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Ausgabe 112-4/2007

RABENMUTTER

Produktion: Hamburg Media School; Deutschland 2006 – Regie: Alex Schmidt – Buch: Sylka Kramer – Kamera: Tom Bergsteiner – Schnitt: Ulrich Kruse – Musik: Marian Lux – Darsteller: Heike Warmuth (Christine 19 Jahre), Celina Bienert (Christine 8 Jahre), Daniel Zillmann (Kugel), Rosa Enskat (Christines Mutter), Evelyn Meyka (Heimleiterin) – Länge: 23 Min. – Farbe – Verleih: Hamburg Media School; Finkenau 35, 22081 Hamburg, Tel.: 040-4134680; Fax: 040-41346860, e-mail: filmwerkstatt@hamburgmedfiaschool.com – Altersempfehlung: ab 14 J.

Wie schon in den vergangenen Jahren bot das Deutsche Kinder-Film&Fernseh-Festival erneut die Möglichkeit zur Entdeckung so manch kleinen Juwels im Kurzfilmbereich. Ein solches Juwel ist dieser Abschlussfilm der Filmemacherin Alex Schmidt, die vor ihrem Filmstudium als Sozialarbeiterin tätig war, was ihrem Film sicherlich zu Gute gekommen ist:

Ein kleines Mädchen steht am Rande eines Hochhausdachs und wirft voller Zorn ihre Puppe runter / Schnitt / Die 19-jährige Christine sitzt bei der Frauenärztin und hat gerade erfahren, dass sie schwanger ist. Um zu entscheiden, ob sie das Kind behalten will oder nicht, verlässt sie kurz entschlossen das Heim, das bislang ihr Zuhause war, und fährt nach Berlin. Dort will sie ihre Mutter treffen, um von ihr zu erfahren, warum diese als Mutter versagt hat. Doch die alte Wohnung im Plattenbau ist leer und keiner scheint zu wissen, wo ihre Mutter ist. Sie quartiert sich dort ein und durchlebt in ihrer Erinnerung immer wieder Szenen aus ihrer Kindheit: Wenn ihre Mutter mal wieder nicht gekocht hatte oder den Geburtstag vergessen hatte. Sie trifft ihren alten Freund "Kugel" und hängt mit ihm ein wenig rum. Als sie endlich herausfindet, wo ihre Mutter jetzt wohnt, fährt sie hin und es kommt zu einer wenig erfreulichen Aussprache. Ihre Mutter weist jede Verantwortung von sich und beschließt das Gespräch mit "Du solltest vielleicht abtreiben. Hätt' ich damals auch machen sollen". Wutentbrannt stürmt Christine aus der Wohnung. Ihre Angst, sie könne eine Art "Schlechte-Mutter-Gen" geerbt haben, ist eher größer als kleiner geworden. Am Ende steht sie auf dem Dach des Hochhauses und sieht ihr kindliches Ich (aus der Anfangsszene) mit der Puppe in der Hand ...

Alex Schmidt gelang hier die intensive Studie einer gescheiterten Mutter-Tochter-Beziehung, aber auch einer sehr jungen Frau an einem entscheidenden Wendepunkt ihres Lebens. Hier brilliert Hauptdarstellerin Heike Warmuth, die die Zerrissenheit ihrer Figur in jedem Moment absolut überzeugend verkörpert. Wie der Film überhaupt bis in die kleinste Nebenrolle wahrhaftige Darstellungen bietet. Souverän wandert die Geschichte zwischen den Zeiten, verknüpft Vergangenheit und Gegenwart auch schon mal in einer Einstellung. Gekonnt spielt die Filmemacherin mit Erwartungshaltungen und Vorurteilen des Publikums: Da entpuppt sich die Heimleiterin als wahre Mutter und ihre biologische Mutter als vom Leben (und dem Kind) überfordert. Ein atmosphärisch starker Kurzfilm mit elaboriertem Sounddesign und stimmiger Musik, die nur in einer Szene leicht überpräsent ist. Ein Jugendfilm, der aus einer gar nicht so ungewöhnlichen Situation einer jungen Frau auch visuell überzeugendes starkes Kino macht.

PS: Das Katholische Filmwerk hat die nichtgewerblichen Rechte erworben.

Lutz Gräfe

 

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KJK-Ausgabe 112/2007

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