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Ausgabe 119-3/2009

HANNAH MONTANA – DER FILM

HANNAH MONTANA – THE MOVIE

Produktion: Walt Disney Pic. / It's a Laugh Prod. / Millar Gough Ink; USA 2009 – Regie: Peter Chelsom – Drehbuch: Dan Berendsen, nach Charakteren von Michael Poryes, Richard Correll, Barry O'Brien – Kamera: David Hennings – Schnitt:Virginia Katz – Musik: John Debney – Darsteller: Miley Cyrus (Hannah Montana/Miley Stewart), Billy Ray Cyrus (Robby Roy Stewart), Emily Osment (Lilly Truscott) u. a. – Länge: 102 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: Walt Disney – Alterseignung: ab 10 J.

Die junge Miley Stewart führt ein Doppelleben. Tagsüber besucht sie ganz normal eine Highschool im kalifornischen Malibu, abends rockt sie als Popstar Hannah Montana in schicken Klamotten und mit blonder Perücke auf Konzertbühnen. Nur wenige Leute kennen ihr Geheimnis. Doch der schnelle Ruhm steigt Miley zu Kopf. Als ihre beste Freundin Lilly ihren 16. Geburtstag feiert, taucht sie dort plötzlich im Hannah-Outfit auf und stiehlt Lilly die Show. Die wütende Freundin gibt dem hartnäckigen Paparazzo Oswald, der Hannahs Geheimnis lüften möchte, den Tipp, nach Crowley Corners in Tennessee zu reisen – in Mileys beschauliche Heimatstadt. Genau dorthin verfrachtet Robby seine Tochter, um ihr ein paar Lektionen fürs Leben zu erteilen. Zuerst findet Miley das ländliche Ambiente zum Gähnen, doch dann begegnet sie ihrem einstigen Schulkameraden Travis (Lucas Till), der zum stattlichen Cowboy herangewachsen ist und prompt ihr durchgegangenes Pferd einfängt. Doch schon bald ist ihr Alter Ego gefragt, denn Mileys bodenständige Großmutter will den Bau eines hässlichen Einkaufszentrums verhindern. Der arglose Travis schlägt vor, dass Hannah ein Benefizkonzert geben könnte, um die schöne Wiese zu kaufen, auf der die Shopping Mall entstehen soll. Als sich Miley in ihren vielen Ausreden zu sehr in ihren Ausreden verheddert, muss sie endlich Farbe bekennen.

Angesichts des kometenhaften Aufstiegs muss man Miley Cyrus schon ein Phänomen nennen. Nachdem die inzwischen 16-jährige Schauspielerin und Sängerin als Star der gleichnamigen Emmy-nominierten Disney-Serie "Hannah Montana“ einen imposanten TV-Erfolg hatte, ihre Alben die Hitparaden stürmten und ein 3D-Konzertfilm die Fans begeisterte, ist sie zu einem veritablen Zugpferd des Disney-Studios avanciert. Unter der Regie des britischen Regisseurs Peter Chelsom erreicht die Verquickung von echtem und fiktionalen Privatleben sowie echter und fiktionaler Starexistenz eine neue Stufe. Denn die Filmbiografie der Miley Stewart stimmt in zentralen Punkten mit der Biografie von Miley Cyrus, die am 23. November 1992 in Nashville/Tennessee geboren wurde und über ein Casting mit 13 Jahren die TV-Rolle ergatterte, überein. Und der erfolgreiche Country-Sänger-Star Billy Ray Cyrus ist nicht nur im Film, sondern auch im echten Leben ihr Vater.

Die biografisch motivierte Heimkehr nach Tennessee ermöglichte den Filmemachern zugleich, sich optisch vom Kulissen-Look der TV-Sitcom abzugrenzen und durch Aufnahmen an Originalschauplätzen wie Nashville, Malibu und Beverly Hills für kinotaugliche Schauwerte zu sorgen. Die überschaubar konstruierte Story gibt der Heldin neben albernen Verwechslungseskapaden genügend Gelegenheit, 13 neue Songs und Musiknummern zu performen, meist schwungvolle als Hannah, aber auch einige ruhigere als Miley. Die junge Musikerin hat zwar in ihrer kurzen Karriere seit 2006 weltweit schon zwölf Millionen Alben verkauft, doch der jüngste Soundtrack soll ja auch ein Hit werden. Insgesamt liefert der Komödienspezialist Peter Chelsom ("Darf ich bitten?") einen harmlos-unterhaltsamen Mix aus flotter Musik, flachen Gags, erster Liebe und traditionellen Familienwerten ab, der den Wunschträumen weiblicher "Pre-Teens" von Erfolg und Glamour, sanfter Romantik und heiler Welt entgegenkommt. In puncto Identifikation spielt die familiäre Geborgenheit mit verlässlicher, fördernder Vaterfigur und grundsolider Großmutter eine zentrale Rolle. Allerdings muss man bei der dünnen und teils recht stereotypenlastigen Story mehrmals gnädig über unwahrscheinliche Fügungen des Schicksals hinwegsehen und sich auch immer wieder wundern, wie problemlos das Girlie es angeblich schafft, sein Doppelleben zu verheimlichen. Die charmante Hauptdarstellerin bietet als märchenhaft überhöhte Phantasiefigur viel Identifikationspotenzial. Einen ausgeprägten Realitätsbezug wie eine kritische oder gar rebellische Hinterfragung konformistischer Rollenmodelle sucht man jedoch vergebens. Die angepeilte Zielgruppe zwischen neun und 14 Jahren kann sich jedenfalls schon jetzt auf einen Fortsetzungsfilm, der in der Story bereits angelegt ist, und auf die vierte Staffel der TV-Serie einstellen, die Disney Channels ab Anfang 2010 drehen wird.

Reinhard Kleber

 

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