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Ausgabe 112-4/2007

„Azur und Asmar“

(Hintergrund zum Film AZUR UND ASMAR)

Regie, Drehbuch und Figurdesign: Michel Ocelot, Frankreich / Belgien / Italien / Spanien 2006, 98 Min, Altersempfehlung: ab 6 J.

Dokumentation der Filmvorführung (24. Juni 2007) beim 25. Kinderfilmfest München.

Inhalt

Azur, der Sohn eines reichen Adligen, und Asmar, der Sohn seiner Amme, wachsen zusammen wie Brüder auf. Durch die Erziehung der marokkanischen Amme nimmt Azur ihre Kultur und Sprache an, bis er schließlich von ihr getrennt wird. Als junger Mann begibt sich Azur auf Grund eines Märchens, das seine Amme ihm als Kind erzählte, auf die Suche nach der sagenumwobenen Fee der Djinns und landet auf einer Insel. Dort schlägt er sich zusammen mit dem Landstreicher Crapoux als blinder Bettler durch, da ihm erklärt wurde, dass seine blauen Augen Unglück bedeuten würden. Als Azur zufällig auf Asmar trifft, sind beide zunächst Rivalen, denn auch Asmar möchte die schöne Fee der Djinns befreien. Die abenteuerliche Reise bringt jedoch die beiden Gegenspieler wieder zueinander, bis sie in alter Verbundenheit gegen ihre Feinde und für die Befreiung der Prinzessin kämpfen.

Reaktionen während der Vorstellung

Mit einem Anteil von über 50 Prozent waren viele erwachsene Zuschauer anwesend, daneben gab es sehr viele Kinder, die nicht viel älter als sechs Jahre alt waren. Als ein Problem zu Beginn der Vorstellung kann das deutsche Einsprechen der Dialoge gesehen werden. Es zeigte sich besonders im unruhigen Verhalten der Kinder, die trotz Filmbeginn miteinander sprachen. Allerdings wurden diese Kinder nach einiger Zeit konzentrierter und gewöhnten sich an das Überschneiden der Stimmen.

Begeisterung und eine Assoziation zu dem kleinen Kiriku ("Kiriku und die Zauberin", 1998) weckten schon im ersten Bild das typische Figurendesign von Michel Ocelot. So flüsterten einige Kinder "das ist Kiriku", oder fragten ihre Eltern, ob es sich um Kiriku handeln würde. Vor allem der Kontrast zwischen den besonders winzig gezeichneten Jungen Azur und Asmar in einer übergroßen Umwelt, sorgten – wie bei dem kleinen Kiriku – für vergnügtes Lachen. Gerade die kleineren Zuschauer identifizierten sich mit der hier übergroß erscheinenden Umgebung von Azur und Asmar. Viele Kinder lachten besonders über den kleinen Azur auf dem großen Pferd, das mit einem "Ist das groß" kommentiert wurde. Noch mehr amüsierten sie sich, als Azur schließlich vom Pferd fällt und vergnügt, ohne sich verletzt zu haben, wieder aufspringt.

Als die Szenen mit dem erwachsenen Azur beginnen und er mit seinem Boot kentert, wurden die jüngeren Zuschauer unruhig und kommentierten diese spannende Szene mit einem "Wer ist das?". Es schien für die sehr jungen Zuschauer zunächst nicht klar, dass es sich um den eben noch jungen Azur handelt. Für erstaunte und erfreute Ausrufe sorgte dafür die Insel mit den farbenprächtigen und phantasievollen Pflanzen. Das "Erblinden" von Azur wurde von einem Kind mit einem "aber kann er die Augen öffnen?" kommentiert. Es war nicht klar, ob die jüngeren Kinder verstanden, warum Azur seine Augen geschlossen hielt. So fragte ein kleiner Junge seinen Vater: "Was macht er?". Trotzdem brachte Azurs blindes, stolperndes Laufen auch die kleineren Kindern zum Lachen.

