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Ausgabe 112-4/2007

"Es hat sich auch vieles zum Positiven verändert"

Gespräch mit Elke Ried, Geschäftsführerin Zieglerfilm Köln GmbH

Interview

Elke Ried, 1953 in Duisburg geboren, studierte von 1971 bis 1976 Pädagogik, Publizistik, Soziologie und Psychologie in Münster. Während des Studiums Mitarbeit beim Kommunalen Kino Duisburg und der Duisburger Filmwoche. Erste Festanstellung 1978 (bis 1991) als stellvertretende Leiterin des Kinder- und Jugendfilmzentrums in Remscheid und Kodirektorin des Internationalen Kinderfilmfestivals in Frankfurt am Main (später "Lucas"-Festival), 1992 bis 1996 zunächst Gründungsbeauftragte, dann Geschäftsführerin der Stiftung "Goldener Spatz" und Leiterin des Deutschen Kinder-Film&Fernseh-Festivals "Goldener Spatz" in Gera. Von 1997 bis 1998 freiberufliche Tätigkeit in Köln, u. a. als TV-Beraterin von Unicef Deutschland. Seit 1999 ist Elke Ried Produzentin und Geschäftsführerin der Zieglerfilm Köln GmbH.

KJK: Der "Goldene Spatz", einst das renommierte DDR-Kinderfilm- und -fernsehfestival, ist mit Ihrer Hilfe gerettet worden, wenn man das mal so salopp sagen darf. Ein Glücksfall für Gera, auch einer für Elke Ried?
Elke Ried: "Nach Remscheid und dem Frankfurter Festival hat sich Gera doch sehr gut in meine Laufbahn eingefügt. Ich hatte damals viele Kontakte zu Filmemachern der DDR und war seit 1983 regelmäßige 'ausländische' Besucherin beim 'Goldenen Spatz'. Ich kannte das Festival, seine Struktur, viele Filmschaffende der ehemaligen DDR, aber eben auch die Kinderfilmlandschaft in der alten Bundesrepublik. Dann wurde ich gefragt, ob ich das Festival nach der Wende neu gestalten wollte. Der 'Goldene Spatz' ist ja eine der ganz wenigen kulturellen Einrichtungen aus der DDR, die erhalten werden konnten. Meine Aufgabe bestand zum einen darin, ein neues Konzept für das Festival zu entwickeln und zum anderen eine dauerhafte Finanzierung auf die Beine zu stellen, die perspektivisch Bestand hat und dabei möglichst unabhängig von politischen Vorzeichen ist. So gelang es uns, eine Stiftung zu gründen, die als Basis des Festivals dient. Die Stadt Gera hat damals die Initiative ergriffen und auch das Land Thüringen war sehr engagiert und hat die Chance wahrgenommen, sich in der deutschen Filmlandschaft als Kinderfilmland zu profilieren."

Nach fünf Jahren haben Sie den "Goldenen Spatz" und Gera verlassen. Warum?
"Mein Lebensmittelpunkt war immer Köln geblieben, wo ich mit meinem Mann lebe. Nach fünf Jahren Pendeln war das Festival soweit etabliert, dass ich die Verantwortung guten Gewissens abgeben konnte. Ich denke, ich hatte meine Aufgabe erfüllt und fand es auch besser, wenn jemand ständig vor Ort sein würde. Dann habe ich zwei Jahre frei gearbeitet, u. a. als Fernsehbeauftragte für Unicef Deutschland, was mir großen Spaß gemacht hat. Daneben habe ich Produzenten und Regisseure beraten, die mir Konzepte oder fertige Drehbücher geschickt haben, habe für das Kuratorium junger deutscher Film an der Konzeption zur Kinderfilmförderung mitgewirkt und für den Förderverein deutscher Kinderfilm die Studie zur Beschäftigung von Kindern in Filmproduktionen erarbeitet. Zudem war ich Gutachterin bei FSK und FSF (Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen). Also ich hatte gut zu tun, bis dann – auch vermittelt über Unicef – Regina Ziegler auf mich zukam und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, in ihrer Kölner Produktionsfirma als Geschäftsführerin tätig zu werden."

