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Ausgabe 113-1/2008

"Wir können stringenter produzieren, wenn alles in einer Hand bleibt"

Gespräch mit Thilo Graf Rothkirch zum Film "Kleiner Dodo"

(Interview zum Film KLEINER DODO und zum Film DER KLEINE EISBÄR 2 – DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL)

Seit "Tobias Totz und sein Löwe" (1999) hat sich der Berliner Produzent und Regisseur Thilo Graf Rothkirch als einer der führenden Hersteller von Animationsfilmen für Kinoeinsteiger profiliert. Mit Filmen wie "Der kleine Eisbär", "Der kleine Eisbär 2" und "Lauras Stern" konnte seine Firma Cartoon Film mit schöner Regelmäßigkeit Leinwanderfolge erzielen. Anfang Januar 2008 kam als jüngstes Werk "Kleiner Dodo" in die deutschen Kinos, abermals nach einer Buchvorlage des niederländischen Zeichners Hans de Beer. Von seinen vier "Dodo"-Bilderbüchern wurden weltweit mehr als 400.000 Exemplare abgesetzt. Über die Arbeit an dem rund neun Millionen Euro teuren Film und die Perspektiven der deutschen Trickfilmbranche sprach unser Korrespondent Reinhard Kleber mit dem 59-jährigen Filmemacher.

KJK: Darf man "Kleiner Dodo" als gewaltfreien Film bezeichnen?
Thilo Graf Rothkirch: "Ja, das ist so. Dabei sind die Erfahrungen eingeflossen, die wir beim ersten 'Eisbär'-Film gemacht haben. Dort hat ja das schwarze Schiff die Gewalt symbolisiert. Allerdings war es menschenleer, um nicht zeigen zu müssen, dass die Gewalt von Menschen ausgeht. Allerdings hat ein schwarzes Schiff ohne Menschen auch etwas Dämonisches. Das haben wir jetzt bei 'Dodo' vermieden."

Wie wichtig ist Ihnen denn das Merkmal der Gewaltfreiheit auch im Hinblick auf die Zielgruppe?
"Wir sagen uns nicht bewusst vorher, wir möchten einen Film produzieren, der gewaltfrei ist. Unsere Autoren und wir, meine Frau, ich und Warner Bros.-Chef Willi Geike, haben Schreibgene, die in dieser Richtung arbeiten. Das hat schon bei 'Tobias Totz' angefangen."

Im Film erklärt Dodo dem jungen Publikum auf spielerische Art ein wenig die Welt. Wie versuchen Sie die Balance zu halten zwischen diesem Anspruch und der Gefahr, zu pädagogisch zu werden?
"Es zieht sich durch unsere Filme, dass wir auch immer auf den Zeitgeist achten. Die Koregisseurin Ute von Münchow-Pohl ist nach Sumatra gereist, um den Urwald selbst zu erfahren und sich die Lebensweise der Affen anzusehen. Sie hat ausgetrocknete Flussläufe gesehen und sich zwangsläufig mit der Regenwaldproblematik vertraut gemacht. Uns war dann klar, dass wir in 'Dodo' auf spielerische Art auch den Klimawandel thematisieren."

Wie würden Sie die technische Produktionsweise des Films beschreiben?
"Von der Figurenanimation ist es eine klassische 2D-Animation. Nur in einigen Szenen haben wir dreidimensionale Gestaltungsmittel eingesetzt. Um die Geige in Nahaufnahme zu zeigen, haben wir das in 3D gebaut. Das gilt auch für die Fahrt des Postautos durch den Urwald, der einen Geigenkasten und andere Gegenstände auf dem Dach transportiert."

Warum halten Sie in Abgrenzung von der aktuellen Welle der Computertrickfilme an handgezeichneten Figuren fest?
"Das hängt auch von den Figuren ab. Von jeher ist es unsere Philosophie gewesen, dass wir an 2D glauben. Dann haben unsere Animatoren im Lauf der Jahre eine Entwicklung zum Positiven durchlaufen. Zweitens zeichnet Hans de Beer in seinen Büchern quasi zweidimensional. Diesen Stil in 3D zu zwingen, halten wir nicht für sinnvoll."

In jüngster Zeit gab es eine Welle von Computertrickfilmen, so dass einige Experten schon vorausgesagt haben, dass der digitalen Tricktechnik die Zukunft gehört. Sehen Sie das auch so?
"In gewissem Sinne haben diese Experten Recht. Die 3D-Produktionsweise ist weniger arbeitsintensiv und preisgünstiger. Deswegen gibt es diese Schwemme der 3D-Filme auf den Märkten. Auf der anderen Seite geht bei der Computeranimation ein Teil der zeichnerischen Seele verloren. Das kann bei 3D-Filmen nur vermieden werden, wenn man intensiv und mit sehr viel Geld in der Preproduction daran arbeitet."

"Kleiner Dodo" richtet sich an ein sehr junges Publikum. Warum liegen Ihnen die kleinsten Kinogänger so am Herzen?
"Ich denke, dass mancher Drei- oder Vierjährige für einen Kinobesuch noch zu jung ist. Ich kann aber nichts gegen das mediale Verhalten der Kinder und Eltern tun. Es gibt nun mal die Kinoeinsteiger. Für sie Filme zu machen, ist etwas Großartiges, denn von Kindern bekommt man eine direkte Resonanz, man weiß genau, was funktioniert und was nicht. Dafür lohnt es sich zu arbeiten."

