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Ausgabe 120-4/2009

DIE MAGIE DES WASSERS

THE STRENGTH OF WATER

Produktion: Filmwork Ltd. / Pandora Filmproduktion; Neuseeland / Deutschland 2008 – Regie: Armagan Ballentyne – Buch: Briar Grace-Smith – Kamera: Bogumil Godfrejow – Schnitt: Elizabeth Kling – Musik: Peter Golub, Warren Maxwell – Darsteller: Hato Paparoa (Kimi), Melanie Mayall-Nahi (Melody), Jim Moriarty (Gibby), Nancy Brunning (Joy), Isaac Barber (Tai), Pare Paseka (Tirea) u. a.- Länge: 86 Min. – Farbe – Weltvertrieb: New Zealand Film Commission, Wellington, Tel. +64 4 3827680, e-mail: info@nzfilm.co.nz. – Altersempfehlung: ab 12 J.

Nach dem unglücklichen Tod seiner Zwillingsschwester Melody muss der zehnjährige Kimi allein klar kommen. Das ist für ihn besonders schwer, da die reifere Melody den ängstlichen Bruder immer beschützt hat. Das tut sie auch nach ihrem Tod noch, in der Zeit, als sie – wie sie Kimi erklärt – nur noch Gefühle, aber keine Knochen mehr hat. Doch nur Kimi kann die Schwester sehen, worüber sich alle, insbesondere seine Eltern, große Sorgen machen. Zumal der Junge, der ihren Tod nicht wahrhaben will, sich mit einer Reihe von Kurzschluss-Aktionen zunehmend aggressiv gegen den Verlust seiner Schwester zur Wehr setzt. Erst recht, als er feststellen muss, dass Melody sich nur ausgedacht hat, dass die am besten genährten Hühner nicht geschlachtet würden, sondern ins Paradies kämen. Weshalb die Zwillinge immer eines auf dem Arm mitnahmen, wenn sie am Meer entlang spaziert sind, es mit Regenwürmern gefüttert und mit einem roten Band kenntlich gemacht haben. Nachdem Kimi eines Morgens vergeblich nach dem Huhn mit dem roten Band gesucht und dabei fast alle Hühner aus den Käfigen herausgeholt hat, wagt er sich zu dem furchterregenden Mann, der die Hühner immer mit seinem großen Wagen von ihrer Farm holt, und entdeckt die schmerzliche Wahrheit.

Für eine gewisse Zeit gerät das Leben der Familie Kaneha nach dem Tod der geliebten Tochter aus dem Gleichgewicht, wobei jeder von ihnen anders darauf reagiert. Bis Kimi schließlich akzeptiert, dass Melody sich in das magische Land ihrer Vorväter, nach Waikiki, aufmachen muss, ist es ein langer Weg. Geschafft hat er ihn, als er den geheimnisvollen Tai fragen kann, wie Melody gestorben ist, was sie genau gesagt und ob sie sehr gelitten hat. Der junge Mann, um dessen Gunst sich die Zwillinge zuvor gestritten haben, ist offensichtlich gescheitert aus der Stadt in das Tal zurückgekehrt, in dem das arg verfallene Haus seines verstorbenen Großvaters liegt. Ohne dass Tais Vorgeschichte weiter ausgeführt wird, wollten die maorische Drehbuchautorin Briar Grace-Smith und die australische Regisseurin Armagan Ballentyne mit ihm "einen Menschen zeigen, der sich auf halber Strecke befindet, da, wo Dinge schief laufen, obwohl er selbst keine Schuld daran hat. Dem man aber zu gern etwas anhängt, weil es schwer fällt, ihm zu vertrauen". Er wie auch die elternlos bei der Großmutter aufwachsende Tirea brauchen viel Mut, um mit der Ausgrenzung und ihren ganz persönlichen Problemen klar zu kommen und letzten Endes zu bleiben, auch: zusammenzubleiben. Für Kimi ist die charismatische Tirea mit ihren roten Locken und ihrem weißen Teint eine fast unwirkliche Erscheinung, eine Fee, der er auf der Suche nach Hilfe eines Nachts die Locken abschneidet, bis Melody ihm sagt, dass man das Menschen, die man liebt, nicht antut.

"Die Magie des Wassers" handelt vom Tod, von der schwierigen Zeit des Erwachsenwerdens, von Verlusten, wie man sie überwinden und dadurch gestärkt werden kann – mit anderen Worten: Dieser berührende Film erzählt ohne jegliche Sentimentalität, aufrichtig und fesselnd vom Leben, zu dem der Tod einfach dazu gehört. Wobei Leben hier symbolisiert wird durch das Wasser, dem nach dem Glauben der Maori eine heilende Kraft innewohnt. Dem entspricht Melodys Lieblingslied, das Kimi so langweilig findet: Darin wird der Regen besungen, vor dem sich jeder versteckt, bis der Himmel dann wieder klar ist und Mensch und Tier wieder zum Vorschein kommen. Auch dieses Lied ist eine Metapher für das Leben, in dem es Kummer und Leid, aber eben auch Hoffnung gibt. Mit schönen, ruhigen Bildern (aufgenommen vom polnischen Kameramann Bogumil Godfrejow, der 2002 mit seinem Kurzfilm "A Man Thing" für den Oscar nominiert wurde) schildert der Film eine vielschichtige Tragödie, die – zwar unter Maori angesiedelt – von Menschen auf der ganzen Welt nachzuempfinden ist. Er entstand in nicht weniger als sieben Jahren enger Zusammenarbeit zwischen der bekannten maorischen Theaterschriftstellerin Briar Grace-Smith und der ebenfalls mit einigen Preisen ausgezeichneten australischen Regisseurin Armagan Ballentyne (u. a. im „Sundance Directors und Screenwriters Lab“ in  Utah und im Binger Institut in Amsterdam). Es ist der erste Spielfilm der beiden und wurde innerhalb von acht Wochen in einer Maori-Ansiedlung im Norden Neuseelands gedreht.

Neben den eindrucksvollen, selbst aus der nördlichen Hokianga Region stammenden und miteinander verwandten Kindern Hato Paparoa und Melanie Mayall-Nahil als Kimi und Melody bleiben einem vor allem Nancy Brunning als Mutter und die jungen Leute Pare Paseka und Isaac Barber als Tirea und Tai in Erinnerung. Eine nicht weniger entscheidende Rolle für die emotionale Wirkung des Films aber, der mit sparsamem Dialog, unaufdringlichen Gesten und Blicken eine unglaubliche Tiefenwirkung entfaltet, spielt Neuseelands atemberaubend schöne Gebirgs- und Meereslandschaft im Norden, die die jeweiligen Stimmungen und Gefühle wundersam spiegelt und so eine ganz eigene spirituelle Atmosphäre herstellt. Den einprägsamen Bildern – zum Beispiel vom Unglücksort mit den abgestorbenen, silberweißen Bäumen, die hinter dem Hof mit den Autowracks stehen, den matschigen Wegen, dem mal ruhigen, dann wieder aufschäumendem oder fröhlich dahin fließenden Wasser, der Weite, dem Blau, Grau und Grün – wird viel Zeit eingeräumt. Zeit, die dem Zuschauer Gelegenheit gibt, das Geschehen nicht nur mit dem Verstand, sondern auch gefühlsmäßig nachzuvollziehen.

Uta Beth

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 120-4/2009 - Interview - "Die Landschaft legt ihre Arme um die Personen."

 

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