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Ausgabe 112-4/2007

DIE DREI RÄUBER

DIE DREI RÄUBER

Produktion: Animation X; Deutschland 2007 – Regie: Hayo Freitag – Buch: Bettine und Achim von Borries, nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Tomi Ungerer – Musik: Kenneth Pattengale – Stimmen: Elena Kreil (Tiffany), Katharina Thalbach (böse Tante), Joachim Król, Bela B. Felsenheimer, Charly Hübner (die drei Räuber) u. a. – Länge: 79 Min. – Farbe – FBW: besonders wertvoll – FSK: o. A. – Verleih: X Verleih – Altersempfehlung: ab 8 J.

Nach seinem Kinderbuch "Die drei Räuber", das 1961 erschien und mittlerweile ein Klassiker ist, erzählt Tomi Ungerer jetzt die Geschichte des Waisenkindes Tiffany und der Furcht einflößenden Gesellen mit dem kindlichen Gemüt in dem gleichnamigen Film. Und das ist wörtlich zu nehmen: Es ist die Stimme des weltberühmten Illustrators und Schriftstellers, die das Filmgeschehen aus dem Off kommentierend begleitet.

Wir sehen Tiffany im rosa Kleidchen mit goldblonden Zöpfen herzzerreißend am Elterngrab weinen. Derweil wartet eine Kutsche, die das Kind ins berüchtigte Waisenhaus bringen soll. Und drei Räuber warten im Wald, um die Kutsche zu überfallen, wie sie es stets tun. Doch welche Enttäuschung! Kein Gold, keine Schätze, nur ein kleines Mädchen. Aber dieser Winzling erfasst blitzschnell seine Chance, gibt sich listig als Tochter eines reichen Maharadschas aus und macht sich damit für die Räuber interessant. Die Rechnung geht auf, sie nehmen Tiffany als vermeintlich wertvolle Beute mit in ihr Quartier. Damit wird das Leben der wilden Kerle sinnvoll, bunt und heiter. Sie liegen dem Kind zu Füßen, sind sanftmütig und lieb. Doch die Wahrheit kommt ans Licht und Tiffany muss den schweren Weg ins Waisenhaus antreten. Das bricht den Räubern fast das Herz, denn sie kennen das Haus und seine schreckliche Leiterin nur zu gut, mussten sie dort doch einst selbst als Waisenkinder auf den Rübenfeldern schwere Zwangsarbeit verrichten. Das Ende des Films ist genauso märchenhaft wie im Buch – alles wird gut. Dank Tiffany wissen die Räuber endlich, was sie mit all dem geraubten Gold und Geld anfangen können. Die Waisenkinder besiegen nicht nur die wunderliche, auf Süßigkeiten versessene Tante in einer gewaltigen Tortenschlacht und vertreiben sie so aus der Geschichte, sondern sie übernehmen das Waisenhaus und machen daraus zusammen mit den Räubern ein fröhliches Kinderparadies.

Regisseur Hayo Freitag ("Käpt'n Blaubär") ist unter Mitwirkung des Buchautors ein berührender und insbesondere visuell bemerkenswerter Animationsfilm gelungen. Diese erste Arbeit der neu gegründeten Produktionsgesellschaft Animation X, ein Ableger von X Filme, wagt es, in Zeiten von perfekt geglätteter Computeranimation auf im besten Sinne altmodische Handarbeit zu setzen: Jedes Bild ist handgezeichnet, was vor allem in den vielen liebevollen Details sichtbar wird. Immer wieder sind in den atmosphärischen Bildern im Wald lustige und absurde Begebenheiten zu entdecken, auf die hie und da auch schon mal ein angeknipster Scheinwerferstrahl dezent hinweist. Der Film erweitert die Handlung und bereichert die Bildsprache mit eigenen Akzenten, wobei die Originalität und der subversive Charme von Tomi Ungerers Figuren erhalten bleiben. Berücksichtigt wird hierbei auch die Rezeption von jüngeren Kindern (die im Vorspann mit den Stimmen von Katharina Thalbach und Elena Kreil erfahren, dass die böse Tante nur eine Schauspielerin und in echt gar nicht böse ist). So spielen Farb- und Formengestaltung eine wichtige, Orientierung gebende Rolle. Die Räuber sind dunkelblau und schwarz gewandet, ihre Tatwerkzeuge leuchten rot, solange sie ihrem Räuberhandwerk nachgehen. Haben sie am Morgen "Feierabend", verlieren ihre Gesichter die finster-blaue Nachtfärbung. Tiffany bevorzugt die Farbe rosa, was aber keinesfalls süßlich wirkt. Denn Tiffany ist zwar niedlich, hat aber Charakter und eine eigene Vorstellung davon, wie sie der Welt begegnet und was gut und böse ist. Die Räuberhöhle, eine typische Männerwirtschaft, wird im Nu von Tiffany spielerisch in Besitz genommen und verzaubert, so als drücke sie auf einen magischen Knopf, der Blumen sprießen und Girlanden winden lässt. Tiffanys Charme wirkt im wahrsten Sinne entwaffnend auf die Räuber, die das Bösesein vergessen und das Kind im Manne entdecken. Und als klar wird, dass auch sie vor der Furcht einflößenden Waisenhaustante zittern, steht fest, dass Kinder und Räuber wunderbar zusammenpassen und -leben können.

Die an Tom Waits erinnernde Musik begleitet das Geschehen aufs Trefflichste, frech und mitunter schräg nämlich, wobei der mitreißende Titelsong der Bananafishbones von den Räuber-Sprechern Joachim Król, Bela B. Felsenheimer ("Die Ärzte") und Charly Hübner höchstpersönlich eingesungen wurde. Überhaupt ist die Synchronisation in diesem Film gelungen wie selten. Ein besonderer Glücksfall ist die Stimmen-Besetzung der kleinen Tiffany: Die achtjährige Elena Kreil spricht die Heldin so ungekünstelt und echt, dass es ein wahres Vergnügen ist und selbst Tomi Ungerer davon schwärmt. Nicht zuletzt dank ihr ist Tiffany kein altkluges Kind, wie es anfangs scheint, sondern ein kleines, verletzliches und doch starkes Mädchen. – Fazit: Unbedingt ansehen! Kleine wie große Leute werden das Kino glücklich verlassen.

Gudrun Lukasz-Aden / Ulrike Seyffarth

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DIE DREI RÄUBER im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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