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Ausgabe 120-4/2009

BEIM LEBEN MEINER SCHWESTER

MY SISTER'S KEEPER

Produktion: New Line / Gran Via Prod. / Curmudgeon Films / Mark Johnson Prod.; USA 2009 – Regie: Nick Cassavetes – Buch: Jeremy Leven, Nick Cassavetes, nach dem Roman "My Sister's Keeper" von Jodi Picoult – Kamera: Caleb Deschanel – Schnitt: Jim Flynn, Alan Heim – Musik: Aaron Zigman – Darsteller: Cameron Diaz (Sara Fitzgerald), Abigail Breslin (Anna Fitzgerald), Jason Patric (Brian Fitzgerald), Evan Ellingson (Jesse Fitzgerald), Sofia Vassilieva (Kate Fitzgerald), Joan Cusack (Richterin Di Salvo) u. a. – Länge: 109 Min. – Farbe – FSK: ab 12 – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Warner Bros. – Altersempfehlung: ab 14 J.

Das unbeschwerte Leben der Anwältin Sara Fitzgerald und ihres Gatten Brian, eines Feuerwehrmanns, nimmt eine tragische Wendung, als sie erfahren, dass ihre zweijährige Tochter Kate an Leukämie erkrankt ist. Um Kates Leben zu retten, zeugen sie mit ärztlicher Hilfe ein weiteres Kind, dessen genetische Anlagen so beschaffen sind, dass es als 'Ersatzteillager' für Kate dienen kann. Über Jahre hinweg muss Anna immer wieder im Krankenhaus medizinische Eingriffe erdulden, spendet Blut, Knochenmark und Stammzellen, um Kate zu helfen. Die Familie hält tapfer zusammen, auch wenn sich der ältere Sohn Jesse oft vernachlässigt fühlt. Um stets für Kate da zu sein, gibt Sara sogar ihre Anwaltsstelle auf. Als bei der 14-jährigen Kate die Nieren versagen, sagt die inzwischen elfjährige Anna plötzlich nein. Sie will keine Niere hergeben und möchte künftig selbst über ihren Körper bestimmen. Um diese "medizinische Emanzipation" durchzusetzen, engagiert sie sogar einen Anwalt, der ihren Fall vor Gericht bringt. Annas Entscheidung spaltet die Familie: Während die Mutter den scheinbaren Egoismus Annas nicht versteht und weiter rigoros um Kates Leben kämpft, versucht der aufrechte Vater Jesse zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln.

Drei Romane der amerikanischen Bestsellerautorin Jodi Picoult hat der US-Kabelsender Lifetime bereits verfilmt. Mit "Beim Leben meiner Schwester" (2004) adaptierte das US-Filmstudio New Line nun erstmals ein Picoult-Buch für die Leinwand. Von Anfang bis Ende wirft die Romanverfilmung durch Nick Cassavetes, der das Drehbuch wie schon bei seinem bisher größten Kinoerfolg, dem Alzheimer-Familiendrama "Wie ein einziger Tag", mit dem studierten Kinderpsychologen Jeremy Leven schrieb, schwerwiegende Fragen auf: Ab welchem Lebensalter und Reifegrad lässt sich die kindliche Selbstbestimmung legitimieren? Wo beginnt die Fürsorgepflicht des Staates? Wie lange kann man einem Schwerstkranken schmerzhafte Behandlungen zumuten, die den Tod doch nur verzögern? Wie lässt sich das Sterben in Würde eigenverantwortlich gestalten?

Um einen solch heiklen Stoff vor der Sentimentalitätsfalle zu bewahren, braucht es vorzügliche Schauspieler. Hier hat Cassavetes eine gute Wahl getroffen. Es ist nicht nur Cameron Diaz, die sonst eher auf sonnige Blondinen in leichten Komödien abonniert ist, auch die zwölfjährige Abigail Breslin, die für ihren Auftritt als Möchtegern-Schönheitskönigin in "Little Miss Sunshine" eine Oscar-Nominierung erhielt, bestätigt mit einer soliden Leistung ihren Ruf, zu den größten Nachwuchstalenten Hollywoods zu gehören. Den stärksten Eindruck hinterlässt jedoch die Newcomerin Sofia Vassilieva in der schwierigen Rolle der kahlköpfigen Kate, die zwischen tiefer Verzweiflung und überschäumender Lebenslust schwankt und am Ende ihrer Familie und den Zuschauern mit einer reifen Entscheidung viel Stoff zum Nachdenken gibt. Im Bemühen um eine möglichst werkgetreue Adaption schlagen Cassavetes und Leven jedoch einen problematischen Weg ein: Sie versuchen, die Vielstimmigkeit des Romans durch ein verschachteltes Puzzle aus mehreren Erzählsträngen, Rückblenden und Off-Kommentaren der wichtigen Figuren abzubilden, die so ihre Motive und Sichtweisen darlegen können. Dieses komplizierte Gebilde lenkt jedoch mehr ab, als dass es dem Drama hilft.
Vor allem im ersten Drittel verstärkt es zudem den Verdacht einer forcierten Künstlichkeit mit manipulativem Unterton. Während der Mittelteil einige Längen samt einer reichlich rührseligen Love Story aufweist und uns zum Beispiel den dramaturgisch nützlichen "Zufall" zumutet, dass die zuständige Richterin selbst vor kurzem ein Kind verloren hat, findet das Schlussdrittel zu einer überzeugenden Auflösung der Konflikte. Auf den überflüssigen, weil allzu harmoniebedachten Epilog hätten die Filmemacher besser verzichtet.

Reinhard Kleber

 

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