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Ausgabe 117-1/2009

DIE BRÜCKE – 2008

Produktion: Guido Gerold Filmproduktion / Lionheart Entertainment / Pixomondo Imagen, im Auftrag von ProSieben; Deutschland 2008 – Regie: Wolfgang Panzer – Drehbuch: Wolfgang Kirchner, nach dem Roman von Gregor Dorfmeister (Manfred Gregor) – Kamera: Edwin Horak – Schnitt: Sara Pazienti – Musik: Filippo Trecca Darsteller: François Goeske (Albert Mutz), Franka Potente (Elfie Bauer), Lars Steinhöfel (Walter Forst), Robert Höller (Klaus Schröder), Florian Heppert (Siegi Lindner), Daniel Axt (Jürgen Neuhaus), Toni Deutsch (Karl Bärmann), Alexander Becht (Ernst Scholten), Paula Schramm (Paula Fink), Michael Lott (Standartenführer Forst), Gerd Wameling (Unteroffizier Schaubeck), Felix von Manteuffel (General) u. a. – Länge: 100 Min. – Farbe – Alterseignung: ab 14 J.

April 1945 in einer kleinen Stadt in Süddeutschland. Die bestehende Ordnung löst sich auf. Militärtransporte bringen Evakuierte ins Dorf. Aus der Turnhalle wird ein Lazarett. Der Unterricht wird eingeschränkt. Walter, der Sohn eines örtlichen NSDAP-Funktionärs, macht mit seiner Lehrerin Elfie Bauer, einer attraktiven Kriegerwitwe, eine Radtour. Flieger tauchen auf und stören die Idylle. Die beiden retten sich vor dem Angriff. Aus einer schützenden Umarmung erwächst eine Liebesbeziehung, was zu diesen Zeiten nicht ungewöhnlich war. Albert, einer der Neuankömmlinge, kommt aus einer Stadt und hat dort das Kriegsgeschehen bereits direkt miterlebt; sein älterer Bruder ist bei einem Kriegseinsatz gestorben. Albert freundet sich mit Paula an, in deren Haus er mit seiner Mutter untergebracht wurde, und er gehört bald der Clique, die sich abends regelmäßig an der Brücke trifft. Beim nächtlichen Lagerfeuer tauschen sich die Jungen aus, rauchen, trinken, Walter gibt mit seinen Frauenbekanntschaften an. Er ist machtbesessen und zeigt mitunter psychopathische Züge. Sein Verhältnis mit der Lehrerin wurde der Polizei angezeigt. Er vermutet fälschlicherweise, dass es Paula war.

Standartenführer Forst, der Vater von Albert, rekrutiert Nachwuchs für den Volkssturm; in der Schule hält er eine demagogische Ansprache. Die Wirkung bleibt nicht aus. Die Jungen sind begeistert und enthusiastisch; sieben von ihnen werden auf der Stelle verpflichtet: Walter, Albert, Klaus, Siegi, Jürgen, Karl und Ernst. Aus den 'Milchbuben' sollen 'Landser' werden. In einem Feldlager nahe der Brücke werden sie eingekleidet, mit Waffen ausgerüstet und von Unteroffizier Schaubeck gedrillt und herumkommandiert. Die Amerikaner kommen näher. Und damit auch die Front. Die Jungen sollen aber nicht mehr eingesetzt, sondern so schnell wie möglich wieder nach Hause geschickt werden. Sie werden an der Brücke, die den Ort teilt und von strategischer Bedeutung ist, in Stellung gebracht und sollen dort den Rückzug der deutschen Soldaten sichern. Dieser eindeutige Befehl an Schaubeck wird aber nicht mehr umgesetzt, da er die Jungen allein lässt, desertiert und als Fahnenflüchtiger erschossen wird. Walter, Albert und die anderen bewachen die Brücke. Es kommt darauf an, Zeit zu gewinnen. Ein Flugzeug greift an. Einer von ihnen wird getroffen und stirbt: ausgerechnet Siegi, der Jüngste, der noch keine 16 Jahre alt ist und eigentlich nicht mit dabei sein sollte, aber von dem allgemeinen Hurrageschrei angesteckt wurde.

