrieden. Hätte ich es selbst gemacht, wäre ich auch nicht hundertprozentig zufrieden gewesen. Natürlich gibt es Momente, wo ich sagte, ich hätte es anders gemacht. Andererseits ist auch manches besser als im englischen Original."

Wie gefällt dem achtjährigen Max der Film?
"Mein Sohn ist mein größter Fan, sowieso. Aber diese Geschichte nimmt er nicht mehr so ernst, weil er hinter die Kulissen geschaut hat. Er war mit am Set und deshalb ist er durch diesen Film nicht verzaubert."

Spielt er denn eine kleine Rolle in "Herr der Diebe", da er sowieso am Set war? Das machen ja viele erwachsene Filmleute gern mit eigenen Kindern ...
"Nein, er spielt nicht mit, denn er kann nicht spielen. Schauspielen ist ein Talent, das muss man haben, und das habe ich bei meinem Sohn noch nicht entdeckt. Ich übrigens habe es auch nicht ..."

Mit Richard Claus sprach Gudrun Lukasz-Aden

 

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