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Ausgabe 115-3/2008

ALLEIN IN VIER WÄNDEN

Produktion: Linger On Filmproduktion; Deutschland 2007 – Regie und Buch: Alexandra Westmeier – Kamera: Inigo Westmeier – Schnitt: Alexandra Westmeier – Länge: 85 Min. – Farbe – Information: www.lingeron.com – Altersempfehlung: ab 12 J.

Die Regisseurin Alexandra Westmeier, 1973 im russischen Tscheljabinsk geboren und seit 2001 in Deutschland lebend, hat sich für ihren langen Dokumentarfilm in einem Jugendgefängnis im Ural umgesehen. 120 Jungen im Alter von elf bis 15 Jahren sitzen hier hinter Gittern, etliche jahrelang. Die meisten haben gestohlen, manche geraubt, einige sogar gemordet. Viele Insassen stammen aus zerrütteten Familien, die Eltern sind oft alkoholabhängig, arbeitslos oder ohne festen Wohnsitz. Die vernachlässigten Kinder müssen sich eben selbst durchschlagen, oft genug lebten sie bis zu ihrer Festnahme auf der Straße. Im Gefängnis lernen viele der Jungen erstmals einen geregelten Alltag kennen, den ihre bisherige prekäre Existenz nicht bot. Sie haben ein eigenes Bett, werden täglich verpflegt, gehen morgens zum Unterricht, werden medizinisch versorgt.

In strikter Neutralität lässt Westmeier, die in St. Petersburg und Moskau Schauspiel und Regie studierte, einige Delinquenten von sich und ihrem früheren täglichen Kampf ums Überleben erzählen, von der Einsamkeit in den Zellen und von der Sehnsucht nach familiärer Geborgenheit. An ihren Augen lässt sich ablesen, was sie durchgemacht haben; dementsprechend hellen sich die Gesichter auf, wenn die Jungen ihre Wünsche schildern, die Hoffnung auf ein besseres Leben formulieren. Die Kamera von Inigo Westmeier lässt dabei den Zuschauern ausreichend Zeit, sich im Bildraum zu orientieren und die Gesichter der Inhaftierten zu betrachten.

Im Lauf der Erzählungen und Beobachtungen tut sich hier ein endlos scheinender Kreislauf aus Armut, Hunger und Kriminalität auf. Kein Wunder, dass mancher junger Straftäter sich vor der Rückkehr in die Freiheit eher fürchtet. "Draußen ging es ihnen deutlich schlechter, davon berichten sie alle", erläutert die Regisseurin, "draußen wird es ihnen wieder schlechter gehen, das wissen sie." Die hohe Rückfallquote von 91 Prozent, wie der Abspann enthüllt, spricht da eine deutliche Sprache. Geschickt entzieht sich Westmeier dabei der Versuchung, simple Antworten auf komplexe Fragen zu geben, sie verurteilt auch nicht. Gedanken über Auswege aus dem Dilemma und konstruktive Lösungen soll sich jeder einzelne Zuschauer selber machen.

Alexandra Westmeier erhielt für die Koproduktion von MDR, WDR und Arte auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis 2008 den Filmpreis des saarländischen Ministerpräsidenten und den Dokumentarfilmpreis. Auf dem Filmfestival in Locarno 2007 gewann "Allein in vier Wänden" den Preis als bester Film in der Reihe "Semaine de la Critique". Auf dem Filmfestival Osnabrück wurde der Dokumentarfilm mit dem Filmpreis für Kinderrechte ausgezeichnet.

Reinhard Kleber

 

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KJK-Ausgabe 115/2008

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