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Ausgabe 117-1/2009

"Ich habe gespürt, das ist mein Medium"

Gespräch mit Christina Schindler, Produzentin und Regisseurin von Animationsfilmen

Interview

Schon als Kind hat Christina Schindler, Jahrgang 1962, am liebsten Trickfilme gesehen. Nach der Schule belegte sie das Fach Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel und fasste dort den Entschluss, Animationsfilme zu gestalten. Seit ihrem Abschluss ist sie als selbstständige Filmemacherin und Produzentin tätig. 1992 wurde sie an die Hochschule für Fernsehen und Film in Potsdam-Babelsberg berufen und hat als Dozentin und später Professorin für den gesamten Fachbereich Animationsfilm eine ganze Reihe von Studenten auf ihrem Weg zum internationalen Erfolg begleitet.

Filmografie: "Circus" (1984), "Flaschenpost" (1986), "Aus-Flug" (1988), "Rabengeschichten" (1988), "Nachts sind alle Katzen bunt" (1990), "Rinnsteinpiraten" (1993), "Zugvögel" (1996), "Anders-Artig" (2002) sowie Auftragsarbeiten für das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland: "Brief an die Mutter", "Scharade".

Christina Schindlers Schaffen ist erstmalig in einer Gesamtschau zu sehen: Die Ausstellung "Die Kuh im Baum" in den Technischen Sammlungen Dresden mit Filmen und zahlreichen Exponaten wie Flachfiguren, Zeichenfolien, Entwürfe ist ein Projekt des Deutschen Instituts für Animationsfilm (DIAF) in den Technischen Sammlungen Dresden in Kooperation mit ZDF tivi, HFF Potsdam-Babelsberg, Bundesverband Jugend und Film e.V. und Matthias-Film und kann noch bis 5. April 2009 besichtigt werden. – Technische Sammlungen Dresden, Junghansstraße 1-3, Telefon 0351-4887201, www.tsd.de

KJK: Wann entstand ihr erster Animationsfilm?
"Die ersten Animationsfilme sind in meinem Mathehefter entstanden. Wenn ich mich im Unterricht langweilte, malte ich kleine Daumenkinos. Da mir aber die technologischen Möglichkeiten und auch das Wissen fehlten, habe ich das Filmemachen zunächst nicht beruflich verfolgt. Ich wollte eigentlich Illustratorin werden und hatte an der Hochschule visuelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt freie Grafik und Illustration belegt. Im Studium bin ich dann durch Zufall in der Animationsfilmklasse von Professor Jan Lenica gelandet. Dort hatten sich wenige Studenten in einem Raum eingeigelt und an Dingen gearbeitet, die mehr waren als eine statische Grafik. Als ich dann meine ersten Proben von bewegten Bildern machte, war ich begeistert. Ich war entflammt und spürte: Das ist mein Medium. Das hat nur auf mich gewartet, entdeckt zu werden, das war wie eine Sucht, und ich wusste, ich musste das machen. Der erste wirkliche Film hieß 'Zirkus', eine Geschichte von einem Zauberer, der in einer Zirkusarena alle Nummern der Artisten scheitern lässt und der am Schluss das Zirkuszelt in einer Hand zerdrückt zu einem winzigen Spielball. Ich denke das war so eine Ansammlung von Gefühlen, von Bildern und Bewegungen, von fliegenden Vögeln und Artisten, die sich da bewegen – da hatte ich einfach Spaß an Bewegung, aber auch Spaß am Erzählen, am Fabulieren von Geschichten."

Wie entstehen Ihre Film-Figuren? Wie kommen Sie zu Ihren Themen?
"Wenn man die Filme macht, weiß man nicht, was die Themen mit einem zu tun haben. Ich stellte erst im Nachhinein fest, dass ich mit meinen Filmen eigene Lebensabschnitte und Erfahrungen verarbeitet habe. Der erste Film 'Aus-Flug', den ich als Abschlussfilm im Studium gemacht hatte, steht für die Verarbeitung von Dingen, die ich als junge Erwachsene erlebt habe, für die Zeit, in der ich einen eigenen Standpunkt zum Leben entwickeln wollte. Der Film 'Rinnsteinpiraten' hatte damit zu tun, dass ich in eine Großstadt kam und mit den ersten Eindrücken und dem Leben in einer Großstadt wirklich überfordert war. Und so fügen sich diese Themen zu einem bestimmten persönlichen Lebensumstand, der seine Umsetzung in Form einer Tiergeschichte erfährt und inhaltlich dann doch genau passt. Dabei habe ich bei der Entwicklung meiner Filme nie eine Kinderzielgruppe vor Augen gehabt. Das sind Themen, die mich interessieren und sie erfahren auch eine Umsetzung, wie ich sie für richtig halte. Die Kinder haben mich entdeckt, nicht ich die Kinder. Aber ich habe auch ein gewisses Publikum an Erwachsenen, die diese Filme sehr gerne mit anschauen."

Was geben Sie heute Ihren Studenten von Ihren eigenen Erfahrungen als Filmemacherin auf den Weg?
"Nach dem Studium hatte ich das große Glück, auf eine Redaktion zu treffen, die genau solche Filme suchte. Das war die Redaktion Siebenstein vom ZDF. Die Redakteurin hat meine Filme mitfinanziert. Ich hatte auch das große Glück, nicht nur Fernsehgelder, sondern auch Filmförderung für die Produktionen zu bekommen. Allerdings muss man auch sagen, dass diese Filme über Jahre hinweg entstanden sind. Man kann sich das oft schwer vorstellen, wie viele tausende Zeichnungen für einen kurzen Film notwendig sind und wie viele Menschen daran beteiligt sind. Man muss mit seiner Unterschrift unter einem Fernsehvertrag auch knallharte Bedingungen erfüllen. Das waren auch belastende Situationen, die ich als sehr existenzbedrohend empfand.
Gerade aufgrund dieser Erfahrungen ist es meiner Meinung nach das Wichtigste, das man als junger Mensch die eigenen Kräfte aufspürt und mobilisiert. Ich selbst habe erfahren, dass ich einen gewissen Schonraum brauchte, um mich zu entwickeln. Es haben immer wieder Leute mir vertraut und dieses Vertrauen konnte ich in meine eigene Arbeit setzen. Das ist gar nicht so einfach. Ich glaube, man macht gute Dinge, wenn man herausfindet, was der eigene Schwerpunkt, der eigene künstlerische Ausdruck ist. Dann wird man gut. Wir bieten den Studenten alle Möglichkeiten, ihre Produkte zu optimieren. Ich bemühe mich, Mentorin und Begleiterin zu sein. Ich vertraue auf ihre Ideen und ihre Kraft und dieses Vertrauen hilft ihnen, unglaubliche Berge zu überwinden und durch dunkle Tunnel zu laufen. Ich habe da auch genug Geduld, sie durch diese Zeit zu begleiten."

Mit Christina Schindler sprach Friedemann Schuchardt

Hinweis: "Von Fabelwesen und anderen Tieren – Filme von Christina Schindler" (1988-2001) liegt als DVD in der Reihe "Durchblick" des BJF vor – Information/Bestellung: www.bjf.info

 

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