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Ausgabe 111-3/2007

Gespräch mit Norbert Lechner über sein Kinderfilmdebüt "Toni Goldwascher"

(Interview zum Film TONI GOLDWASCHER)

Norbert Lechner (Jahrgang 1961) studierte in München Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte (1987-1994) und gründete im Jahre 1990 die Produktionsgesellschaft Kevin Lee Film GmbH, deren geschäftsführender Gesellschafter er seither ist. Der erste Spielfilm "Wounded Faces" entstand 1991 in Koproduktion mit Maran-Film/SDR. Neben der Tätigkeit als Regisseur und Produzent arbeitet Norbert Lechner als Autor von Hörspielen (u. a. BR/Hörfunk, SWR, DRS) und Drehbüchern. "Toni Goldwascher", Lechners erster Kinderfilm, erlebte beim Festival "Goldener Spatz" im Mai 2007 seine Premiere und erhielt von der FBW das Prädikat "besonders wertvoll". – Filmstart: 6. September 2007 mit 10 Kopien

KJK: Herr Lechner, Ihr Name steht für Produktion und Regie, das Drehbuch hat Rudolf Herfurtner geschrieben. Haben Sie auch am Drehbuch mitgewirkt?
Norbert Lechner: "Ja, denn die Fassung von Rudolf Herfurtner war viel länger, umfasste 150 Seiten und ich habe es auf 95 Seiten gekürzt, habe geschaut, wo man auf etwas verzichten kann ..."

Josef Einwanger ist der Autor des gleichnamigen Kinderbuchs, das Buch zum Film also?
"1992 erschien es bei Bertelsmann,war 15 Jahre auf dem Markt und wurde vor einem Jahr aus dem Programm genommen. Wir wollen es jetzt bei 'book on demand' herausbringen."

Hat Josef Einwanger Ihren Film bereits gesehen?
"Er war in Erfurt sehr angetan von dem Film und meinte, dass es fast mystische Bilder dieser Landschaft sind und dass die Zeit vor fünfzig Jahren sehr gut getroffen ist."

Was verbindet Sie mit dieser Zeit, in der Strenge und Enge herrschten, die Kinder aber draußen sich Freiräume schafften?
"Es war schon anders in meiner Kindheit und doch war noch das Gefühl jener Zeit spürbar. Das hat sich ja erst Ende der 60er-Jahre gewandelt."

Wie kamen Sie dazu, das Buch "Toni Goldwascher" von Josef Einwanger zu verfilmen?
"Ich hatte vor, mich im Kinderfilm zu engagieren und sprach deshalb den Kinder- und Jugendautor Rudolf Herfurtner an, fragte einfach, ob wir nicht mal ein Projekt zusammen entwickeln könnten. Er hatte momentan nichts Eigenes, meinte aber, dass es da ein Buch gäbe, aus dem er gern ein Drehbuch schreiben würde."

Wann kam die erste Förderung für Ihr Projekt?
"Am Anfang stand die Drehbuchförderung vom BKM, das war vor ca. zehn Jahren. Dann wurde am Drehbuch gearbeitet, Thomas Hailer kam als Dramaturg hinzu, der damals fürs BKM Gutachten schrieb. Ich hatte ihn angesprochen und wir drei trafen uns alle ein, zwei Monate zur Drehbuchbesprechung. Mit dem fertigen Drehbuch habe ich dann die Sender zur Produktionsbeteiligung abgeklappert und mir die Absagen eingeholt ... Wenn man immer wieder den dicken Umschlag vom Sender zurückbekommt, weiß man schon, was das heißt, nein, das war keine schöne Zeit!"

