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Ausgabe 115-3/2008

DIE KLASSE

ENTRE LES MURS

DIE KLASSE

Produktion: Haut et Court mit Canal+m France 2 und Cinécinéma; Frankreich 2008 – Regie: Laurent Cantet – Buch: Laurent Cantet, Robin Campillo, François Bégaudeau, nach dem Roman von Bégaudeau – Kamera: Pierre Milon, Catherine Pujol, Georgi Lazarevski – Schnitt: Robin Campillo, Stéphanie Léger – Darsteller: François Bégaudeau (François), Esmeralda Ouertani (Sabdra), Rachel Regulier (Khoumba), Franck Keita (Souleymane), Wei Huang (Wei), Henriette Kasaruhanda (Henriette) u. a. – Länge: 128 Min. – Farbe – Verleih: Concorde – Altersempfehlung: ab 14 J.

Ein Film ohne jede Stars. Ein Film mit einer Überlänge von 128 Minuten. Ein Film, in dem nahezu nonstop gesprochen wird, Talking Heads. Ein Film ohne Action und Crime. Allesamt schwierige Voraussetzungen also, so scheint es zumindest, um Publikum und Kritik zu erreichen und zu überzeugen. Doch die fünfte Regiearbeit von Laurent Cantet, "Entre les murs" (Deutscher Titel: "Die Klasse") hat auf den 61. Filmfestspielen von Cannes im Mai 2008 am Abend der Gala-Premiere nicht nur frenetischen Beifall und Standing Ovations erhalten, sondern gleich den nach dem US-Oscar zweitwichtigsten Filmpreis überhaupt: die Goldene Palme. Im Juni eröffnete das Klassen-Drama schließlich das Filmfest München.

Ein kleiner Film, der nahezu ausschließlich in einer Pariser Schule, in einer Klasse und dem Lehrerzimmer spielt. Ein Schauplatz nur. Ein nahezu geschlossener Ort. Ein hermetischer Mikrokosmos. Ein Kammerspiel demnach. Und, "Entre les murs", das bedeutet letztendlich auch "zwischen den Wänden". Laurent Cantet (Jahrgang 1961), der zuvor mit Filmen wie "In den Süden" (2005) mit Charlotte Rampling oder "L'emploi du temps" (2001) im Kino präsent war, ist ein unbequemer Regisseur, der in seinen Arbeiten unbequeme Themen aufgreift. Tabu-Themen meist, wie vor der Familie verleugnete Arbeitslosigkeit etwa oder Sex-Tourismus betuchter älterer europäischer Damen mit jungen Schwarzen in der Karibik. An diesen Tabus rüttelt Cantet. Es sind allesamt Filme mit einem stark sozialkritischen, die Dinge hinterfragenden Blick. So wie nun auch "Entre les murs": Da geht es um den jungen Lehrer François (François Bégaudeau), der sich an der Schule mit einer schwierigen Klasse Pubertierender konfrontiert sieht, in der neben zwei schwierigen Mädchen vor allem der farbige Souleymane für ungute aufgeheizte Stimmung sorgt, seine Mitschüler reizt, sich vor allem aber vom Lehrer François provoziert fühlt und ebenso mit Provokation antwortet. Da mag es ums Gehorchen und Widersprechen gehen, vielleicht aber eher noch um Machtverhältnisse und das Abstecken respektive Überschreiten von Grenzen. Früher oder später kommt es zum Eklat und eine schwerwiegende Entscheidung muss gefällt werden.

Eigentlich hätte man in Cannes vor der Preisverleihung auch damit rechnen können, dass Hauptdarsteller François Bégaudeau als Bester Darsteller ausgezeichnet wird. Intensiv und dicht und authentisch wirkt sein Spiel. Was absurder Weise just daran liegen mag, dass der Nicht-Schauspieler Bégaudeau sowohl Lehrer im realen Leben war, als auch die 2006 erschienene Romanvorlage für die spätere Leinwand-Adaption geschrieben hat, mit Laurent Cantet am Drehbuch saß und eben den Part des Lehrers, also quasi seiner selbst, übernahm. Bégaudeau in Personalunion. Es ließe sich denn auch die Frage stellen, ob dieses Klassendrama mehr ein Film von Laurent Cantet oder doch mehr einer von François Bégaudeau ist. Nicht zu vergessen die zwei Dutzend Darsteller der Schüler, allesamt Laien, die nun vielleicht erst für weitere Rollen entdeckt werden. "Entre les murs" dürfte bei alledem letztendlich ein universeller Film sein, zwar sehr französisch anmutend, doch vielleicht durchaus auf andere (Schul-)Systeme übertragbar. Hierin liegt denn auch das Potenzial von Cantets jüngster Arbeit.

Thilo Wydra

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DIE KLASSE im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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