Vom Kinderfilm allein könnte Zieglerfilm ja nicht leben. Sie machen einerseits die Weekly "Die Anreiner" für den WDR, andererseits auch Kinderfilme wie "Der zehnte Sommer" für das Kino. Ist der Spagat nicht zu groß?
"Nein, wir haben das große Glück, diese Serie für den WDR machen zu können, die mit wachsendem Erfolg hoffentlich noch sehr lange läuft. Zurzeit drehen wir 40 Folgen pro Jahr und das bietet unserer Firma natürlich eine Basis, um auch andere Projekte entwickeln zu können. Wir produzieren sehr unterschiedliche Stoffe, nach dem 'Zehnten Sommer' haben wir den Debütfilm 'Das Lächeln der Tiefseefische' gemacht, dann zwei Fernsehfilme für das Hauptabendprogramm für den BR und das ZDF, im vergangenen Jahr haben wir in Koproduktion mit dem NDR 'Der Seehund von Sanderoog' produziert, einen Familienfilm fürs Weihnachtsprogramm. Ebenfalls mit dem NDR arbeiten wir jetzt an einer Märchenverfilmung des 'Tapferen Schneiderleins', das im nächsten Jahr gedreht werden soll. Das Thema Kinder/Familie zieht sich also durch mein Leben, wenn auch nicht ausschließlich ..."

Wonach suchen Sie einen Kinderfilmstoff aus?
"Bei jedem Drehbuch, das ich lese, frage ich mich erst mal: Will ich das eigentlich sehen? Natürlich sehe ich auch, auf welchen Sendeplatz ein Stoff passen könnte und ob die Finanzierung möglich ist. Denn ich will ja keinen Autoren falsche Hoffnungen machen. Dennoch ist es in der Regel so, dass von zehn Stoffen, die man betreut und entwickelt, am Ende einer realisiert werden kann. Also gibt es immer mehrere Projekte parallel. Man kann auch nie ganz genau wissen, was die anderen – beispielsweise die Sender – gerade suchen, oder ob dort nicht gerade fünf ähnliche Projekte auf dem Tisch liegen. So gibt es verschiedene Filter, die zu den Stoffen führen, die wir dann tatsächlich auch weiter entwickeln, in die wir investieren; in der Hoffnung, dass andere die Qualität dann auch erkennen und wir einen Film daraus machen können."

Und wie ist es heute mit all den anderen ehrenamtlichen Engagements und Tätigkeiten?
"Ich war unter anderem sehr aktiv im Förderverein Deutscher Kinderfilm und zwei Jahre im Vorstand vom Bundesverband Jugend und Film, was natürlich viel Zeit und Energie kostete. Das konnte ich neben meiner jetzigen Tätigkeit nicht mehr weiterführen. Außerdem war ich auch im Europäischen Kinderfilmverband ECFA engagiert, zunächst als Präsidentin und dann lange noch im Vorstand. Jetzt bin ich zwar überall noch Mitglied, aber nicht mehr aktiv. Bei der Arbeit in den Verbänden war mir immer sehr wichtig, meine Erfahrungen einzubringen und zu sehen, ob man etwas bewegen kann."

In den dreißig Jahren, die Sie jetzt aktiv sind, hat sich die Szenerie ja doch sehr verändert ...
"Die Welt dreht sich und das ist auch gut so, es hat sich auch Vieles zum Positiven verändert. Man darf halt selber nicht stehen bleiben und muss sehen, was heute gebraucht wird und die Kinder anspricht. Natürlich gibt es Geschichten, die eine allgemeine, zeitlose Gültigkeit haben, Themen, die für Kinder immer wichtig sind und es bleiben. Große Gefühle verändern sich nicht, egal, wie die äußeren Umstände sind. Also können Filmstoffe, die es vor fünfzig oder sechzig Jahren gegeben hat, auch heute noch interessant, wenn sie auf starken Emotionen beruhen, auch wenn die Filme heute anders aussehen. Wenn ich da noch mal auf die Frage komme, was ein Stoff für mich haben muss: Die Geschichte muss es wert sein, erzählt zu werden. Wenn es wirklich um etwas geht, dann sind Kinder davon auch berührt."

Was würden Sie sich für den Kinderfilm in den nächsten Jahren wünschen?
"Dass es weiterhin ein breiteres Spektrum an Filmen für Kinder gibt und dass auch Originalstoffe noch eine Chance haben, damit Kinder den Kinofilm nicht nur als Drittauswertung eines durch Buch und Hörbuch bereits bekannten Stoffes erleben, sondern als eigenständiges Genre."

Können Sie schon etwas über neue Kinderfilmprojekte bei Zieglerfilm Köln sagen?
"Wie schon erwähnt, 'Das tapfere Schneiderlein' wird im kommenden Jahr von uns als Fernsehfilm gemacht und für das Kino wollen wir als nächstes 'Blumen für Angie' realisieren, ein Musical nach dem wunderschönen Buch von Dieter Bongartz, bei dem Gernot Roll Regie führen wird. Das wird ein sehr besonderes, auch aufwändiges Projekt, bei dem wir im nächsten Jahr mit der Vorbereitung beginnen müssen, um dann 2009 drehen zu können."

Interview: Lutz Gräfe

 

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