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Ausgabe 119-3/2009

I KNOW YOU KNOW

Produktion: Parallax East / The Post Republic; Großbritannien / Deutschland 2008 – Regie und Buch: Justin Kerrigan – Kamera: Ed Wild – Schnitt: Stuart Gazzard – Musik: Josh Blairat Sphere – Darsteller: Robert Carlyle (Charlie), Arron Fuller (Jamie), David Bradley (Mr Fisher), Valerie Lilley (Lilly), Karl Johnson (Ernie) u. a. – Länge: 81 Min. – Farbe – Weltvertrieb: The Little Film Company, USA – Studio City, CA 91604, e-mail: info@thelittlefilmcompany.com – Altersempfehlung: ab 14 J.

"Lasst sie Männer sein" überschreiben Klaus Hurrelmann und Gudrun Quenzel einen Artikel (Die Zeit, 23.10.2008), worin sie darauf hinweisen, dass sich parallel dazu, wie in den letzten Jahrzehnten die Benachteiligung von Mädchen mehr und mehr unakzeptabel wurde, die Benachteiligung junger Männer zugenommen habe. Inzwischen gäbe es bei ihnen ein deutliches Orientierungsproblem. Doch auch sie hätten ein Anrecht darauf, Geschlechtergerechtigkeit zu erfahren. Männlichen Heranwachsenden fehle es aber im gesellschaftlichen Erziehungs- und Bildungskontext an Leitbildern, so die Autoren.

Doch auch in häuslicher Umgebung ist es oftmals so, dass kleine Jungen aus unterschiedlichen Gründen eine vorbildgebende Vaterfigur vermissen müssen. So geht es auch dem elf Jahre alten Jamie in einer kleinen Stadt in Süd-Wales Ende der 80er-Jahre. Von daher ist er begeistert und glücklich, als sein Vater Charlie auftaucht und ihn zum Verbündeten großartiger Pläne macht. Er verspricht Jamie ein Leben außerhalb der bisherigen kleinstädtischen Tristesse. Bevor es aber soweit sein wird, müsse Charlie noch als Geheimagent ihrer Majestät einen wichtigen Auftrag erfüllen. Eine mysteriöse Organisation namens "Astrosat" drohe damit, die Kontrolle über die Gedanken der Menschen übernehmen zu wollen. Justin Kerrigan, der den Film seinem verstorbenen Vater gewidmet hat, verzichtet darauf, etwas über die Vorgeschichte von Vater und Sohn zu erzählen. Es wird auch nicht darüber gesprochen, wo die Mutter abgeblieben ist. Die Handlung konzentriert sich ganz allein auf den Moment, wo ein Junge seinen Vater als Vorbild und Freund entdeckt. Darauf, wie er alle Hoffnung in den Mann setzt und wie er schließlich mit einer bitteren Enttäuschung klar kommen muss. Robert Carlyle, auch hierzulande gut bekannt seit seiner Rolle als psychopathischer Alkoholiker Francis Begbie in "Trainspotting" (1996) von Danny Boyle, ist in seiner Vaterrolle ebenso überzeugend wie der wunderbare Arron Fuller, der als Sohn ein ebenbürtiges Pendant zu dem gestandenen britischen Filmstar abgibt.

Charlie wittert mehr und mehr hinter jedem, dem er begegnet, einen Verbündeten der finsteren Mächte, die es zu bekämpfen gilt. Jamie erhält von ihm Aufträge, die der mit größter Gewissenhaftigkeit erfüllen möchte. Doch dabei ergeben sich zunehmend Widersprüche, die der Junge sich nicht erklären kann. Verbergen sich hinter den Monteuren eines Anbieters für Satellitenfernsehen wirklich gefährliche Agenten, wie der Vater es behauptet? Treiben Ernie und Lilly, bei denen sich der Junge immer wohl gefühlt hat, tatsächlich ein bedrohliches Doppelspiel im Auftrag der geheimnisvollen Organisation? Doch der Vater erscheint so überzeugend und wenn er mit ihm zusammen ist, dann spürt er, dass er groß, stark und selbstbewusst sein kann. All diese Eigenschaften wird er bald noch mehr brauchen. Allerdings anders, als er bisher gedacht hatte.

Jamie entdeckt, dass die Aufgaben, von denen Charlie so eindrücklich gesprochen hatte, allein aus dessen Phantasie entsprungen sind. Der geliebte Vater unterliegt einem paranoiden Verfolgungswahn, dem er zudem durch übermäßigen Alkoholgenuss zu entkommen sucht. Jamie, der eine Stütze gesucht hatte, muss begreifen, dass er selbst so etwas wie der letzte Rettungsanker für den verzweifelten Mann gewesen war. In einer höchst emotionalen Szene müssen sich schließlich beide trennen. Jamie ist traurig. Doch das Erlebnis hat ihm auch Kraft gegeben. Allerdings muss er nun allein zurechtkommen. Insofern erzählt der Film gleichzeitig etwas von der wichtigen Rolle, die Väter haben, und er erzählt davon, dass sie diese vielfach nicht ausfüllen können.

Wie die Präsentation des Films in der Reihe "14plus" während der Berlinale 2009 zeigte, spüren jugendliche Zuschauer sehr wohl die Dimension der angesprochenen Konflikte, doch es fällt ihnen eher schwer, die komplexe Problematik, die zu deutlich aus der Sicht des reflektierenden Erwachsenen erzählt ist, auch tatsächlich zu entschlüsseln.

Klaus-Dieter Felsmann

 

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