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Ausgabe 117-1/2009

WILLI UND DIE WUNDER DIESER WELT

Produktion: Megaherz GmbH, in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk und Telepool; Deutschland 2008 – Regie: Arne Sinnwell – Drehbuch: Armin Toerkell, Arne Sinnwell – Kamera: Wolfgang Thaler – Schnitt: Florian Kohlert – Musik: Philipp F. Kölmel, Patrick Buttmann – Darsteller: Helmar Willi Weitzel – Länge: 78 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: MFA – Altersempfehlung: ab 6 J.

Dass erfolgreiche (Kinder-)Serien irgendwann einmal für die Leinwand adaptiert werden, ist ja inzwischen gang und gäbe und in der Regel auch von einigem Erfolg gekrönt. Man denke nur an "Felix, den Hasen", ganz aktuell den "Mondbären" und demnächst "Hexe Lilli". Dass man allerdings sogenannte Wissensmagazine für die Leinwand aufbereitet, ist doch ziemlich neu. Aber es ist nicht etwa die traditionsreiche "Sendung mit der Maus" oder die originelle Show "Wissen macht Aah", die das Rennen gemacht haben, sondern das BR-Format "Willi will's wissen".

Wie seit 2002 im Fernsehen erfolgreich praktiziert, geht der neugierige Reporter Willi Weitzel nun auch in "Willi und die Wunder dieser Welt" auf Entdeckungsreise. Und weil man schließlich im Kino ist, geht es gleich einmal rund um den Globus, von Europa nach Australien über Kanada nach Japan und von Afrika wieder zurück nach Hause. Das Ganze wird in einem Affentempo von 78 Minuten absolviert. Deshalb bleibt so manche Wissensvermittlung auf der Strecke, dafür dominieren imposante Naturaufnahmen und einige wirklich gelungene humoristische Einlagen. Was in erster Linie Willi selbst zu verdanken ist. Er wird seiner Funktion als sympathische, freundliche, manchmal schusselige und für jeden Scherz zu habende Leitfigur in jeder Hinsicht gerecht. Ihm glaubt man die Angst vor zugegeben etwas klein geratenen Krokodilen, wenn er in einem australischen Schlammloch an ihnen vorbeiwaten muss. Und wenn er dann nachts direkt in seine Hand-Kamera spricht und durch den Dschungel irrt, dann hat das schon fast etwas von einer Parodie auf Horrorfilme wie "The Blair Witch Project".

Vor allem die Natur hat Willi, der wie ein kleines staunendes Kind durch die Gegend stapft, in seinem ersten Kinoabenteuer im Visier. Dabei unterhält er sich mit Ameisenexperten ebenso wie mit Eisbärenspezialisten, macht mit einem zauberhaft süßen Babyflughund ebenso Bekanntschaft wie mit der Megalopolis Tokio, übrigens der einzige Abschnitt, in dem es nicht um Fauna und Flora geht. Dafür bringt uns Willi ein paar mehr oder weniger nützliche Dinge über den japanischen Großstadtmenschen bei. Dass Stopp zum Beispiel so ähnlich wie "Tomate" heißt, es Kapselhotel genannte Miniherbergen gibt und man aus Platzmangel auf den Dächern der Wolkenkratzer Fußball spielt. Für den Humor sorgt Willi zumeist selbst. Wenn er sich etwa von einem japanischen Superklo anspritzen lässt oder sich als Sumoringer gegen einen hundert Kilo schwereren Gegner versucht, dann bleibt im wahrsten Sinne kein Auge trocken. Zusammengehalten wird die Geschichte durch eine anrührende Rahmenhandlung: Willi hat einer alten Freundin, die inzwischen verstorben ist, versprochen, ihr eine Handvoll Sahara-Sand von seiner Reise mitzubringen, was er natürlich auch einhält, denn "versprochen ist schließlich versprochen".

Sieht man einmal davon ab, dass hier im Gegensatz zum TV-Pendant einiges an Information dem Entertainment zum Opfer gefallen ist, so erfüllt "Willi und die Wunder dieser Welt" eine ganze Reihe von Vorgaben, die vom modernen Kino verlangt werden: Einen klaren, leicht verständlichen Plot, einen Charakter, mit dem man sich gern identifiziert, wunderbare Schauplätze, große bombastische Musik und die entsprechenden Bilder. Hinzu kommen noch ein netter Running Gag mit den Ameisen dieser Welt und ein wirklich sehenswerter Abspann, in dem Willi seine auf der Reise gewonnenen Erkenntnisse noch einmal aufnimmt (von der Sanddusche unter der Baggerschaufel bis zum Kickerturnier auf dem Hausdach).

Thomas Lassonczyk

 

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