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Ausgabe 117-1/2009

WÄCHTER DER WÜSTE

THE MEERKATS

Produktion: BBC Films / BBC Natural History / The Weinstein Co. / Yaffle; Großbritannien 2008 – Regie und Drehbuch: James Horneyborne – Kamera: Barrie Britton, Tony Miller, Mark Payne-Gill – Schnitt: Justin Krish – Musik: Sarah Class – Länge: 83 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: Central – Altersempfehlung: ab 6 J.

Naturdokumentationen haben im Kino derzeit Hochkonjunktur. Zwar ist längst nicht jedem Film kommerzieller Erfolg beschieden, aber 2008 war zumindest einer ganz weit vorne: "Unsere Erde" brachte es allein in Deutschland auf knapp 3,8 Millionen Besucher und machte damit sogar dem klassischen Family Entertainment aus Hollywood Konkurrenz. In ähnliche Dimensionen konnte auch Luc Jacquets "Die Reise der Pinguine" vorstoßen. Er faszinierte seinerzeit nahezu 1,5 Millionen deutsche Kinogänger. Auf dieses Publikum zielt nun auch James Honeyborne mit "Wächter der Wüste". Die BBC-Produktion hat viel mit Jacquets Arbeit gemein: Putzige Tierchen mit menschenähnlichem Verhalten, eine aus dem Spielfilm entlehnte dramaturgische Struktur sowie einen "Helden", der wie ein roter Faden durch die "Handlung" führt – in diesem Fall ist es Kolo, ein kleines Erdmännchen, das dabei beobachtet wird, wie es in einer etwa 30 Tiere umfassenden Erdmännchen-Kolonie aufwächst.

Technisch und visuell ist an dieser Dokumentation nicht das Geringste auszusetzen. Gut 80 Minuten lang wird man mit phantastischen Bildern aus der südafrikanischen Kalahari-Wüste verzaubert. Dabei verliebt man sich ab dem ersten Augenblick in diese etwa 30 cm großen Schleichkatzen mit ihren schwarzen Augenringen, die ihnen ein besonders drolliges Aussehen verleihen. Und man folgt ihnen gerne bei ihren alltäglichen Verrichtungen wie der Nahrungssuche, dem Graben von Erdhöhlensystemen und – ganz wichtig – der Flucht vor ihren natürlichen Feinden wie Schlange und Adler. Letzterem fällt auch der große Bruder von Kolo in einer – für Kleinkinder ziemlich entschärften – dramatischen Szene zum Opfer. Von nun an ist Kolo, den man von seiner Geburt an verfolgt hat, selbst als älterer Bruder gefragt, jetzt ist es an ihm, die jüngeren Geschwister zu beschützen und diese bei Gefahr rechtzeitig in die Erdlöcher zu treiben.

Dass "Wächter der Wüste" insbesondere optisch ein Genuss ist, liegt unter anderem am Einsatz von speziellen Infrarot-Kameras, mit denen man die Erdmännchen auch in ihrem Bau beobachten kann, und an einer Helikopter-Kamera, die auch auf große Distanz scharfe Bilder liefert, so dass man das Verhalten der kleinen Tiere trotz der immensen Entfernung sehr gut erkennen kann. Probleme bereitet in erster Linie die deutsche Tonspur. Denn als Erzähler wurde Rufus Beck verpflichtet. Das allein wäre nicht so schlimm, hat sich der Schauspieler doch durch seine Hörbuchfassungen der "Harry Potter"-Romane einen klangvollen Namen gemacht. Leider begnügt sich Beck bei dieser Dokumentation nicht damit, lediglich als Erzähler zu fungieren, sondern er vermenschlicht die Erdmännchen, in dem er ihnen ständig Dialoge in den Mund legt und mit entsprechend verstellter Stimme spricht. Das mag in dem einen oder anderen Moment ganz lustig klingen, generell raubt es dem Film jedoch jegliche Seriosität, lenkt vom Thema ab, zerstört die Anmut und Schönheit der Naturaufnahmen und lässt "Wächter der Wüste" zu einer auf billigen Wortwitz zielenden, ziemlich nervenden Klamotte werden. Daran haben wohl auch eingefleischte Tierliebhaber Anstoß genommen, denn der am 20. November 2008 gestartete Film wurde entgegen der bereits erwähnten "Reise der Pinguine" kein Kassenmagnet, blieb bis dato deutlich unter der 100.000-Besucher-Marke hängen.

Thomas Lassonczyk

 

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KJK-Ausgabe 117/2009

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