Sehr viel Gelächter gab es in den Szenen mit dem Landstreicher Crapoux, der mit seiner übergroßen Hornbrille und den ulkigen Augen hinter den dicken Gläsern eine besonders witzige Figur darstellt. Auch die Szenen, in denen Crapoux den blinden Azur auf seinen Schultern durch die Stadt lenkt, sorgten für gute Stimmung. So laufen sie gegen Marktstände oder stolpern durch die Gassen, was vor allem die jüngeren Kinder zum Lachen brachte.

Besonders gut kam auch der mit bunten Mosaiken verzierte Palast der kleinen Prinzessin an, der spontan mit "Sieht cool aus, finde ich", "das ist schön" und "Oh" kommentiert wurde. Die Prinzessin sorgte für viel Gelächter, als sie das erste Mal in ihrem Leben den Palast verließ und vor Entzücken rasend schnell hin und her läuft und flink auf Bäume klettert. Die spannenden Sequenzen, in denen Azur und Asmar vor dem bösen Händler fliehen müssen, wurden von den Kindern besonders intensiv wahrgenommen. Dies zeigte sich sowohl verbal mit Aussprüchen wie "Oh Gott" und "Oh nein" als auch nonverbal durch erregtes Hin- und Herrutschen auf den Stühlen.

Verwendbarkeit für die Kinderkulturarbeit

Michel Ocelots Märchen "Azur und Asmar" entzückte alle im Kinosaal durch die phantasievollen und farbenprächtigen Bilder, die auch typisch für die Filme mit dem kleinen Kiriku waren. Vor allem die jüngeren Zuschauer sahen zunächst auch im jungen Asmar den kleinen Kiriku, konnten jedoch sehr schnell erkennen, dass es sich um eine andere Geschichte handelt. Eine sehr beliebte Figur war Crapoux, der mit seiner lustigen Brille und den frechen Gebärden in jeder Szene für viel Gelächter sorgte. Für einige zehn- bis elfjährige Jungen war Crapoux sogar die Lieblingsfigur im Film.

Größtenteils begeisterten sich die jüngeren Kinder für die märchenhaften Figuren, wie die Feen und die farbenfrohen Tiere, den Pfau Simourth und den Scharlachroten Löwen. Dem Zeitsprung zu Beginn des Films konnten die sechsjährigen Kinder nur schwierig folgen. Dafür gingen sie in den spannenden Verfolgungs- und Kampfszenen aufgeregt mit. Ebenso kamen bei ihnen auch die Figuren, die an Kiriku erinnerten, wie die kleine Prinzessin und Azur und Azmar als Kinder, sehr gut an.

Besonders hervorheben kann man, dass der Film ohne "pädagogischen Zeigefinger" das Verständnis für andere Kulturen vermittelt. Die islamische Kultur Marokkos wird in der Geschichte fast spielerisch erklärt und so auch von den Kindern wahrgenommen. Ein Beispiel dafür sind die nicht übersetzten marokkanischen Dialoge, die rein aus dem Kontext heraus verstanden werden können. Das Wissen über die islamische Kultur wird, wie in der Szene, in der der Muezzin zum Gebet ruft und Crapoux erklärt, dass eine Moschee keine Glocken habe, ganz nebenbei vermittelt. Nicht zuletzt zeigt auch die Freundschaft zwischen Azur und Asmar, dass Zuneigung nicht von der Kultur, sondern vom Menschen abhängen sollte.

Die sehr gute Filmbewertung der Zuschauer zeigt, wie gut das Märchen "Azur und Asmar" den Großen und Kleinen gefallen hat – von den 115 Besuchern entschieden sich 86 Prozent für ein "sehr gut"; Michel Ocelots außergewöhnlicher Animationsfilm erhielt außerdem den Publikumspreis (Jetix-Preis) beim 25. Kinderfilmfest München.

Julia Gebefügi

 

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KJK-Ausgabe 112/2007

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