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Ausgabe 114-2/2008

WO IST WINKYS PFERD?

WAAR IS HET PAARD VAN SINTERKLAAS?

WO IST WINKYS PFERD?

Produktion: BosBros. Film-TV Productions Amsterdam – Co-Produktion: MMG NV, Zaventem / AVRO, Hilversum; Niederlande / Belgien 2007 – Regie: Mischa Kamp – Drehbuch: Tamara Bos, nach ihrem gleichnamigen Kinderbuch – Kamera: Jasper Wolf – Schnitt: Sander Vos – Musik: Johan Hoogewijs – Darsteller: Ebbie Tam (Winky Wong), Pim de Pimentel (Bram), Betty Schuurman (Tante Cor), Jan Decleir (Onkel Siem) u. a. – Länge: 83 Min. – Farbe – Vertrieb Deutschland, Österreich, Schweiz u. a.: BosBros. Film-TV Productions Niederlande, email: info@bosbros.nl – Altersempfehlung: ab 6 J.

Seit fast einem Jahr darf sich Winky um das große weiße Pferd vom Heiligen St. Nikolaus kümmern, bis dieser am Nikolausabend aus Spanien nach Holland zurückkehren wird. Sie erfüllt ihre verantwortungsvolle Aufgabe mit Hingabe und verbringt jede freie Minute bei "Amerigo" im Reitstall von Tante Cor und Onkel Siem. In der Schule freundet Winky sich mit dem neuen Mitschüler Bram an, der behauptet, Indianer zu sein. Auch in Winkys chinesischer Familie gibt es freudige Neuigkeiten: Winky wird bald ein Schwesterchen bekommen. Nur eines fehlt, um Winkys Glück perfekt zu machen: Wenn sie doch nur Amerigo endlich reiten dürfte! Die heiß ersehnten Reitstunden zum Geburtstag sind allerdings eine Enttäuschung, weil sie nur das kleine Pony Naf-Naf reiten darf. Als Winky sich dem Verbot widersetzt und heimlich auf Amerigo reitet, geht das nicht gut: Das Pferd scheut vor Brams Hund, wirft Winky ab und rennt davon. So sehr Winky auch die Umgebung absucht, Amerigo bleibt verschwunden. Ihre Sorge und ihr schlechtes Gewissen wachsen mit jedem Tag. Wem kann sie sich anvertrauen? Auf Bram ist sie sauer und zuhause dreht sich alles nur noch um das neue Baby. Bald ist Nikolausabend – und ohne Amerigo kann Sankt Nikolaus den Kindern keine Geschenke bringen ...

Wer "Ein Pferd für Winky" (2006) kennt, dürfte sich über das Wiedersehen mit Winky und den anderen liebenswerten Figuren in dem kleinen idyllischen Ort an der nordholländischen Küste freuen. Tatsächlich rufen die wunderschönen Bilder der Fortsetzung sofort wieder die vertraute Bilderbuchatmosphäre hervor. Winkys Briefe an "Sinterklaas" bringen die Vorgeschichte in Erinnerung, so dass mit diesem Kunstgriff auch neues Publikum problemlos in die Geschichte einsteigen kann. Winky alias Ebbie Tam ist in den zwei Jahren (in Erzählzeit ist erst ein Jahr vergangen) logischerweise größer geworden, büßt aber nichts von ihrem beeindruckend natürlichen Spiel ein.

Das Vergnügen am diesjährigen Eröffnungsfilm der Berlinale "Generation Kplus" ist nicht ganz ungetrübt. Fortsetzungen haben es generell nicht leicht, da sie stets am Erfolg ihres Vorgängers gemessen werden. Im ersten Teil ging es um Winkys Anders- und Alleinsein in einer fremden Umgebung, Kultur und Sprache. Das war stimmig und originell erzählt und berührte. Das trifft auf die Fortsetzung leider nur eingeschränkt zu. Die Dramaturgie von "Wo ist Winkys Pferd?" wirkt mitunter unschlüssig in ihrer Erzählabsicht. Die Titel gebende Suche nach dem ausgebüchsten Pferd etwa ist nur vordergründig von Bedeutung und wird die meiste Zeit über nicht aktiv vorangetrieben. Eine Detektiv-Aktion der Kinder Winky und Bram hätte sicher für mehr Spannung und Abenteuer gesorgt. Hie und da werden zwar ein paar Indizien gestreut, aber zu wenig konsequent, um den jüngsten Kindern ein Mitraten um den Verbleib des Pferdes zu ermöglichen.

Im Zentrum der Geschichte stehen zum einen Winkys Schuldgefühl und ihre Hilflosigkeit angesichts ihres Fehlers und seiner Folgen. Um Hilfe bitten können muss Winky – muss man – auch erst einmal lernen. Freilich wird ihr das leicht gemacht, sobald sie sich dazu überwindet, mit der Wahrheit herauszurücken, denn alle Erwachsenen sind extrem liebe- und verständnisvoll. Zum anderen muss sich Winky in neuen Situationen zurechtfinden: Durch den Familienzuwachs fühlt sie sich zurückgesetzt. Das bekannte "Dafür bist du noch zu klein", das ganz sicher jedes Kind schon einmal frustriert hat, ist vielleicht der emotionalste Anknüpfungspunkt an Winkys Leben. Möglicherweise ist der Vergleich mit dem Vorgänger immer auch unfair. Für sich genommen ist "Wo ist Winkys Pferd?" ein solider Kinderfilm, der vor allem jüngeren Kindern uneingeschränkt empfohlen werden kann.

Ulrike Seyffarth

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.WO IST WINKYS PFERD? im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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