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Ausgabe 119-3/2009

KLANG DER SEELE

Produktion: Chronos Film; Deutschland 2007- Regie und Buch: Marian Czura – Kamera und Schnitt: Gerry Brosius – Länge: 94 Min. – Farbe – FSK: o. A. –  Verleih: Film Kino Text (Bonn) – Altersempfehlung: ab 12 J.

Jakobine Eisenach, Michelle Löffler, Roman Czura und Christoph Bornheimer sind zwischen 14 und 19 Jahre alt und Mitglieder der Kompositionsklasse für Kinder und Jugendliche an der Darmstädter Akademie für Tonkunst. Ihnen versucht der niederländische Dozent und Komponist Cord Meijering, das Einmaleins der Kompositionskunst beizubringen. 15 Monate lang haben der polnischstämmige Regisseur Marian Czura und der Kameramann Gerry Brosius das Quartett und ihren Lehrer mit der Kamera bei Proben, Auftritten und Reisen begleitet. Entstanden ist so der Dokumentarfilm "Klang der Seele", der laut Meijering einfangen sollte, "wie die Klänge der Seele in den Konzertraum gebracht werden". Nachdem der Film im November 2007 in Darmstadt Premiere gefeiert hat, kommt er mit einiger Verspätung nun in die deutschen Kinos.

In Czuras zweitem langem Film (nach "Er tanzte das Leben", 2003, einem dokumentarischen Porträt des russisch-jüdischen Flamencotänzers und Widerstandskämpfers Sylvin Rubinstein), werden die Zuschauer und Zuhörer nicht nur Zeuge einer starken Leidenschaft zur Musik und der beschwerlichen Suche der jungen Künstler nach einem eigenen Stil; sie erleben auch, wie sich die jungen Talente in der ständigen professionellen Auseinandersetzung mit dem anspruchsvollen Mentor, der große Disziplin fordert und hohe Ansprüche stellt, weiterentwickeln. Die stärksten Momente gelingen dem Regisseur, Autor, Kameramann und Maler Marian Czura, der seit 1988 in Darmstadt lebt und zu den Mitbegründern der Frankfurt Filmwerkstatt gehört, wenn er den Intensivunterricht des Dozenten verfolgt, der sich als Sparringspartner seiner Schüler versteht. Hier darf man dabei sein, wenn sich die jungen Komponisten mit ihren Ideen der konstruktiven Kritik und einem kreativen Meinungsstreit aussetzen. Spürbar wird vor allem die Hingabe des Dozenten an die Musik. "Für mich gehört Kunstmachen zum Schönsten, was Menschen überhaupt machen können", sagt Meijering. "In einer Welt, die das immer weniger interessiert, scheint es mir wichtig, einen Platz zu schaffen, wo junge Menschen, die das spüren können und wollen und für die die Schönheit der Musik immer an Bedeutung zunimmt, gemeinsam diese Schönheit erleben können."

Als Ergänzung stellt Czura zwei Absolventen der Akademie vor, die schon erste Erfolge vorzuweisen haben. So Karola Obermüller, die an der berühmten Harvard University in Cambridge/USA studiert und schon etliche Preise gewonnen hat. Viel Neues tragen diese beiden Exkurse aber nicht bei, sie lenken vom zentralen Quartett eher ab. Beachtliche Qualität offenbaren einige der Stücke, die die jungen Musikschüler komponiert und mit professionellen Musikern einstudiert haben.

Mängel zeigt Czuras Arbeit, die auf Off-Kommentare verzichtet, in der Erzähltechnik. So werden den Zuschauern grundlegende Informationen vorenthalten: Wie lange dauert eine Ausbildung an der 1851 gegründeten Akademie? Was kann man dort noch studieren? Ist diese seit 15 Jahren bestehende Kinderkompositionsklasse einzigartig in Deutschland? Wie sind die vier Talente dorthin gekommen? Wollen sie den Beruf des Komponisten ergreifen oder doch vielleicht 'nur' Musiker werden? Erstaunlich schwach für einen Filmemacher, der schon bei etlichen Spielfilmen die Kamera geführt hat, fallen Bildgestaltung und Montage aus. Wenn Gesichter im Gegenlicht im Halbdunkel versacken oder weiße Notenblätter grell überstrahlt sind, hat man den Eindruck, eine hastige TV-Reportage statt einen professionell ausgeleuchteten Kinofilm zu sehen. Wenn Czura in manchen Szenen abrupt auf die zweite Kamera umschneidet, wirkt das oft genug einfach nur willkürlich. In anderen Sequenzen springt die Kamera leider zu früh aus einer spannenden Situation weg zu einer beiläufigen Impression. Und der Ausflug der Darmstädter Gruppe zu jungen Kollegen in der norwegischen Partnerstadt Trondheim kommt über oberflächliche Touristenbilder nicht hinaus. Um die vielversprechenden Ansätze zu einem überzeugenden Gesamtergebnis zu führen, wäre ein stringenteres Konzept nötig gewesen.

Reinhard Kleber

 

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