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Ausgabe 118-2/2009

MAX PEINLICH

MAX PINLIG

Produktion: Asta Film Kopenhagen; Dänemark 2008 – Regie: Lotte Svendsen – Buch: Tommy Bredsted, Mette Horn, Lotte Svendsen – Kamera: Lars Skree – Schnitt: Camilla Ebling – Musik: Jens Brygmann – Darsteller: Samuel Heller-Seifert (Max), Mette Horn (Agnethe), Lars Born (Steen Cold), Louise Mieritz (Ulla), Rasmus Bjerg (Carlo), Anna Agafia Sveniouk Egholm (Esther), Ophelia Eriksen (Ofelia), Faysal Mobahriz (Hassan) u. a. – Länge 93 Min. – Weltvertrieb: SF Film A/S, Kopenhagen, Fax: +45 70267627, e-mail: hvn@sf-film.dk – Altersempfehlung: ab 10 J.

Max ist eigentlich ein ganz normaler Junge. Er möchte in der Schule anerkannt sein, er möchte von seiner Mutter verstanden werden, er möchte die Sache mit der Zahnspange möglichst schnell hinter sich bringen und er hätte es gern, wenn die neue Mitschülerin Ofelia merken würde, dass er ein bisschen in sie verliebt ist. Doch obwohl Max nach außen hin offensichtlich so ist, wie viele andere Jungen auch, gerät er dennoch ständig in höchst peinliche Situationen.

Sein Freund Hassan spannt ihn in eine selbstgebaute Zahnausrichtungsapparatur, von der er überzeugt ist, dass dadurch das lästige Problem der Zahnspange umgangen werden kann. Natürlich geht alles schief und Max hat neben den Schmerzen auch noch das Gespött des Konstrukteurs zu ertragen. Mit einem gewissen Schmunzeln sieht auch die gleichaltrige Nachbarin Esther, wie Max versucht, die falschen Heldengesten ihres Vaters, ein gut im Geschäft stehender Autor und Schauspieler, nachzuahmen. Besonders peinlich ist jener Moment, als Max' Mutter Agnethe ausgerechnet in Gegenwart von Ofelia über alte Bettnässergeschichten ihres Sohnes erzählt. Überhaupt seine Mutter. Seit sechs Jahren schreibt sie mit Hilfe ihrer Freundin an einer Geschichte des Ersten Weltkriegs. Diese Arbeit und zahlreiche gemeinnützige Aktivitäten in der Kirchengemeinde füllen sie völlig aus. Ihren Sohn glaubt sie mit Liebe geradezu zu überschütten. Doch was er wirklich braucht, nämlich jemanden, der ihm zuhört und ihn dabei ernst nimmt, das spürt sie nicht.

Auch die Großeltern haben kein Ohr für den Enkel. Sie haben sich auf dem Platz vor dem Parlament eingerichtet und demonstrieren dort unverdrossen für den Weltfrieden. Sie sind in der Haltung der ewig gutmeinenden Mahner erstarrt und es scheint sie auch nicht zu stören, dass sie schon lange keine Verbündeten mehr haben. Der Pfarrer ist ebenfalls so ein "Gutmensch", wenn er in der sozialpädagogischen Weihnachtsbetreuung einiger Strafgefangener dermaßen aufgeht, dass er darüber hinaus kaum noch ein Ohr für seine Gemeindeschäfchen hat. Sicher ahnt der Gottesmann, dass er den eigentlichen Problemen ausweicht, wenn er voller Eifer seine Bestätigung beim Weihnachtssingen mit ein paar gestrauchelten Seelen sucht. Auch der Schauspieler weiß, dass er sich lächerlich macht, nur um dem Publikum die gewünschte Gaudi zu bieten und die Mutter fühlt genau, dass sie eine innere Leere überbrückt, wenn sie sich jahrelang an einem Thema festhält. Doch alle haben sich in ihren Rollen recht bequem eingerichtet.

Max kennt keinen Argwohn und das ist das Besondere an ihm. Er nimmt seine Mitmenschen unmittelbar auf jener Ebene ernst, auf der sie sich darstellen. Doch gerade deshalb gerät er immer wieder in die besagten peinlichen Situationen. Das wirkt bisweilen herzhaft komisch und der Film bietet seinem Publikum viele Anlässe, herzlich zu lachen. Doch hinter der spaßigen Fassade verbirgt sich ein sehr ernster Kern. Nicht Max ist im eigentlichen Sinne peinlich, sondern diejenigen, die ihre Weltwahrnehmung, einschließlich des Blicks auf sich selbst, hinter aufgesetzten Masken versteckt haben. Tragisch wird es, wenn das auch schon Kinder verinnerlicht haben. Ofelias Vater ist einer von jenen Knastbrüdern, die die Gemeinde in den Weihnachtstagen betreut. Doch sie hat das verdrängt und den Mitschülern erzählt, ihr Vater sei dienstlich abwesend. Natürlich kann es nicht anders kommen, als dass die Lüge durch die Geradlinigkeit von Max aufgedeckt wird. Das Mädchen ist daraufhin wütend und für Max droht der Traum von einer ersten Liebe zu scheitern. Doch Lotte Svendsen fängt die tragischen Elemente ihrer Geschichte in einem bewusst utopisch angelegten furiosen Versöhnungsfinale auf.

Der auf einer Fernsehserie basierende Film erzählt konsequent aus der Sicht des Jungen von den Nöten Heranwachsender, sich in unserer egozentrisch geprägten modernen Welt zu orientieren. Er tut dies sehr humorvoll und wenn schließlich die Frage im Raum steht, ob nicht die Erwachsenen letztendlich verrückt gewordene Kinder seien, dann könnte das für sie ein Anlass sein, in den Spiegel zu schauen. Für die Kinder kann es Bestätigung sein, ihren noch unverstellten Gefühlen zu vertrauen.

Klaus-Dieter Felsmann

 

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KJK-Ausgabe 118/2009

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