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Ausgabe 112-4/2007

LEROY

LEROY

Produktion: Dreamer Joint Venture Filmprod. / Strom Film / ZDF; Deutschland 2007 – Regie und Buch: Armin Völckers – Kamera: Tony Mitchell – Schnitt: Marty Schenk – Musik: Ali N Askin – Darsteller: Alain Morel (Leroy), Anna Hausburg (Eva), Constantin von Jascheroff (Dimmi), Arnel Taci (Achmed), Paul Maaß (Hanno) u. a. – Länge: 89 Min. – Farbe – FSK: ab 12 – Verleih: X Verleih – Altersempfehlung: ab 12 J.

Dass man auch über Rassisten und rechtsradikale Schläger eine freche Komödie drehen kann, ohne in plakative Klischees zu verfallen, zeigt der Berliner Autor und Regisseur Armin Völckers in seinem ersten langen Kinofilm "Leroy". Für einige inszenatorische Holprigkeiten, bemühte Dialogpassagen und versiebte Gags entschädigen der Mut des Filmemachers zur politischen Unkorrektheit, der mitreißende HipHop-Soundtrack und eine originelle Schlusspointe, die hier natürlich nicht verraten wird.

Der 17-jährige schwarze Berliner Leroy ist ein netter Kerl, er spielt Cello statt HipHop und hängt gerne mit seinen Kumpels, dem Halbgriechen Dimi und dem Palästinenser Achmed, ab. Alle, so scheint es, haben eine Freundin, nur Leroy nicht. Umso mehr freut er sich, als sich ausgerechnet die hübsche Eva in ihn verliebt und ihn anspricht. Doch die erste Romanze bringt jede Menge Probleme mit sich. Denn Evas Familie ist politisch so rechts eingestellt, dass sie selbst ihre Wellensittiche nach Hitlers Generälen benannt hat. Natürlich sind ihre fünf glatzköpfigen Brüder vom neuen Freund der Schwester auch nicht gerade begeistert und lassen ihn das auch spüren. Aber selbst als die fünf eine Fascho-Bande beauftragen, Leroy zu verprügeln und dabei Eva verletzt wird, gibt der Afrodeutsche nicht auf. Er trommelt seine Freunde zusammen und lässt auf seine eigene Art und Weise die alte Black-Power-Bewegung wieder aufleben.

Schon mit seinem ersten Kurzspielfilm "Leroy räumt auf" gewann der 1963 in Berlin geborene Regisseur, der die ersten sieben Jahre seines Lebens in Rio de Janeiro verbrachte, mehrere Auszeichnungen. Diese Arbeit ebnete Völckers und dem Produzenten Oliver Stoltz, der zuletzt als Co-Regisseur des Dokumentarfilms "Lost Children" 2005 große Beachtung fand, den Weg zur Finanzierung des Erstlings. Wie viele andere Debüts weist auch "Leroy" neben vielen erfreulichen Ansätzen so manche Schwachstelle auf. So gibt der ehemalige Fassbinder-Mime Günther Kaufmann Leroys Vater als albernen Erfinder und Witzfigur. Einige Jungdarsteller sprechen unter Völckers Regie ihre Dialoge so schnodderig daher, dass man sie kaum versteht. Und dass Eva ein absolut vorurteilsfreier Engel sein soll, obwohl sie in einem stramm rechtsextremen Elternhaus aufgewachsen ist, kann man selbst den Jüngsten im jungen Zielpublikum nicht weismachen.

Auf der anderen Seite überrascht Völckers mit einer Fülle von Einfällen und respektlosen Witzen über Nazis wie dem running gag mit dem Kampfhund Goebbels, der zum Befehl "Heil!" die rechte Pfote hebt. Viele Pluspunkte bei den jungen Zuschauern dürfte der flotte Soundtrack einbringen, zu dem afrodeutsche HipHop-Musiker wie Afrob, Curse, Harris, Clueso sowie Seeed und Jan Delay zum großen Teil eigens produzierte Songs beisteuern. Allerdings hätte man sich gewünscht, dass diese deutschsprachigen Songs besser in den Erzählfluss integriert werden. Eine gute Wahl traf Völckers mit den beiden jungen Hauptdarstellern, dem 19-jährigen afrodeutschen Debütanten Alain Morel und der schon recht kameraerfahrenen 17-jährigen Anna Hausburg, die als Multi-Kulti-Liebespärchen sehr gut harmonieren. Alles in allem eine noch unausgereifte, aber erfrischend respektlose Anti-Rassismus-Satire mit viel versprechenden Ansätzen.

Reinhard Kleber

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.LEROY im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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