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Ausgabe 121-1/2010

WIE DURCH DUNKLES GLAS

I ET SPEIL I EN GÅTE

Produktion: 41/2 AS / Zentropa Entertainments og / Film Story; Norwegen 2008 – Regie und Buch: Jesper W. Nielsen, nach dem Roman "Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort" von Jostein Gaarder – Kamera: Philip Øgaard – Schnitt: Jesper W. Nielsen – Darsteller: Marie Haagenrud, Aksel Hennie, Trine Wiggen, Mads Ousdal, Liv Ullmann, Espen Skjønberg u. a. – Länge: 100 Min. – Farbe – Kontakt: Norsk Filminstitutt, Dronningensgt. 16, Boks 482 Sentrum, 0105 Oslo, Norway, e-mail: ks@nfo.no – Altersempfehlung: ab 14 J.

Die norwegische Produktion von Jesper W. Nielsen wurde im vergangenen Herbst im Juniorfilmwettbewerb des Internationalen Filmfestivals für Kinder und junges Publikum "Schlingel" präsentiert und im November unter dem Titel "Durch einen Spiegel" auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck. Nach dem Roman von Jostein Gaarder, "Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort", wird hier der schwierige Weg eines krebskranken Mädchens erzählt, das erfahren muss, wie sich plötzlich in Millisekunden das gesamte Leben verändert. Cecile ist 13 Jahre und 7 Monate alt. Im Sommer hat sie sich während ihres Spanienurlaubs das erste Mal verliebt. Ein paar Wochen später kommt sie ins Krankenhaus, die Diagnose: Leukämie. Zu Weihnachten darf Cecile nach Hause, für ein paar Tage. Während sie immer noch hofft, alles wird wieder gut, wissen die Ärzte und ihre Eltern bereits, dass es sich hier um einen sehr aggressiven, unheilbaren Krebs handelt. Cecile aber will, dass alles so wie früher ist: Der alte Weihnachtsstern soll an die Spitze des Tannenbaums gehängt werden, sie wünscht sich Slalom-Skier, obwohl sie die meiste Zeit im Bett verbringt, die Eltern, Großeltern und der kleine Bruder Lasse sollen fröhlich sein, Großvater weiterhin seine traditionelle Weihnachts-Zigarre rauchen und vor allem will sie nicht bemuttert werden. Mit ganzer Kraft versucht sie zu ignorieren, wie schlecht es ihr geht.

Am liebsten ist sie in ihren Tagträumen in Spanien, bei ihrem Liebsten, Sebastian. Sie träumt davon, wie sie sich kennen gelernt haben, wie sie von der Steilküste ins Meer gesprungen sind und wie sie zusammen einige spanische Worte gelernt hat. Am meisten aber denkt Cecile an die letzte Nacht am Meer. Beinahe hätte sie wegen ihrer eifersüchtigen Freundin Sebastian verpasst, doch dann kam er doch noch und beide sind zu ihrem Lieblingsplatz am Meer gegangen. Dort muss sie auch die wertvolle Perlenkette von der Großmutter verloren haben, doch Zeit, sie zu suchen, war nicht mehr. Nun sind Monate vergangen. Sebastian hat sich nicht mehr gemeldet, dass Cecile so krank ist, weiß er nicht.

In der Nacht nach der Bescherung hat Cecile eine Begegnung mit einem merkwürdigen glatzköpfigen jungen Mann in weißem Pullover und weißem Rock. Er behauptet, ein Engel zu sein und liefert auch gleich den Beweis: Mühelos fliegt Ariel – so sein Name – durch das Haus zum Weihnachtsbaum und berührt die silbern glitzernde Spitze. Von nun an kommt Ariel jede Nacht, denn er will etwas vom Leben auf der Erde erfahren und danach Cecile erzählen, wie es im Himmel ist. Cecile zeigt ihm, was Musik ist, lässt Ariel einen stinkenden Hering probieren, geht mit ihm nachts in den Schnee, erklärt ihm, wie es sich anfühlt, wenn man traurig ist, was es heißt zu schlafen und zu träumen. Irgendwann aber hat Cecile den Verdacht, dass Ariel gekommen ist, um sie zu holen. Wütend jagt sie ihn aus dem Haus und wütend verweigert sie am nächsten Morgen jegliche Medizin. Doch dann bricht sie zusammen. Im Krankenhaus erscheint wieder der glatzköpfige Engel. Allmählich lässt sich Cecile von Ariel erzählen, wie es im Himmel ist und wie ein Engel sich fühlt. Wieder zu Hause, ist Cecile so schwach, dass sie nicht mehr aufstehen kann. Da kommt endlich ein Brief von Sebastian. Darin befindet sich die Perlenkette, die Sebastian mühselig wieder aufgefädelt hat.

"Wie durch dunkles Glas" gehörte zu den bewegendsten Filmen beim Festival "Schlingel", wo er mit zwei Preisen ausgezeichnet wurde: dem Hauptpreis der internationalen Fachjury für den besten Juniorfilm und dem Juniorfilmpreis der jungen Juroren. Ohne ins Sentimentale oder gar Rührselige abzugleiten, schafft es Regisseur und Drehbuchautor Jesper W. Nielsen, sich auf beeindruckende Weise dem schwierigen Thema "Sterben" zu nähern. Cecile will leben und muss sich am Ende doch mit ihrem Schicksal versöhnen. Dabei helfen ihr die Gespräche und die phantastischen Erlebnisse mit dem Engel Ariel. Bei aller Trauer machen diese Begegnungen nicht nur der Hauptfigur Mut, sondern vor allem auch den Zuschauern. Sie werden in poetischen Bildern zum Nachdenken über das Danach angeregt. "Wie durch dunkles Glas" spendet Trost, gibt aber auch durch die drei Erzählebenen – das Erfahren der ersten Liebe im Sommer, die Realität zu Hause und im Krankenhaus sowie die Begegnungen mit Ariel – ein vielschichtiges Bild von der schwierigen Situation dieses jungen Mädchens, das eigentlich noch das Leben vor sich hat. Es ist berührend, wie intensiv Marie Haagenrud die Wut, Trauer, Angst, aber auch Fassungslosigkeit der schwerkranken Cecile spielt. Wunderbar und wie nicht von dieser Welt agiert dazu Aksel Hennie als Ariel.

Barbara Felsmann

 

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