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Ausgabe 112-4/2007

THE WAY I SPENT THE END OF THE WORLD

CUM MI-AM PETRECUT-SCARSITUL LUMII

Produktion: Strada Film / Les Films Pelléas; Rumänien / Frankreich 2006 – Regie: Catalin Mitulescu – Buch: Andreea Valean, Catalin Mitulescu – Kamera: Marius Panduru – Schnitt: Cristina Ionescu – Musik: Alexander Balanescu – Darsteller: Dorotheea Petre (Eva), Timotei Duma (Lalalilu), Cristian Vararu (Andrei) u. a. – Länge: 106 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Pyramide International, Paris, e-mail: pricher@pyramidefilms.com – Altersempfehlung: ab 14 J.

Bukarest 1989. Unter der Diktatur von Nicolae Ceausescu ist der Personenkult um den kommunistischen Staats- und Parteichef noch immer ungebrochen. Deshalb wird es als schweres Vergehen angesehen, als die 17-jährige Eva und ihr Freund Alex in der Schule aus Versehen eine Büste Ceausescus schwer beschädigen. Die beiden müssen einer Untersuchungskommission Antwort stehen. Alex hat Glück: Sein Vater ist Parteifunktionär und kann seinen Sohn schützen. Doch Eva wird aus dem kommunistischen Jugendverband ausgeschlossen und in eine Besserungsanstalt gesteckt. Dort lernt sie den seelenverwandten Andrei kennen, den Sohn eines verschwundenen Dissidenten. Eva und Andrei beschließen, über die Donau in die Freiheit zu schwimmen. Evas siebenjähriger Bruder Lalalilu vermisst seine Schwester sehr und macht dafür Ceausescu persönlich verantwortlich. Mit Hilfe zweier Klassenkameraden will er den Diktator, der zu einem Chorsingen in ihrer Schule erwartet wird, zur Rechenschaft ziehen. Doch dann wird der vom Volk gestürzt.

Das episodenhaft erzählte Kinodebüt des rumänischen Regisseurs Catalin Mitulescu lief im 14plus-Wettbewerb der Berlinale-Sektion Generation 2007. Mitulescus sensibles Coming-of-Age-Drama besticht durch eine genaue Zeichnung des bedrückten gesellschaftlichen Klimas in den letzten Monaten der kommunistischen Herrschaft in Rumänien, als viele Menschen in ständiger Angst vor den Spitzeln des Systems leben mussten und politische Oppositionelle und Andersdenkende drangsaliert und verfolgt wurden. Die systematische Unterdrückung ging auch an den Kindern und Jugendlichen nicht spurlos vorbei. Die jungen Darsteller des Films, allen voran die sehr talentierte Dorotheea Petre (als Eva), die schon in der schweizerisch-rumänischen Koproduktion "Ryna" ihr Können bewiesen hat, werden unter Mitulescus solider Regie zu 'kleinen Helden' mit hohem Identifikationspotenzial. Gefördert wird dies durch die Führung der Kamera, die meist geradezu hautnah an den Figuren bleibt. Der mit einigen humoristischen Einfällen ausbalancierte tragikomische Erzählton lässt keinen Zweifel daran, dass es Mitulescu nicht um eine realistische Zeitchronik ging, die mit scharfsinniger polischer Analytik aufwartet.

Allerdings hätte der Story eine Straffung gut getan, da sie gelegentlich allzu weit auf Nebenschauplätze ausufert. Trotz der dadurch bedingten Längen gelingt es dem Regisseur, wichtige Überlebenstaktiken in einer unfreien Gesellschaft anschaulich zu machen und nicht zuletzt anhand einiger fantastischer Einfälle aufzuzeigen, wie das Zusammenhalten von Freunden und Familien sowie eine unerschütterliche Hoffnung auf bessere Zeiten am Ende das schlimmste Elend überwinden helfen.

Der Film von Mitulescu, der 2004 für "Traffic" die Goldene Palme von Cannes für den besten Kurzfilm gewonnen hat, markiert die aktuelle Renaissance und Rückkehr des rumänischen Filmschaffens auf das internationale Parkett. Die 2007 vergebene Goldene Palme für den Spielfilm "Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage" von Cristian Mungiu zeigt, dass in Rumänien eine neue Generation von Filmemachern herangewachsen ist, die auch jenseits der Landesgrenzen ihr Publikum findet.

Reinhard Kleber

 

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KJK-Ausgabe 112/2007

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