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Ausgabe 119-3/2009

DIE STIMME DES ADLERS

DIE STIMME DES ADLERS

Produktion: Stromberg Productions / Eden Film / FBB Filmbetriebe Berlin Brandenburg; Deutschland / Schweden 2009 – Regie: René Bo Hansen – Buch: Stefan Karlsson, nach einer Idee von René Bo Hansen und Staffan Julén – Kamera: Dixie Schmiedle – Schnitt: Jana Musik, Andre Alves – Musik: Sebastian Pille, Steffen Kaltschmid – Darsteller: Bazarbai Matyei (Bazarbai), Serikbai Khulan (Inaara), Mardan Matyei (Vater), Asilbel Badelkhan (Khan) – Länge: 87 Min. – Farbe – FSK: o. A.- FBW: besonders wertvoll – Verleih: Movienet – Altersempfehlung: ab 10 J.

In der weiten Steppe der Mongolei träumt Barzabai von einem anderen Leben. Zusammen mit seinem großen Bruder Khan möchte er die Welt kennen lernen, in die Stadt ziehen, zur Schule gehen. Sein Nomadendasein mit Schafen, Pferden und Kamelen erscheint ihm öde und unattraktiv. Interessanter sind technische Geräte wie die Satellitenschüssel und das Radio. Sein Vater, ein erfahrener Adlerjäger sähe gern, wenn Barzabai in seine Fußstapfen träte, aber Barzabai hasst den Adler von Herzen, denn der hört nicht auf ihn und beachtet ihn nicht.

Der Traum des 15-Jährigen zerplatzt wie eine Seifenblase, als sein Bruder Khan allein in die Stadt geht, um dort für die Familie Geld zu verdienen. Barzabai kann die Enttäuschung nicht verwinden. Als sein Vater ihm auf dem Weg zum Festival der Adlerjäger einen Brief und ein Foto von Khan aus der Stadt zeigt, beschließt er, ihm dorthin zu folgen. Doch die schwierige Wanderung durch die winterliche Steppe und über die verschneiten Berge birgt Gefahren und abenteuerliche Begegnungen. Barzabais Vater, der genau weiß, was in seinem Sohn vor sich geht, schickt ihm den Adler als Wächter nach. Mit der Hilfe des Mädchens Inaara und dem Vogel an seiner Seite gelangt Barzabai schließlich in die Stadt. Doch dort muss er feststellen, dass sein Bruder in seinem Brief nicht die Wahrheit geschrieben hat.

"Die Stimme des Adlers" erzählt die abenteuerliche Geschichte von einem der auszog, um das Leben zu lernen. Der Film beginnt als klassischer Vater-Sohn-Konflikt, bei dem zwei Dickköpfe aufeinander prallen. Die wunderbaren und majestätischen Landschafts- und Tieraufnahmen kontrastieren mit Bildern, in denen er in der Steppe mit unsichtbaren Feinden kämpft, unruhig träumt, vergeblich den Adler ruft oder vor dem Radioapparat tanzt. Barzabai ist, wie alle in seinem Alter, voll überschüssiger Kraft und Energie. Ihm fehlen Geduld und Beharrlichkeit, dafür mangelt es nicht an Fantasie oder Mut. Seine Hoffnung hat er darauf gesetzt, gemeinsam mit seinem Bruder die Steppe zu verlassen, seine Sehnsucht gilt der Stadt mit ihren vielfältigen Möglichkeiten und modernen Errungenschaften. Als ihn die Wirklichkeit einholt und er erfahren muss, dass sein Bruder ohne ihn in die Stadt gehen wird, verkriecht sich Barzabai in Trotz und Zorn.

Die Zeit seines ganz persönlichen Aufbruchs rückt unaufhaltsam näher. Bereits beim gemeinsamen Ritt von Vater und Sohn zum Festival wird deutlich, dass Unbekanntes, teilweise Bedrohliches auf den Jungen zukommt. Unbedacht verliert er den Adler des Vaters, beim Versuch, ihn wieder einzufangen, verliert er auch sein Pferd, schließlich setzen ihm die Wölfe nach und treiben ihn in eine Höhle, wo er die Nacht allein verbringt. An dieser Stelle hat bereits das Märchen begonnen, das Abenteuer, in dessen Verlauf Barzabai lernen muss, gute und böse Menschen zu unterscheiden, auf sich selbst ebenso wie auf die Hilfe anderer zu vertrauen und schließlich den Adler als Freund anzuerkennen, dem auch er seine Freundschaft und Unterstützung schuldet. Barzabais Zorn wandelt sich auf seiner langen Reise allmählich in Achtsamkeit und Respekt, aus seinem Mut wird gezielte Handlung und diese führt ihn schließlich an das eigentliche Ziel des Weges: die Aufdeckung schonungsvoller Lügen, die Wiederbegegnung mit seinem Bruder und die Entdeckung der wahren eigenen Kraft.

Während Dramaturgie, Musik und Handlungsebenen eher an Märchenfilme erinnern, entspricht die Inszenierung der Charaktere der psychologischen Darstellung des Vater-Sohn-Konflikts. Die Fremdheit des Nomadenlebens wird mit den universellen Träumen Jugendlicher verbunden und erzeugt beim Zuschauer dadurch auch ein starkes Gefühl der Vertrautheit und Nähe zu Barzabai. Dieser Spagat gelingt nicht immer – manche Passagen, insbesondere das Ende des Filmes, wirken zu konstruiert, die Nebenfiguren bleiben eindimensional und blass. Aber die Hauptfiguren und ihre reale Nähe zu der Welt, die sie im Film verkörpern, entschädigen dafür.

Rotraut Greune

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DIE STIMME DES ADLERS im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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