Und doch haben Sie nicht resigniert ...
"Da ich dieses Projekt sehr geliebt habe, dachte ich: Das kann doch nicht alles gewesen sein. Und da es eine bayrische Geschichte ist, dachte ich, vielleicht ist es auch etwas für Österreich. Ich nahm mit dem Österreichischen Filminstitut Kontakt auf und Reinhard Schwabenitzky, Regisseur und Produzent, fand Gefallen und gab mir eine Koproduktionszusage. Damit ging ich zum BKM, das war im Jahr 2003, und erhielt 250.000 Euro Produktionsförderung, den üblichen Betrag für einen Spielfilm. Beim FilmFernsehFonds Bayern beantragte ich dann noch 450.000 – und bekam die Zusage über 150.000 Euro. Und dann ging das Desaster erst los."

Was für ein Desaster?
"Der Ablehnung von der FFA folgte der Rückzug der Österreicher. Also hatte ich konkret eine Zusage von 400.000 Euro. Gut, dafür kann man einen Low-Budget-Film machen, ich vereinfachte das Drehbuch, das Hochwasser, die Überschwemmung fielen weg, ebenso eine Szene mit Pferden. Doch dann sagten die Bayern: Mit 400.000 kann man doch keinen Film machen und zogen ihre Zusage zurück. Da stand ich dann doch etwas bedröppelt da. Zum Glück stand Frau Goldhahn vom BKM nach wie vor zum Projekt."

Das heißt also, Sie hatten 250.000 und sonst nichts?
"Ich ging eine Partnerschaft mit Macromedia ein, die private Fachakademie für Film in München, die im Gegensatz zur Filmhochschule keine Etats hat. Wir konnten die Technik nutzen und die Filmstudenten hatten die Möglichkeit, beim Film mitzuarbeiten."

Kann man für 250.000 Euro einen Film machen?
"Da ist ein hohes Maß an Selbstausbeutung dabei, und man muss sich schon sehr gute Leute suchen, mit denen man zusammenarbeitet."

Wer hat die Kinderdarsteller ausgesucht?
"Das habe ich selbst gemacht, sowohl in der Gegend am Inn, wo die Geschichte spielt, als auch über Schulen und Theatergruppen, ich fragte auch Christian Stückl, den Intendanten des Münchner Volkstheaters, ob er begabte Kinder hat. Über ihn fand ich Lorenz Strasser, den Darsteller des Toni."

Zurück zur Finanzierung – sind noch Mittel nachgekommen?
"Am Ende der Produktionsphase kam noch einmal ein kleiner Zuschlag vom Kuratorium und vom FFF Bayern von jeweils 9.800 als Verleihförderung."

Trotz des schmalen Budgets ist Ihnen ein in sich stimmiger kleiner Heimatfilm gelungen mit intensiven Landschaftsbildern.
"Wir haben zwar digital gedreht, aber mit einem optischen Aufsatz für die Digitalkamera. Das Problem bei digital ist ja, dass immer alles scharf ist, ohne Nuancen, während man durch dieses Gerät, das von einer kleinen Münchner Firma entwickelt wurde, völlig andere Bilder bekommt; die haben einen 'Kino-Look'. Der Nachteil ist allerdings, dass die kleine Digitalkamera dadurch sehr unhandlich wird, so groß wie eine 35mm-Kamera. Aber wir haben aus der Not eine Tugend gemacht, verzichteten auf Kamerafahrten, Handkamera war sowieso ausgeschlossen, also arbeiteten wir mit einer feststehenden Kamera. Das passt ja auch in die damalige Zeit."

Da Sie sich nicht haben entmutigen lassen, müssen Sie ja einen besonderen Bezug zu diesem Film haben ...
"Ich habe sehr vieles aus meiner eigenen Kindheit in diesem Stoff wieder erkannt, habe selber zwei Kinder (Mädchen 3 Jahre, Sohn 6 Jahre alt). Andererseits bin ich einer, der – hat er einmal etwas angefangen – nicht so leicht aufgibt. Als die Finanzierung so schwierig war, wollten mir alle einreden, ich soll die Geschichte in die Gegenwart verlegen. Ich bin sehr froh, dass wir das nicht gemacht haben."

Interview: Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

 

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