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Ausgabe 111-3/2007

ANTONIA

ANTONIA

Produktion: Coraçao da Selva / O2 Filmes / Globo Filmes; Brasilien 2006 – Regie: Tata Amaral – Drehbuch: Roberto Moreira, Tata Amaral – Kamera: Jacob Sarmento Solitrenick – Schnitt: Idê Lacreta – Musik: Beto Villares Parteum – Darsteller: Negra Li (Preta), Cindy (Lena), Leilah Moreno (Barbarah), Quelynah (Mayah), Thaíde (Marcelo Diamante) u. a. – Länge: 90 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Lumina Films, e-mail: juana@lumina-films.com – Altersempfehlung: ab 14 J.

"It can be hard to dream your dream": Die vier Freundinnen Preta, Barbarah, Lena und Mayah träumen davon, eines Tages von ihrer eigenen Musik leben zu können. DiesemTraum kommen sie ein großes Stück näher, als sie den Schritt vom Backgroundchor zur eigenen HipHop-Band mit Namen "Antonia" wagen und mit Hilfe des findigen Musikmanagers Diamond erste Engagements bekommen. Doch das Alltagsleben in den Favelas von Sao Paulo lässt sich nicht so einfach mit einer Gesangskarriere vereinbaren: Preta trennt sich von ihrem Mann und zieht fortan die kleine Tochter allein auf, ihre Freundschaft mit Mayah zerbricht, Lena wird schwanger und Barbarah kommt wegen Totschlags ins Gefängnis. Als einzig Preta auf der Bühne übrig ist, besteht kein Zweifel daran, dass es verdammt hart sein kann, seinen Traum zu leben. Aber wenn du deinen Traum aufgibst, dann kannst du nicht einmal mehr morgens aufstehen, schreibt Barbarah aus dem Gefängnis an Preta, die daraufhin einen Versuch unternimmt, die vier Freundinnen wieder zu vereinen.

Regisseurin Tata Amaral schließt mit "Antonia" ihre (1997 mit "A Sky Of Stars" begonnene und 2000 mit "Through The Window" fortgesetzte) Spielfilmtrilogie über "weibliche Archetypen" ab und fängt in fast dokumentarischer Weise das Lebensgefühl junger Frauen in den ärmeren Randgebieten von Sao Paulo ein. Gedreht wurde nach dreijähriger Recherchephase vor Ort in Vila Brasilândia, einem 280.000 Einwohner starken Viertel Sao Paulos. Kaum zu glauben, dass es sich ausschließlich um Laiendarsteller handelt, die aus über 600 Bewerbern aus der brasilianischen Musik- und Kunstszene gecastet wurden. Bewusst verzichtete Amaral auf ein fixes Drehbuch, damit Dialoge und Plot sich mit den Darstellern und aus deren Lebenserfahrungen heraus entwickeln konnten. Quasi als Gegengewicht zum improvisatorischen Moment für den beabsichtigten Naturalismus standen der Regisseurin ein preisgekröntes Team (Kamera, Schnitt und Art Direction) sowie die Produzenten des mehrfach preisgekrönten und Oscar-nominierten Films "City Of God" (2002) zur Seite.

Mit einem Höchstmaß an Authentizität erzählt "Antonia" vom Leben der vier starken, grundverschiedenen Frauen, die durch ihre Freundschaft, die (Rap-)Musik und eben ihren großen Traum miteinander verbunden sind. Ein starkes Bild findet der Film dafür im abendlichen Ritual des Schuhwechselns: Sind die Frauen nach einem Auftritt von Manager Diamond an ihrer Straße abgesetzt worden, werden die Highheels gegen bequeme Flachtreter ausgetauscht. Die Frauen tauschen ihre Identität als gefeierte Sängerinnen mit Erfolgspotenzial gegen die Herausforderung, im Alltag mit seinen kleinen und großen Schicksalsschlägen zu bestehen. Die Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe auch extremer Geschehen wie etwa dem Totschlag des Jungen bleibt dabei stets unbezweifelt.

Das besondere Verdienst von "Antonia" liegt nicht zuletzt in der ungewohnten Perspektive. Nicht als Kriminelle, Prostituierte oder asoziale Versager wie sonst filmüblich, sondern als lebensbejahende und sympathische "Kriegerinnen" – "Women Warriors" nennt sie der koproduzierende Regisseur von "City of God", Fernando Meirelles – porträtiert der Film seine vier dunkelhäutigen Heldinnen aus den Favelas. Bei aller Anmut jedoch nicht als hübsche Abziehbilder, sondern als Frauen mit Brüchen; Frauen, die sich selbst treu bleiben in einer von Armut, Gewalt und männlichem Chauvinismus geprägten Umwelt, wie die Regisseurin betont. Dass das Leben die Kunst mitunter imitiert, darf auch für die bereits mit großem Erfolg ausgestrahlte zugehörige TV-Serie behauptet werden, die als initialer Beitrag zur Emanzipation der (schwarzen) Frauen in den Favelas gefeiert wird. "Antonia" wird zu einem Lebensgefühl, und das vermittelt sich sogar dem europäischen Publikum.

Der Soundtrack des Films vereint Bekanntes und Neues aus der brasilianischen Musikszene, in der HipHop und Rap eine wichtige Rolle spielen. Die vier charismatischen "Antonias", die alle aus der Musikszene stammen, haben nicht nur selbst gesungen, sondern auch einen Großteil der Songs geschrieben. Für Gänsehaut sorgt ihre Darbietung des Roberta Flack-Klassikers "Killing Me Softly". Der stimmgewaltigen Frauenpower erlag auch das Publikum der diesjährigen Berlinale, wo "Antonia" in Anwesenheit der vier und ihrer Regisseurin die Sektion Generation/14plus eröffnete.

Ulrike Seyffarth

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.ANTONIA im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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