Wie wichtig sind denn prominente Sprecher für Ihre Filme?
"Unsere eigentlichen Stars sind die Kinderstimmen. Sandro Iannotta, der schon bei 'Lauras Stern' dabei war, und Lena Beyerling, das sind Kinder, die wir entdeckt haben. Sie haben ganz besondere Stimmen, können Lachen und Weinen wunderbar ausdrücken. Erwachsene Stars wie Mario Adorf sind ja nicht groß geworden als Sprecher, das sind Schauspieler, die die Gabe haben, sich in Figuren hineinzufühlen. Wenn Mario Adorf mit Darwin verschmilzt, dann hören wir eine phantastische Stimme, die zur Figur passt. Natürlich sind prominente Stimmen für die Vermarktung sehr wichtig – auf einen Mario Adorf hört man, wenn er etwas Positives über den Film sagt."

Vor dem Kinofilm haben Sie schon eine TV-Serie mit 26 Folgen à fünf Minuten hergestellt. Wie stark hängen die Produktionsprozesse von Serie und Kinofilm zusammen?
"Den Kinofilm entwickelten wir vom Konzept her parallel zur Serie. Das Ziel der TV-Serie war, humorvolle Geschichten zu erzählen. Beim Kinofilm sprechen wir dagegen auch ernste Themen wie den Klimawandel an. Bei der Serie haben wir gemerkt, dass einige Figuren besonders gut angekommen sind, zum Beispiel das Krokodil Arnold und Patna, die Freundin von Dodo. Die Serie, die in der 'Sendung mit der Maus' und auf KI.KA lief, hat neben den Büchern geholfen, die 'Dodo'-Welt bekannt zu machen. Aber abgesehen von den Figuren sehe ich keinen direkten Zusammenhang zum Kinofilm."

Viele Animationsfilme entstehen in internationaler Koproduktion. Hatten Sie denn bei "Dodo" auch ausländische Partner?
"Nein. Wir haben zwar starke Dienstleister aus dem Ausland, zum Beispiel in Ungarn und Bulgarien, aber wir produzieren bevorzugt unabhängig und lassen uns ungerne hineinreden, wie es bei Koproduktionen schnell passiert. Wir glauben auch, dass wir stringenter produzieren können, wenn alles in einer Hand bleibt."

An welchen neuen Projekten arbeiten Sie derzeit?
"Konkret arbeiten wir an 'Lauras Stern in China'. Zur chinesischen Jahreswende fährt Laura mit ihrer Familie nach China, wo ihre Mutter ein Konzert gibt. So können wir zeigen, dass China ein Land voller Phantasie und mythologischer Figuren ist, die scheinbar verloren gegangen sind und die wir wieder hervorholen. Wir sind mit der Script- und Storyboard-Phase fast fertig und können, sobald die Finanzierung steht, im Februar 2008 mit der Produktion beginnen. Wenn alles gut geht, könnte der Film 2009 fertig sein."

Arbeiten Sie dabei wieder mit Warner Bros. zusammen?
"Ja, wir arbeiten seit 'Tobias Totz' mit Warner zusammen und glauben, dass Warner für uns der ideale Partner ist. Weil sie bei allen unseren Projekten schon früh an unserer Seite sind und wir diese so gemeinsam entwickeln können."

Bereiten Sie weitere Kinoprojekte vor?
"Ja, wir arbeiten nach 'Lauras Stern' an einem neuen Stoff von Klaus Baumgart. Außerdem sind wir dabei, uns die Rechte von einem bekannten deutschen Stoff zu besorgen, den ich aber noch nicht nennen kann."

Ist eine neue Kooperation mit Hans de Beer geplant?
"Konkret noch nichts. Aber wir sind im Gespräch, ob nicht die Eisbär-Problematik ein heißes Thema für die Zukunft sein wird. Es ist logisch, dass wir an 'Eisbär 3' denken."

Welche Wünsche haben Sie für 2008?
"Das Jahr 2007 war für den deutschen Animationskinderfilm ein schlechtes Jahr. Bis auf 'Lissi' hatten alle Filme einen ganz schweren Stand und konnten die Erwartungen an der Kinokasse bei weitem nicht erfüllen. Die Konkurrenz war einfach zu groß. Es gibt nun leider weder von der Filmförderungsanstalt noch von der Gesellschaft für Konsumforschung Statistiken zum Verhalten von Kinoeinsteigern von vier bis zwölf Jahren. Niemand kann mir sagen, wie oft diese Kinder ins Kino gehen. Ich vermute, dass Kinder in diesem Alter höchstens sechsmal im Jahr ins Kino gehen. Dann suchen sie sich natürlich die Filme aus, die groß beworben werden, das sind meistens amerikanische Filme. Ein deutscher Film hat es da schwer, in diese Phalanx einzubrechen und in die Top 6 vorzustoßen.
Ich wünsche mir für 2008, dass allen bewusst wird, dass der deutsche Kinderfilm Aufmerksamkeit braucht. Denn diese Kinder sind die Zukunft, die Zukunft beginnt nicht erst bei den Kindern ab zwölf Jahren. Wenn man will, dass deutsche Filme auch für kleine Kinder gemacht werden, dann sollte man diese Produktionen weiterhin fördern."

Interview: Reinhard Kleber

 

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