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Ausgabe 120-4/2009

GANGS

Produktion: SamFilm; Deutschland 2008 – Regie: Rainer Matsutani – Buch: Peer Klehmet, Sebastian Wehlings – Kamera: Clemens Messow  – Schnitt: Marco Pav D'Auria – Musik: Wolfram de Marco – Darsteller: Jimi Blue Ochsenknecht (Flo), Emilia Schüle (Sofie), Wilson Gonzalez Ochsenknecht (Chris), Michael Kesero?lu (Rambo), Kai-Michael Müller (Nuri), Jannis Niewöhner (Jan), Rico (Christian Blümel) u. a. – Länge: 90 Min. – Farbe – FBW: wertvoll – FSK: ab 12 – Verleih: Walt Disney – Altersempfehlung: ab 12 J.

In seinem dritten Kinofilm versucht der Regisseur Rainer Matsutani ein altes Genre wiederzubeleben, das vor allem in den USA der siebziger und achtziger Jahre einen Boom erlebte, aber mit "Die Halbstarken" (1956) von Georg Tressler auch einen sehenswerten frühen deutschen Vertreter hat. Mit berühmten Genreklassikern wie "West Side Story" von Robert Wise und Jerome Robbins oder Francis Ford Coppolas "Die Outsider" kann Matsutanis stereotypes, schwer auf Style getrimmtes Jugenddrama "Gangs", das unübersehbar auf Jungstars wie Jimi Blue und Wilson Gonzalez Ochsenknecht sowie Emilia Schüle ("Freche Mädchen") setzt, aber nicht mithalten.

Die Berliner Gang der Rox hat ihr Hauptquartier in einer alten Lagerhalle aufgeschlagen. Der smarte Flo (Jimi Blue Ochsenknecht) und seine ebenfalls schwarze Lederjacken tragenden Kameraden holen Flos älteren Bruder Chris (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) vom Gefängnis ab. Dort hat Chris eine Haftstrafe wegen Drogentransports abgesessen. Die Brüder, die aus zerrütteten Familienverhältnissen stammen, haben sich versprochen, immer füreinander da zu sein. Diese Solidarität gerät jedoch in Gefahr, als Flo die hübsche und gebildete Ballettschülerin Sofie (Emilia Schüle) kennenlernt, die in der großen Villa ihrer wohlhabenden Mutter lebt. Beide sind sofort voneinander fasziniert und stürzen sich in einen heißen Flirt. Doch dann stellt sich heraus, dass Chris innerhalb einer Woche 30.000 Euro Schulden an den brutalen Bandenführer Rico zurückzahlen muss. Um das Geld zu beschaffen, verüben die Rox einen Überfall auf einen Geldtransporter. Das erbeutete Geld ist jedoch durch eine Farbpatrone unbrauchbar. In seiner Not stellt Chris Flo vor eine schwere Entscheidung, die dessen frische Liebe zu Sofie zerstören könnte. Denn Flo soll bei einem Date mit Sofie in der Villa ihrer Mutter einige wertvolle Schmuckstücke mitgehen lassen, um diese zu Geld zu machen und damit die Schulden abzubezahlen.

Vor drei Jahren zeichnete Detlev Buck in "Knallhart" ein schmerzhaftes realistisches Porträt krimineller Banden in Berliner Problembezirken. Mit "Gangs" liefert Rainer Matsutani nun das Gegenstück dazu: weichgespültes Popcorn-Kino mit coolen Typen und einer romantischen Herz-Schmerz- Liebesgeschichte. Dabei sollen die beiden Ochsenknecht-Brüder Jimi Blue und Wilson Gonzalez als Teenie-Stars vor allem die angepeilte Mädchen Zielgruppe ansprechen. Die Ochsenknecht-Brüder sind vor allem durch die höchst erfolgreiche Kinder- und Jugendfilmserie "Die Wilden Kerle" bekannt geworden, die die Münchner Firma SamFilm produziert hat, die nun auch "Gangs" auf den Weg gebracht hat.

Angesiedelt ist die Story mit attraktiven Bandenjungs in Pseudo-Rocker-Kluft in einem Hauptstadtmilieu, dessen hitzige Atmosphäre mit Action und rockiger Musik verstärkt wird. Dazu passt die plakative Farbdramaturgie, die laut Matsutani vor allem "das flirrende, irre Lebensgefühl unserer Teenager" auf die Bildwand bringen soll. Dabei legt der Regisseur, der zuletzt mit TV-Event-Movies wie "Das Inferno – Flammen über Berlin" und "Das Papst-Attentat" hervorgetreten ist, vor allem Wert auf Style und Coolness, nicht jedoch auf eine realistische Milieuzeichnung. Mit wirklichen Bandenkriegen hat Matsutanis harmlose, hochstilisierte Gang-Darstellung, in der die Bösewichte weiße Designerklamotten tragen und echte Waffen praktisch nicht vorkommen, wenig zu tun. So erfahren die Zuschauer zum Beispiel nie, womit die Rox-Bande ihren Faulenzer-Lebensstil mit Straßenkreuzer und teuren Motorrädern finanziert. Dazu kommen Schlampereien bei Drehbuch und Regie: Wie kommt es etwa zu der rasanten Verbrüderung der Rox mit der vorher so feindlich gesinnten Asiaten-Gang? Und wie doof muss eine Bande von fünf auffälligen Jungs mit Lederjacken sein, die im Cabrio einem Geldtransporter hinterherfahren, um dessen Route zu erkunden? Auch die eingebaute Liebesgeschichte bietet keinen Ausgleich für die Plattitüden der Inszenierung: Zu eindimensional sind die Figuren gezeichnet, zu vorhersehbar steuert sie trotz der durchschaubaren Komplikationen auf ein Happy End zu.

Reinhard Kleber

 

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KJK-Ausgabe 120/2009

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