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Ausgabe 115-3/2008

WALL-E – DER LETZTE RÄUMT DIE ERDE AUF

WALL-E – DER LETZTE RÄUMT DIE ERDE AUF

Produktion: Pixar Animation Studios / Walt Disney; USA 2008 – Regie und Buch: Andrew Stanton – Musik: Thomas Newman – Länge: 103 Min. – Farbe – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany (WDS) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Mit ihrem neunten computeranimierten Langfilm hat die amerikanische Trickfilmschmiede Pixar sich selbst übertroffen und zugleich künstlerisches Neuland betreten. Die bereits mit reichlich Vorab-Lorbeeren bedachte Sci-Fi-Romantik-Komödie "Wall-E" wird den Erwartungen mehr als gerecht. Dabei ist Regisseur Andrew Stanton, der bereits für "Findet Nemo" (2003) einen Oscar bekommen hat, eine Reihe von Risiken eingegangen: Die Titelfigur ist weder Mensch noch Tier, sondern ein einsamer kleiner Roboter, die erste Hälfte des Films spielt auf einer trostlosen, verwüsteten Erde und über weite Strecken müssen die Protagonisten ohne Dialoge auskommen.

Was wäre, wenn die Menschheit die unbewohnbar gemachte Erde verlassen müsste, aber vergäße, den letzten Roboter abzuschalten? Das ist die Ausgangsidee, die Andrew Stanton schon hatte, bevor der erste Pixar-Film "Toy Story" realisiert wurde. Im jüngsten Pixar-Film ist Wall-E dieser letzte Roboter, der brav und unaufhörlich seinem Auftrag nachkommt, den Müll zu sammeln, zu sortieren, zu komprimieren und aufzustapeln. Wall-E steht dabei für "Waste Allocation Load Lifter Earth Class", also so viel wie Müllräumfahrzeug für die Erde. Nach 700 Jahren Tätigkeit hat der liebenswerte Kerl nicht nur Wolkenkratzer hohe Mülltürme errichtet, sondern auch eine eigene Persönlichkeit entwickelt. So hat Wall-E in seiner Unterkunft neben vielen Ersatzteilen auch jede Menge Kuriositäten gesammelt, darunter einen Video-Recorder, mit dem er sich von Zeit zu Zeit das alte Musical "Hello Dolly!" aus dem Jahr 1969 anschaut, wenn ihn die Einsamkeit überwältigt. Nebenbei lernt er aus den Filmszenen, was Zuneigung, Liebe und Leidenschaft bedeuten. Gesellschaft leistet ihm nur sein einziger Kumpel, eine putzige Kakerlake.

Die Alltagsroutine wird jäh unterbrochen, als eines Tages ein riesiges Raumschiff landet und die blendend weiße Androidin Eve (Extra-terrestrial Vegetation Evaluator) absetzt. Sie hat den Auftrag, in der Einöde nach Spuren von pflanzlichem Leben zu suchen. Wall-E verliebt sich sofort in die zierliche Roboterdame, die unterkühlt wirkt und wohl aus Ängstlichkeit mit einem Laser-Arm auf alles ballert, was sich bewegt. Erst nach und nach kann er Eves Vertrauen gewinnen. Als er ihr eine kleine Topfpflanze zeigt, die er vor kurzem gefunden hat, lässt sie die Pflanze sofort in ihrem Inneren verschwinden und schickt ein Signal zum Raumschiff, das sie umgehend abholt.

Doch Wall-E möchte nicht allein auf der Erde zurückbleiben und schmuggelt sich an Bord. Der Transporter bringt beide zur riesigen Raumstation Axiom, auf die sich die Menschheit geflüchtet hat, nachdem sie die Erde unbewohnbar gemacht hat. Dort sind die Menschen zu aufgedunsenen, trägen, fast bewegungsunfähigen Faulenzern geworden, die alle körperlichen Arbeiten an Roboter abgegeben haben und sich nur noch vergnügen. Selbst der Kommandeur der Station hat seine Pflichten weitgehend an einen Autopiloten, den mächtigen Computer OTT-O, abgetreten. Kaum angekommen, bringen Wall-E und Eve samt Pflanze die perfekte Organisation der Station aus dem Tritt und verändern am Ende das Leben der Menschheit für immer.

Schon die erste Hälfte des Films, die auf einer Erde im postapokalyptischen Zustand spielt, entfaltet mit ihrem visuellen und akustischen Einfallsreichtum eine Magie, wie man sie nur selten im Kino erlebt. Wer gezweifelt hat, dass zwei kleine Roboter als Identifikationsobjekte taugen, wird von Stantons Team rasch eines Besseren belehrt. Im Handumdrehen gelingt es Wall-E der vor allem mit seinen Augen, die in einem fernglasartigen Kopf stecken, Emotionen ausdrücken kann, die Herzen der Zuschauer zu erobern. Aber auch die engelhafte Eve mit ihrer geschmeidigen Gestalt und einem leuchtenden Computerdisplay als Gesicht entwickelt rasch Charme und Persönlichkeit. Menschenähnliche Verständigungsqualitäten bekommt Wall-E nicht zuletzt durch die akustische Gestaltung. Denn der erfahrene Sound Designer Ben Burtt, der schon E.T. und dem Roboter R2-D2 in "Star Wars" künstliche Stimmen verschaffte, hat durch die Kombination diverser Klänge und Geräusche eine ausdrucksstarke dialogähnliche akustische 'Zwiesprache' zwischen den Robotern entwickelt.

Unverkennbar lehnen sich Stanton und sein Team in ihrer Außenseitergeschichte, die kleinen wie großen Zuschauern gleichermaßen viele Anknüpfungspunkte bietet, bei Klassikern des Sci-Fi-Genres an. Ob "2001 – A Space Oddyssee", "Nummer 5 lebt", "E. T." oder "Star Wars" – ihnen allen erweisen sie ihre Reverenz, ohne jedoch jemals abzukupfern. Gerade in der zweiten Hälfte forciert der Film seine Zivilisationskritik, etwa wenn wir sehen, wie eine bequeme Massengesellschaft ihr Gehirn abgeschaltet und jede Entscheidungsgewalt über ihre Lebensgestaltung an Computer delegiert hat. Passagenweise wirken die gleichgeschaltet in Liegesesseln dahinvegetierenden Menschen eher wie Roboter als die echten Roboter.

Solche ernsten, ja politischen Botschaften drängen sich bei Stanton jedoch nie in den Vordergrund. Bestimmt wird der bisher originellste Pixar-Film vielmehr von der zutiefst menschlichen Geschichte der Annäherung zwischen zwei Wesen, die nicht dafür bestimmt waren, Gefühle zu entwickeln. Mehr noch, sie befähigen sich, Liebe und Glück zu empfinden.

Reinhard Kleber

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.WALL-E – DER LETZTE RÄUMT DIE ERDE AUF im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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KJK-Ausgabe 115/2008

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