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Ausgabe 119-3/2009

C'EST LA VIE – SO SIND WIR, SO IST DAS LEBEN

LE PREMIER JOUR DU RESTE DE TA VIE

Produktion: Mandarin Cinéma / Studio Canal / France 2; Frankreich 2009 – Regie und Buch: Rémi Bezançon – Kamera: Antoine Monod – Schnitt: Sophie Reine – Musik: Sinclair – Darsteller: Jacques Gamblin (Robert), Zabou Breitman (Marie-Jeanne), Pio Marmai (Albert), Marc-André Grondin (Raphaël), Déborah François (Fleur), Roger Dumas (Pierre) – Länge: 114 Min. – Farbe – FSK: ab 12 – Verleih: Kinowelt – Altersempfehlung: ab 14 J.

2004 inszenierte der 1971 in Paris geborene Regisseur Rémi Bezançon nach einigen Kurzfilmen sein Langfilm-Debüt "Love is in the air". Nun legte er mit "Le premier jour du reste de la vie" (Der erste Tag vom Rest deines Lebens), der vom deutschen Verleih den austauschbaren Titel "C´est la vie – So sind wir, so ist das Leben" verpasst bekam, seine zweite Arbeit vor, die sogleich neun Nominierungen für den César, den französischen Filmpreis, erhielt.

Zu fünft sind sie, und eigentlich eine mehr oder weniger ganz "normale" Familie. Das Ehepaar Marie-Jeanne und Robert Duval hat drei Kinder, Albert, der Älteste, Raphaël, der Mittlere, und Fleur, das Nesthäkchen. Auf fünf verschiedenen Zeitebenen – angefangen im Jahr 1988, über 1993, 1996 und 1998 bis hin ins Jahr 2000 – wird den Ereignissen in diesem familiären Mikrokosmos chronologisch nachgegangen. Angefangen damit, dass Albert 1988 mit seinen nun 20 Jahren endlich ausziehen will und Mutter Marie-Jeanne das erst einmal so gar nicht verkraften kann und will. Bald schon seien sie ganz allein, befürchtet sie, und dann? Albert zieht in die Dachkammer oberhalb der Wohnung seines eigenwilligen Großvaters Pierre, und Marie-Jeanne schreibt sich rasch noch mal an der Uni ein. Ein paar Jahre später heiratet Albert, und am selben Tag stirbt der Großvater. Mit der Zeit wird Mutter Marie-Jeanne bewusst, dass sie gerade von ihrer Jüngsten, von Tochter Fleur, gar nichts weiß, sie überhaupt nichts mitbekommt. Die ist inzwischen eine junge Frau, trifft sich mit Jungs und führt ihr ganz eigenes Leben. Erst als Vater Robert, in der letzten der fünf Stationen dieser Familien-Chronologie, eine ungute Nachricht erhält, da sitzen sie wieder alle zusammen, draußen im Garten vor dem Haus, und nehmen sich vielleicht erstmals seit Jahren wieder wahr.

Regisseur und Drehbuchautor Rémi Bezançon hat mit seinem zweiten Langfilm eine Mélange aus Komödie und Tragödie geschaffen, einen Familienfilm im besten Sinne über all die kleinen und großen Höhen und Tiefen, die mit einem solch sensiblen und schwierigen sozialen Geflecht einhergehen. In "Le premier jour du reste de ta vie" steht das Lachen neben dem Weinen, das Leichte neben dem Schweren. Dies gelungen auszutarieren und dabei nicht in das eine oder andere Extrem zu kippen, das ist eine Gratwanderung. Und die gelingt Bezançon, überwiegend. Dabei sind es die kleinen Momente, die wie beiläufig etwas erzählen: Etwa, wenn Robert, der von seinem Vater Pierre nie verbal gelobt wurde, auch wenn er sich etwa noch so sehr in die Kunde des Weins einlas, am Todestag Pierres in dessen Jackett das Portemonnaie entdeckt, es aufklappt, und darin ist ein Foto seines Sohnes, von ihm, Robert zu sehen – dann schwingt bei alledem mit, dass der Großvater über Gefühle, über verbale Anerkennung nicht sprechen konnte. So erfährt Robert spät, selbst Vater dreier Kinder, dass er als Kind doch geliebt wurde. Vieles ist eine Frage des Könnens, des Blicks, der Wahrnehmung. Auch davon erzählt diese unterhaltsame und nachdenklich stimmende Familien-Tragikomödie. In Frankreich gab es drei Césars dafür (Déborah François als Beste Nachwuchsdarstellerin; Marc-André Grondin als Bester Nachwuchsdarsteller; Sophie Reine für den Besten Schnitt). Zu Recht wohl.

Thilo Wydra

 

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