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Ausgabe 117-1/2009

Afrikanische Filme bei EZEF auf DVD

Hintergrund

Filme aus Afrika finden auf unseren Leinwänden und Bildschirmen so gut wie nicht statt. Abgesehen von ein paar engagierten Festivals und Kleinverleihern schaffen es afrikanische Filme nicht in die Kinos und im TV gibt's ab und an mal was bei arte. Und auch auf dem DVD-Markt war afrikanisches Kino bis jetzt de facto nicht vorhanden. Wer Filme von Ousmane Sembène, Djibril Diop Mambéty oder Idrissa Ouédraogo sehen wollte, musste sich auf dem französischen Markt bedienen, wo die Filme allerdings nur in Französisch untertitelt sind.

Doch jetzt hat sich endlich jemand gefunden, der zumindest einige Filme des Kontinents bei uns zugänglich macht: das EZEF (Evangelisches Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit) in Stuttgart hat im Laufe der letzten 18 Monate in Zusammenarbeit mit der Schweizer "trigon-film" eine durchaus ansehnliche kleine Sammlung von alten und neuen Filmen auf DVD veröffentlicht, die auch für den privaten Gebrauch erhältlich sind. Bunt gemischt aus Klassischem und Neuem, Dokumentar- und Spielfilm, Kurz- und Langfilm bietet sich die Möglichkeit einer Entdeckungsreise in eine Vielfalt von Filmsprachen und Kinematographien, denn "in Wirklichkeit ist der Begriff 'afrikanisches Kino' natürlich völlig unzutreffend. Wir reden immerhin von mehr als 50 Ländern, mehreren 10.000 verschiedenen Kulturen und Stämmen. Und wenn es heißt, die Kunst sei der Spiegel einer Gesellschaft, dann haben wir so viele Filmkulturen wie wir Länder, nein wie wir Filmemacher haben." (Baba Hama, Direktor des FESPACO, des wichtigsten Filmfestivals in Afrika). Die meisten dieser Filme sind auch für Kinder und/oder Jugendliche geeignet.

Filme für Kinder

Da wäre zunächst "Yaaba" (1989, Kritik in KJK 42-2/1990) von Idrissa Ouédraogo aus Burkina Faso; ein Film, der seinerzeit sogar regulär in die Kinos kam und nun endlich auch auf DVD verfügbar ist. Der Film ist mittlerweile ein Klassiker des afrikanischen Kinos und die DVD bietet neben dem Film noch etwas Besonderes: einen Kurzdokumentarfilm des viel zu früh verstorbenen Senegalesen Djibril Diop Mambéty, der einer der großen Neuerer des afrikanischen Filmschaffens war. Von ihm hat das EZEF noch mehr Filme im Programm, so eine DVD mit seinen zwei Kurzfilmen aus der "Trilogie der kleinen Leute": "Die kleine Verkäuferin der Sonne / La petite vendeuse du Soleil" (1999, Kritik in KJK 83-3/2000) und "Das Los / Le franc" (1994). Als Bonus gibt's ein Interview, in dem der Filmemacher seine Trilogie vorstellt, die wegen seines Todes unvollendet blieb. Highlight dieser Hommage an Mambéty ist sicherlich die Veröffentlichung von "Touki Bouki", seine radikale Abrechnung mit dem Traum von Europa. (Langkritik in der nächsten KJK-Ausgabe).

Zurück zu den Kinderfilmen: Lange Zeit war afrikanisches Kino fast ausschließlich frankophon: Die anglophonen Länder beschränkten sich entweder fast ausschließlich auf schnelle, billige Videoproduktionen wie Nigeria oder die Filmproduktion lag am Boden wie in Ghana. Und Südafrika war unter der Apartheid-Diktatur nicht nur als Filmland indiskutabel. Die lusophonen Länder wie Angola oder Mosambik waren in scheinbar endlos währende Bürgerkriege verstrickt. Doch gerade von dort kamen in den letzten Jahren ein paar interessante Arbeiten, deren eine "Der große Markt / O grande Bazar" (2006, siehe KJK 113-1/2008) aus Mosambik ist. Die DVD bietet neben den üblichen pädagogischen Arbeitsmaterialien auch gut aufbereitete Hintergrundinformationen und eine sorgfältig recherchierte Link-Liste. Ein Film, bei dem ich nie verstehen werde, warum er beim LUCAS nicht im Wettbewerb, sondern nur auf dem Markt zu sehen war.

