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Ausgabe 117-1/2009

HEXE LILLI – DER DRACHE UND DAS MAGISCHE BUCH

Produktion: Walt Disney Studios Motion Pictures / BlueEyes / Trixter in Koproduktion mit Dor Film / Steinweg Emotion Pictures / Classic / Buena Vista International Film Production / Babelsberg Film; Deutschland / Österreich / Spanien / Italien 2009 – Regie: Stefan Rudowitzky – Drehbuch: Stefan Rudowitzky, Armin Toerkell, Ralph Martin, nach der Kinderbuchserie "Hexe Lilli" von Knister – Kamera: Peter von Haller – VFX-Supervisor: Hilmar Petersen, Jan Stoltz – Schnitt: Britta Nahler – Musik: Klaus Badelt – Darsteller: Alina Freund (Lilli), Sami Herzog (Leon), Anja Kling (Mutter), Pilar Bardem (Surulunda), Ingo Naujoks (Hieronymus) u. a. – Länge: 89 Min. – Farbe – Verleih: Walt Disney – Altersempfehlung: ab 6 J.

Zwischen "Bibi Blocksberg" und "Harry Potter" ist durchaus noch Platz für jede Menge Magie auf der großen Leinwand. Und weil "Hexe Lilli" dank der erfolgreichen Bücher des Kinderbuchautors Knister und der guten Auswertung als Zeichentrick-TV-Serie längst eine eingeführte Marke ist, konnte man bei der Adaption fürs Kino eigentlich nichts mehr falsch machen. Dennoch begnügte sich der höchst vielseitige österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky nicht damit, einen der Knister-Romane eins zu eins zu übertragen. Seine Realverfilmung inklusive CGI-Drachen aus dem Hause Trixter folgt vielmehr einer eigenen Dramaturgie, bleibt aber ansonsten vor allem der Hauptfigur in jeder Hinsicht treu:

Diese Lilli ist zunächst ein ganz normales Mädchen (ein Glücksgriff: Alina Freund), das mit seiner liebevollen, alleinerziehenden Mutter (Paraderolle für Anja Kling) und dem nervigen kleinen Bruder Leon ein typisches Kleinfamilienleben führt. Das ändert sich schlagartig, als ein uraltes Zauberbuch samt kleinem grünem Flugsaurier in ihr beschauliches Kinderzimmer flattert. Kein Zufall, denn Lilli wurde dazu auserkoren, die Nachfolgerin der alten Hexe Surulunda zu werden. Und während Lilli unter Anleitung des sprechenden Drachen Hektor versucht, mit Hilfe des alten Schmökers vernünftig zu zaubern, ist auch schon der heimtückische Zauberer Hieronymus im Anmarsch. Er will das Buch in seine Hände bekommen, damit sein durchtriebener Plan von der Weltbeherrschungsmaschine endlich Gestalt annehmen kann.

Ruzowitzky, der vom etwas anderen Heimatfilm ("Die Siebtelbauern") über den Horror-Schocker ("Anatomie") bis zum Oscar-prämierten Drama ("Die Fälscher") schon fast jedes Genre bedient hat, erweist sich auch im Bereich Kinderfilm/Fantasy als äußerst sattelfest. Die Effekte werden wohldosiert eingesetzt, ordnen sich stets der Geschichte unter und entfalten so größtmögliche Wirkung – wie etwa die Affenhorde, die Lilli versehentlich in ihr Zimmer zaubert, oder die Überschwemmung, die sie in der Schule anrichtet. Neben Alina Freund, die der rothaarigen, sommersprossigen Titelheldin nicht nur optisch verblüffend ähnlich sieht, sondern deren Charakter förmlich absorbiert, sorgen zwei weitere Figuren für Witz, Tempo und Spannung: Komiker Michael Mittermeier als originelle Stimme des etwas übergewichtigen Hektor, der mehr stürzt als er fliegt, aber behauptet, seine Problemzonen seien in Wirklichkeit alles nur Muskeln. Und Ingo Naujoks als in jedes Fettnäpfchen tretender Hieronymus mit einzigartigen Hypnose- und Verwandlungskünsten – so mutiert er etwa zu einer aufreizenden Blondine (Yvonne Catterfelds Kurzauftritt im Mini-Dirndl) und zu einem Muskelprotz Marke Schwarzenegger. Der schöne Mix aus Innovativem und Altbewährtem (die manipulierten Menschen am Schluss erinnern an die grauen Herren aus "Momo") besitzt durchaus auch ein paar aufregende, ja gruselige Momente – was den Unterhaltungsfaktor für fünf- bis zehnjährige Jungen und Mädchen aber noch erhöhen dürfte.

Thomas Lassonczyk

 

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KJK-Ausgabe 117/2009

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