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Ausgabe 120-4/2009

MANJADIKURU

LUCKY RED SEEDS

Produktion: National Film Development Corporation / Mirchi Movies Limited / Little Films; Indien 2008 – Regie und Buch: Anjali Menon – Kamera: Pietro Zuercher – Schnitt: B. Lenin – Musik: Ramesh Narayan – Darsteller: Sidharth, Vyjayanthi, Rijosh, Arathi Sasikumar, Prithviraj, Thilakan, Murali, Rahman, Jagathy Sreekumar, Sagar Shiyaz, Harisanth, Kaviyoor Ponamma, Urvashi, Bindu Panickar u. a. – Länge: 118 Min. – Farbe – Weltrechte: Little Films Mumbai, e-mail: am@littlefilmsindia.com – www.manjadikuru.com – Altersempfehlung: ab 10 J.

Die Handlung des Films spielt in den späten 70er-Jahren. Der Großvater des zehnjährigen Jungen Vicky ist gestorben. Aus aller Welt kommen Familienangehörige zu seiner Beerdigung nach Kerala; darunter auch Vicky mit seinen Eltern, die aus Dubai anreisen. Die Beerdigungsrituale erstrecken sich über 16 Tage. Im Haus der Großeltern, ein großes Anwesen auf dem Lande, treffen viele Menschen unterschiedlicher Mentalität, Klassen und Kasten aufeinander. Für den schüchternen Jungen ist es zunächst nicht leicht, sich in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden. Dann freundet er sich mit den Nachbarskindern, den Geschwistern Manikutty und Kannan, und mit der zwölfjährigen Roja an, die als Hausdienerin das 'Mädchen für alles' ist. Die vier Kinder treffen sich bei jeder Gelegenheit; sie spielen und verabreden sich zu manchen Streichen gegen die Erwachsenen. Obwohl Trauer angesagt ist, bedeutet es für die Kinder eine Zeit unbeschwerter Kindheit, da die Erwachsenen sehr stark miteinander beschäftigt sind. Es zeigt sich, dass quer durch die Familie Risse gehen, die Zwistigkeiten und Streit hervorrufen. Die Familie kennt viele Geheimnisse, über die zwar nicht gesprochen wird, die aber trotzdem gegenwärtig sind. Einer der Söhne, ein Onkel von Vicky, ist davon besonders betroffen und wird nur als Außenseiter geduldet. Offensichtlich hat das etwas mit seiner politischen Vergangenheit zu tun.

Vickys Mutter, eine arrogante, herrsch- und streitsüchtige Frau, sieht es nicht gerne, dass ihr Sohn mit den anderen Kindern zusammen ist. Ein besonderes Auge wirft sie auf Roja, die ihrer Meinung nach die häuslichen Pflichten vernachlässigt und zu viel Freizeit hat. Vicky aber genießt die Freundschaft mit den Gleichaltrigen, besonders fühlt er sich zu Roja hingezogen, die auf der Schwelle des Übergangs der Kindheit zum Erwachsensein steht. Einen Teil ihrer Erfahrungen vermittelt sie weiter. So zum Beispiel spielt sie mit toten Tieren die traditionellen Beerdigungsrituale der Erwachsenen nach. Sie arbeitet in dem Haus, weil sie das Geld für ihre Familie in Sivakasi, Tamil Nadu, braucht – ihre Heimat, zu der sie sich hingezogen fühlt und immer wieder davon spricht. Vicky, Manikutty und Kannan beschließen, das Geld für ihre Rückfahrt aufzutreiben und lassen sich einiges einfallen, um die Summe aufzubringen. Roja will es aber nicht annehmen, weil sie die Arbeit nicht verlieren möchte, obwohl sie unter den Bedingungen leidet und immer wieder als Sündenbock für alle möglichen Vorfälle herhalten muss. Einmal, als sie auf ein Baby aufpassen soll, zwingt Vickys Mutter Roja zu einer anderen Arbeit. Das Baby ist plötzlich verschwunden. Alle sind aufgebracht und erregt, beschuldigen Roja und schalten die Polizei ein. Der Vorfall klärt sich und beweist ihre Unschuld. Trotzdem ist es ein Anlass für Roja, das Haus heimlich zu verlassen. Mit Hilfe der Kinder erreicht sie den Bus und kann abhauen.

Nach Ablauf der 16 Tage wird das Testament geöffnet und verlesen. Vickys Mutter, die auf das Anwesen ihres Vaters als ihr Erbe spekulierte, geht leer ist. Auch andere in der Familie verlassen enttäuscht das Haus. Die Erwachsenen trennen sich; einige für immer. Doch die Freundschaft der Kinder hält ein Leben lang: zumindest in ihren Erinnerungen. An dem Tag, als Vickys Familie abreist, wird Roja von ihrem 'Besitzer' zurückgebracht. Für sie bedeutet dieser Moment das Ende ihrer Kindheit. Die Beerdigungsrituale haben das Leben aller Beteiligten verändert – auch das der Kinder.

Es ist die Stärke des Films, sich die Zeit für genaue und detaillierte Beobachtungen zu nehmen, die diesen Wechsel bedingen. Nicht alle in der Familie können mit dieser Wartezeit umgehen. Es offenbaren sich Existenz- und Beziehungsprobleme und die alten Fehden werden immer wieder neu ausgetragen. Aber neben diesen melodramatischen – und gelegentlich auch humorvollen – Effekten zeigt der in Kerala gedrehte Film sehr stimmungsvolle Landschaftsbilder. Die realitätsnah gehaltene Dramaturgie bezieht auch traumhafte, phantastische Elemente in das Geschehen mit ein, wobei die für einen indischen Film unverzichtbaren Musik- und Tanzsequenzen ihren Platz bekommen. Für deutsche Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren ist der Film mit seiner knapp zwei Stunden langen Laufzeit vielleicht etwas lang geraten; Erwachsene, die zwischen den Zeilen lesen bzw. sehen können, lernen hingegen sehr viel über die politischen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen in Indien. "Manjadikuru" ist daher auch ein Familienfilm im wahrsten Sinne des Wortes. Er hatte seine Weltpremiere im Dezember 2008 beim International Film Festival of Kerala und wurde seitdem mit vielen nationalen und internationalen Preisen und Auszeichnungen bedacht.

Anjali Menon, die Drehbuchautorin und Regisseurin des Films, wurde in Indien geboren und hat viele Jahre ihres Lebens außerhalb der großen Städte verbracht. Sie besuchte die London International Film School und drehte bislang Kurzfilme und Dokumentationen. "Manjadikuru" ist ihr Spielfilmdebüt. Für sie ist es ein Film über Familien, Natur und Kindheit: „Families & trees are the same everywhere.“

Horst Schäfer

 

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KJK-Ausgabe 120/2009

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