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Ausgabe 113-1/2008

"Kinder und Jugendliche sind unser wichtigste Zielgruppe"

25 Jahre Evangelisches Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit in Stuttgart

Interview

Von den Dritte-Welt-Filmen zum Weltkino: Als "Agentur für Filme aus dem Süden" gibt das Evangelische Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit (EZEF) seit 25 Jahren Filme aus und über Afrika, Asien und Lateinamerika für die Bildungsarbeit heraus, um das Bewusstsein für Entwicklungsfragen zu schärfen. Mittlerweile hat EZEF rund 300 Filme im Programm und ist damit der größte Anbieter für Filme aus der Dritten Welt, wobei jährlich 10 bis 15 Filme hinzukommen. Ein traditioneller Arbeitsschwerpunkt des EZEF ist die Vermittlung von Filmbildung und Medienkompetenz in Schulen und außerschulischen Einrichtungen an Kinder und Jugendliche, mittlerweile vorwiegend via DVD. Seit dem Kinostart von Raoul Pecks "Lumumba" 2001 engagiert sich EZEF vermehrt auch als Nischenverleiher in der Kinoauswertung von Filmen.

Gegründet wurde EZEF 1982 als Fachstelle des Ausschusses für entwicklungsbezogene Bildung und Publizistik. Seit 1994 ist es dem Filmkulturellen Zentrum im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt am Main zugeordnet. Finanziert wird die Arbeit des EZEF vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) der Evangelischen Kirche, der auch Filmprojekte aus der Dritten Welt finanziell unterstützt.

Ein Gespräch mit dem EZEF-Leiter Bernd Wolpert über die langjährige Entwicklung, den Stand der Dinge und die Perspektiven.

KJK: Welche Rolle spielt denn der Kinderfilm als Genre für das EZEF?
Bernd Wolpert: "Was die außerschulische Kinderfilmarbeit angeht, sind wir einfach offen und neugierig und haben sowohl erfolgreiche Projekte wie gute neue Filme. Das beste Beispiel ist 'Chaupi Mundi – Die Mitte der Welt' (1991), ein Film, mit dem die Regisseurin Antje Starost bisher fünf Tourneen gemacht hat. Die erste haben wir gemeinsam mit Antje Starost organisiert, danach wurde sie eingeladen vom Bundesverband Jugend und Film beziehungsweise regionalen Veranstaltern. Ein Film, bei dem zunächst alle skeptisch waren, weil er 60 Minuten dauert und dokumentarisch ist und das angeblich bei Kindern nicht ankommt. Aber es ging nicht nur gut, sondern der Film ist über die Jahre dauerhaft erfolgreich im Verleih. Und für die DVD 'Kinderwelt' haben wir dann noch eine 25-Minuten-Kurzfassung bei Antje Starost in Auftrag gegeben: 'Elena und Pancha'.
Und damit komme ich zu einem anderen Bereich. Denn Kinder und Jugendliche sind für uns die wichtigste Zielgruppe. Wenn man sich unsere Verleihstatistik anschaut, dann läuft etwa zwei Drittel über den schulischen Unterricht, wobei es sich in der Regel um Kurzfilme handelt. Insofern sind Kinder und Jugendliche unser Hauptpublikum. Es ist durchaus im Sinne des Erfinders – wenn wir die Bildungsarbeit befördern wollen und es hoffentlich erreichen –, dass Kinder im Schulunterricht mal einen Film aus Burkina Faso oder Mexiko oder den Philippinen sehen und nicht nur das gängige Fernsehprogramm. Im regulären Kinoprogramm bekommen die Kinder ja praktisch keinen Kontakt mit Filmen aus diesen Ländern."

Richten sich im neuen Jahr spezifische Angebote an diese Zielgruppe?
"Derzeit wird in Nicaragua gerade ein Film über eine Jugendliche gedreht, die Boxerin werden will. Wir haben schon etwas länger eine Kompilations-DVD mit Mädchengeschichten im Programm. Kürzlich gestartet wurde der mosambikanische Spielfilm 'Der große Markt / O grande basar'. Den haben wir synchronisiert, denn wenn Filme schon mit zehn gesehen werden können, halten wir es für wichtig, dass wir durch Untertitel keine unnötige Hürde errichten. Ein großer Vorteil der DVD ist es, einen Film sowohl synchronisiert wie untertitelt anbieten zu können."

Kann man von einem Schwerpunkt auf Afrika-Filme sprechen?
"Ja, es hat sich gewissermaßen zufällig so ergeben, wobei die ersten Filme, die wir selber herausgebracht haben, 'Lumumba' von Raoul Peck aus Haiti und später 'Puppen aus Ton' aus Tunesien waren. In unserer Auswahl spiegelt sich im Übrigen ein Stück weit die Verleihsituation in Deutschland, dass es nämlich gerade Filme aus Afrika besonders schwer haben. Nur zum Vergleich: Lateinamerika ist im Kino gut vertreten seit dem Durchbruch von 'Erdbeer und Schokolade' auf der Berlinale. Auch das chinesische oder asiatische Kino boomt. Von den Kontinenten her ist Afrika eindeutig der am wenigsten präsente Kontinent auf den deutschen Leinwänden."

