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Ausgabe 115-3/2008

DIE INSEL DER ABENTEUER

NIM'S ISLAND

Produktion: Walden Media; USA 2008 – Regie: Mark Levin, Jennifer Flackett – Buch: Joseph Kwong, Paula Mazur, Mark Levin, Jennifer Flackett, nach dem Roman "Nim's Island / Wie versteckt man eine Insel?" von Wendy Orr – Kamera: Stuart Dryburgh – Schnitt: Stuart Levy – Musik: Patrick Doyle – Darsteller: Abigail Breslin (Nim), Jodie Foster (Alex Rover), Gerard Butler (Jack/Alex), Maddison Joyce (Edmund), Rhonda Doyle (Edmunds Mutter), Michael Carman (Captain), Peter Callan (Edmunds Vater), Anthony Simcoe (Bootsmann) – Länge: 96 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – FBW: besonders wertvoll – Verleih: UPI – Altersempfehlung: ab 8 J.

Alexandra Rover ist so etwas wie ein weiblicher, moderner Karl May. Auch sie hat sich ihre Geschichten um den Abenteurer Alex Rover – eine Art "Indiana Jones für Kinder" – im stillen Kämmerchen ausgedacht. Schlimmer noch, die Schriftstellerin leidet unter Agoraphobie, die Angstzustände hervorruft, wenn es heißt, das Haus zu verlassen. Außerdem muss sie sich ständig die Hände waschen, meidet jeden direkten Kontakt mit Menschen.

Diese Neurotikerin wird eines Tages von einer Mail aufgeschreckt, die ihr eine junge Leserin ihrer Bücher geschickt hat. In der Annahme, der Autor der von ihr so heiß geliebten Abenteuer, Alex Rover, sei ein Mann, bittet Nim ihn um Hilfe. Ihr Vater, ein Meeresbiologe, mit dem sie auf einer kleinen Vulkaninsel im Pazifik lebt, ist nämlich in Seenot geraten. Außerdem haben neuzeitliche "Piraten" das abgeschiedene Eiland "geentert", um aus ihm eine Touristen-Attraktion zu machen. Doch erst Nims Roman-Held, mit dem sie ebenso wie Alexandra ständig "Gespräche" führt, kann die Schriftstellerin zur Reise in die Südsee überreden. Was zu einer der köstlichsten Szenen des Films führt, in der Jodie Foster ihr selten gezeigtes, komödiantisches Talent offenbart: Wenn sie sich mit Füßen und Händen regelrecht in der Tür verkantet, erwachen Erinnerungen an die comicartigen Körperverrenkungen eines Jerry Lewis. Auf der Insel angekommen, heißt es aber erst mal, sich mit den "Gefahren" des Dschungels vertraut zu machen und sich an die tierischen Spielgefährten der kleinen Leseratte zu gewöhnen. Denn von der Seelöwin Selkie wach geküsst zu werden, ist so ziemlich das Letzte, was Alexandras Zwangs-Neurose gebrauchen kann. Und auch die Riesenschildkröte Chica und der Leguan Fred stellen das hysterische Nervenbündel auf harte Proben. Zu Dritt – der fiktive Alex ist für den Zuschauer stets sichtbar – machen sie sich auf die Suche nach Jack und finden natürlich auch ein schon bald voraussehbares Happy End ...

Die beiden Regisseure und Co-Autoren Mark Levin und Jennifer Flackett, die als Team schon bei dem Kinderfilm "Madeline"(1998), der Sportler-Romanze "Wimbledon – Spiel, Satz und Liebe" (2004) und dem Jugend-Porträt "Little Manhattan" (2005) erfolgreich zusammengearbeitet haben, sind mit der Großproduktion "Die Insel der Abenteuer" offensichtlich an ihre Grenzen gestoßen. In die an sich kindgerechten 96 Minuten haben sie all das hineingepackt, was im heute meist über zwei Stunden dauernden Fantasy-Film üblich ist. Das lässt einen kaum zur Ruhe kommen, überfordert durch die hektische Montage, den ständigen Schauplatzwechsel und die vielen auf- und abtretenden Personen vor allem die jungen Zuschauer. In diesem überbordenden Inszenierungsstil geht dann auch so manch "politisch- unkorrekter Gag", wie das Katapultieren von Leguanen zur Abschreckung der Touristenschwärme, unter. Ebenso wie der Schiffsunglücks-Tod von Nims Mutter nie wirklich thematisiert wird. Dafür werden aber bei jeder unpassenden Gelegenheit die Schauspieler als Werbeträger für bestimmte Computer-Hersteller und Reiseunternehmen benutzt, was einen oft von deren durchaus sehenswertem Spiel ablenkt. Denn der ehemalige Kinderstar Jodie Foster (u. a."Napoleon & Samantha", 1972; "Bugsy Malone", 1975) und der derzeitige Star Abigail Breslin (u. a."Little Miss Sunshine", 2006 ; "Signs", 2002) harmonisieren gut neben dem doch etwas hölzern wirkenden Gerard Butler, der manchmal an den jungen Michael Douglas in "Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten" (1984) erinnert.

Doch wie so oft, wenn Tiere mit ins Spiel kommen, stehlen sie ihren zweibeinigen "Kollegen" die Schau. Zumal, wenn es sich um exotische Verwandte von "Lassie", "Beethoven" und anderen beliebten Film-Vierbeinern handelt. Aber auch sie retten letztlich, ebenso wie der uns mit "Pauken und Trompeten" vom dramaturgischen Leerlauf abzulenken versuchende Soundtrack von Patrick Doyle, den Film nicht aus seiner Mittelmäßigkeit.

Rolf-Ruediger Hamacher

 

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