Filme für Jugendliche

Das Programm umfasst auch Filme, die man gut Jugendlichen zeigen kann, auch wenn sie nicht explizit für sie gemacht wurden. Da wäre zunächst "Anna, Amal und Anousheh" eine Kurzfilmkompilation, die auch zwei afrikanische Produktionen bietet, darunter "Amal", den Preisträger des Kurzfilmprogramms bei LUCAS 2006, und "Die kleine Forscherin / Petite Lumiére" von Alain Gomis aus dem Senegal. Auch "Moolaadé" (2004), der letzte Film des großen Ousmane Sembène und der Kurzfilm "Bintou" (2000) von Fanta Régina Nacro aus Burkina Faso erzählen afrikanische Frauengeschichten zwischen "Rollenmustern und Selbstbestimmung". Von Frauen- bzw. Mädchenschicksalen erzählen auch "Puppen aus Ton / Poupées d'argil" (2002) des Tunesiers Nouri Bouzid und "Rachida" (2002) von Yamina Bachir-Chouikh. Zwei Filme, die klar und deutlich Partei ergreifen ohne dabei zu predigen. Frauenschicksale schildert auch der Südafrikaner Ramadan Suleman in den zwei Filmen "Zulu Love Letter" (2004) und "Fools" (1997), zwei Filme, die die Apartheid und ihre bis heute nachwirkenden Folgen aus der Sicht der Frauen schildern.

Etwas entspannter geht es dagegen in "Ich und mein Weißer / Moi et mon blanc" (2003; Kritik in der nächsten Ausgabe) zu. S. Pierre Yaméogo erzählt auf vergnügliche Weise vom Kulturschock zwischen Europa und Afrika. Eine komödiantische Abrechnung mit so manchem Vorurteil auf beiden Seiten. Ganz anders dagegen die beiden dokumentarischen Arbeiten aus Madagaskar: "Angano, Angano" (1989) von Marie-Clemence und Cesar Paes: Die gebürtige Madegassin und ihr aus Brasilien stammender Ehemann entwerfen ein Mosaik der Lage Madagaskars Ende der 80er und verknüpfen diese mit madegassischen Legenden und der Kolonialgeschichte. Zusammen mit Raymond Rajaonarivelo hat Cesar Paes das Thema in dem Film "Mahaleo" (in etwa Freiheit, Unabhängigkeit) noch einmal neu bearbeitet. Die titelnde Musikgruppe ist in Madagaskar eine lebende Legende und trat auch in Europa auf. Schon in den 70er-Jahren waren sie an den Kämpfen gegen die Diktatur in beteiligt.

Zum Schluss noch zwei Filme, die eher für ein erwachsenes Publikum von Interesse sind: Raoul Pecks meisterliche Biographie "Lumumba", ein Spielfilm über den legendären ersten Präsidenten des Kongo, und "Arlit, ein zweites Paris", ein Dokumentarfilm von Idrissou Mora-Kpai über die einstige Uranbergbaustadt Arlit im Norden des Niger, die nun zur Durchgangsstation für die Vielzahl von Migranten ist, die in Europa ihr Glück suchen.

Alle DVDs enthalten pädagogisches Begleitmaterial und dies hier war auch nur eine unvollständige Auswahl dessen, was EZEF im Programm hat. Diese DVD-Edition bietet einen grundsoliden ersten Einblick in die Vielfalt afrikanischen Filmschaffens und macht neugierig auf mehr.

Lutz Gräfe

www.ezef.de

 

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