Prinzipiell versuchen Sie einen kommerziellen Verleiher für Filme zu finden, bei denen der EED in der Produktion beteiligt war. Ist es richtig, dass sich EZEF nicht als Konkurrenz zu normalen gewerblichen Verleihern versteht?
"Absolut. Das ist mir auch wichtig zu betonen, denn wir sind als Kinoverleih ein Nischenverleih und halten da gewissermaßen die kulturelle Fahne hoch. Aber uns liegt daran, dass die geförderten Autoren auch einen regulären Marktzugang finden. Etablierte Verleiher wie Neue Visionen oder Arsenal Film oder Kairos erreichen eben auch Kinos, die wir mit unserem Kleinstverleih nicht erreichen."

Sind für die nächste Zeit weitere Kinofilme geplant?
"Voraussichtlich im Februar 2008 soll 'Making Of' von Nouri Bouzed in die Kinos kommen. Darin geht es um einen jungen Tunesier, der in die Fänge radikaler Islamisten gerät. Auf unsere Vermittlung hin war Frieder Schlaich mit der Filmgalerie 451 aus Stuttgart als deutscher Koproduzent eingestiegen. Wir haben uns beide ein Dreivierteljahr um Kinoverleiher bemüht, alle haben wieder abgesagt. In dem Fall verleiht die Filmgalerie nun den Film selbst.
Ein Film, bei dem es mit der Kooperation funktioniert hat, weil Kairos ihn starten wird, ist der venezolanische Spielfilm 'Maroa' der Regisseurin Solveig Hogenstein. Darin geht es um ein Straßenkind, das in kriminelle Machenschaften verwickelt wird und in einem Erziehungsheim landet. Das Mädchen erhält in einem Orchester eine musikalische Ausbildung und macht Karriere. Diese kulturelle Initiative war auch das Vorbild für die Simon-Rattle-Initiative in Berlin mit dem sehr erfolgreichen Film 'Rhythm is it'. 'Moroa' lief übrigens schon auf dem Lucas-Filmfestival in Frankfurt 2006."

Welche Filme für Jugendliche will EZEF ins Kino bringen?
"Wir haben noch den Jugendfilm 'Partes Usadas' aus Mexiko. Darin geht es um einen Onkel, der in Mexiko City Auto-Ersatzteile auf Bestellung stiehlt und seinen Neffen in dieses Geschäft einbindet, weil beide in die USA ausreisen wollen. Das ist, wenn man so will, ein Coming-of-Age-Thema. Der Film hat in Guadalajara den Publikumspreis gewonnen und vor kurzem in Montréal den Glauber-Rocha-Preis als bester lateinamerikanischer Film."

Sie kooperieren im Kinobereich regelmäßig mit Partnern in der Schweiz und Österreich. Wie läuft die Zusammenarbeit?
"Die Schweiz ist ganz wichtig, weil es so etwas wie Trigon Film in Deutschland leider nicht gibt. Also einen Verleih, der eine Stiftung im Hintergrund hat, aber im kommerziellen Kino Filme aus dem Süden schwerpunktmäßig auswertet. Mit Trigon Film haben wir seit vielen Jahren eine enge Kooperation. In Österreich ist für uns vor allem das Internationale Filmfestival Innsbruck zu nennen, das jedes Jahr eine Reihe von EZEF-Filmen zeigt."

Stichwort Bildungsarbeit: Bietet EZEF eigentlich noch Videokassetten an?
"2006 haben wir das komplette Jahresprogramm nur noch auf DVD herausgeben. Video ist eindeutig ein sterbendes Format. Wir haben die alten Filme alle noch vorrätig, falls eine Ersatzbeschaffung nötig ist. Aber wir bieten keine neuen Video-Titel mehr an."

Und wie sieht es mit dem 16mm-Format aus?
"Genauso wie bei Video. Wir haben zwar immer noch einen 16mm-Verleih, der hat aber eher Archiv-Charakter. Es kommt allerdings häufiger vor, dass Festivals bei uns anfragen oder dass in Filmreihen auch mal eine 16mm-Kopie gespielt wird."

Mit welchen Erwartungen und Wünschen schaut EZEF in die Zukunft?
"Wünsche gibt es viele, ein Traumprojekt ist aktuell aber nicht am Horizont. Für mich war allerdings die Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung bei dem dreijährigen Projekt 'Afrika auf der Leinwand', zu dem wir ja die Hälfte der Filme beigesteuert haben, so etwas wie ein Traumprojekt. Im Bereich Kinoverleih sind wir dadurch einen großen Schritt vorwärts gekommen. Wir hatten vorher zwei Afrikafilme, jetzt sind es mehr als zehn. Wer zu diesem Themenkreis Veranstaltungen mit Filmen machen will, kommt zu uns. Dass wir für eine solche Kooperation, die immer auch neue Zielgruppen erschließt, wieder einen Partner finden in absehbarer Zukunft, das wünsche ich mir für die Zukunft."

Interview: Reinhard Kleber

Weitere Informationen über EZEF im Internet: www.ezef.de

 

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