Die Brücke belebt sich durch LKW-Transporte mit erschöpften und verwundeten Soldaten, die von der Front zurückkommen. Ein General übernimmt das Kommando und verpflichtet die Jungen als Panzervernichtungstrupp. Eine neue Verteidigungsstellung wird eingerichtet. Der Auftrag ist, die Brücke um jeden Preis zu halten. Dazu werden die Jungen mit den entsprechenden Waffen ausgerüstet. Elfie Bauer geht unterdessen zu Walters Vater und zwingt ihn dazu, sich für die Jungen einzusetzen und sie von dem gefährlichen Einsatz zurückzuholen. Die beiden suchen die Jungen auf, werden aber brüsk zurückgewiesen, da es sich in ihren Augen bei dieser Aktion um einen Fall der Wehrkraftzersetzung handelt. Die gegnerischen Panzer rücken vor; sie werden von einer Panzerfaust gestoppt. Die amerikanischen Soldaten ziehen sich in ein nahe gelegenes Wohnhaus zurück, um den Angriff zu erwidern. Es gibt erste Verluste in ihren Reihen. Sie vermuten Scharfschützen auf der deutschen Seite und fordern Verstärkung an. Paula gelingt es, zu den amerikanischen Soldaten vorzudringen. Sie informiert sie darüber, dass es sich bei den Deutschen um ihre Schulkameraden, also noch um Kinder, handelt. Einer der Amerikaner will verhandeln, aber es kommt zu einem Missverständnis und zu weiteren Opfern auf beiden Seiten. Die Zahl der noch lebenden Jungen reduziert sich nach und nach; nur Walter und Albert leben noch. Walter ist stolz darauf, die Brücke verteidigt zu haben; Albert hingegen trauert um seine gefallenen Freunde. Beide verstehen nicht, warum die Deutschen die Brücke, die sie mit so viel Einsatz verteidigt haben, nun sprengen wollen und hindern die Soldaten mit Waffengewalt an ihrem Vorhaben. Es kommt zu einem Schusswechsel, bei dem Walter tödlich verletzt wird. Die Amerikaner passieren die Brücke. Walter stirbt in den Armen der hinzu geeilten Lehrerin. Albert hat überlebt und kann Paula in seine Arme schließen.

Der Film wurde mit einem Budget von 3,4 Millionen Euro an dreißig Tagen in Lettland gedreht. Das ist für eine TV-Produktion ein beachtlicher Aufwand. Aber wer "Die Brücke" neu verfilmt, muss sich mit der alten Verfilmung (Regie: Bernhard Wicki, 1959) messen lassen. In der Fachpresse wurde Wolfgang Panzers Film überwiegend negativ besprochen. Die Kritiken reichen von "... ein ordentliches, respektvolles Remake ... " bis hin zu "Einfach nur erbärmlich – oder schon gemeingefährlich?" Mit dieser Reaktion war zu rechnen, denn der Versuch der Neuverfilmung ist ambitioniert, aber gründlich gescheitert. Allein schon der melodramatische Schluss – Elfie Bauer trauert um ihren toten Geliebten, Albert und Paula in einem tränenreichen Happy End – wirkt aufgesetzt und unterscheidet sich erheblich vom Original. Zwar überlebt Albert auch hier, aber in den letzten Bildern schleift er verstört seinen toten Freund hinter sich her über die Brücke, die sie um jeden Preis verteidigten. Die in Wickis Film nur angedeutete Affäre zwischen dem Jungen und der Lehrerin wird bei ProSieben zu einer nicht unerheblichen Nebenhandlung bis hin zur Schlusseinstellung.

Bei Wicki stand das private, soziale und politische Umfeld der Jungen im Vordergrund; die einzelnen Charaktere wurden zu Beginn einprägsam vorgestellt. Da die Rolle der Lehrerin in der Neuverfilmung erheblich erweitert und mit einer werbewirksamen Schauspielerin besetzt wurde, konzentriert sich die Handlung nur auf wenige Jungen; eigentlich nur auf Albert und Walter. Siegi, Jürgen, Karl, Ernst und Klaus bleiben ohne Profil. Man kann sich noch nicht einmal die Namen merken. Ihr Verhalten ist daher auch nicht immer ganz einleuchtend – beispielsweise in der Sequenz, in der Walters Vater in der Schule seine Hasspredigt hält und die Jungen sich spontan zum Kriegseinsatz verpflichten. In der früheren Verfilmung wird hingegen ausführlich gezeigt, wie die Schüler in der Klasse über den Kriegs- und Frontverlauf informiert werden und sich für Kriegsspiele begeistern. Das macht ihre Begeisterung glaubhafter.

Die jugendlichen Schauspieler sind gegenüber den komplexen Charakteren des Originals entsprechend eingeengt und – abgesehen von Albert und Walter – in ihren ausgestanzten Rollen nur bedingt überzeugend. Bei den Erwachsenen geht das Rollen-Spiel völlig daneben; sie stecken voller Nazi-Klischees, wie sie aus den amerikanischen Kriegsfilmsatiren und parodistischen TV-Serien hinreichend bekannt sind. Das Drehbuch von Wolfgang Kirchner ist weitaus sachlicher als die Inszenierung und Schauspielerführung des Regisseurs Wolfgang Panzer – er bietet Action, Sex und scharfe Waffen statt Charaktere, Profile und Backstory. Das Remake ist eine nicht genutzte Chance, "Die Brücke" mit den Mitteln des Kinos von heute neu zu erzählen und die gesuchte Zielgruppe emotional anzusprechen. Angesichts zunehmender Einsätze von Bundeswehrsoldaten auf internationalen Schauplätzen wären Jugendfilme mit einer eindeutigen Anti-Kriegs-Haltung mehr als sinnvoll.

Horst Schäfer

 

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