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Ausgabe 122-2/2010

Ich möchte, dass die Menschen so miteinander umgehen wie in meinen Filmen

Gespräch mit Oliver Ziegenbalg, Drehbuchautor der Filme "13 Semester" und "Friendship"

(Interview zum Film 13 SEMESTER und zum Film FRIENDSHIP)

Oliver Ziegenbalg, 1971 in Böblingen geboren, studierte von 1991 bis 1998 Wirtschaftsmathematik an der TU Karlsruhe und parallel dazu an der Hochschule für Gestaltung den Studiengang Medienkunst, den er 1999 abschloss. Danach zog er nach Berlin und schreibt seitdem Drehbücher für bekannte Fernsehserien und fürs Kino, u. a. den Komödien-Kassenerfolg "1 ½ Ritter" (2008). Doch er kann auch anders, wie seine neuen Arbeiten zeigen: "13 Semester" und "Friendship", zwei scheinbar mit leichter Hand gedrehte Kinofilme übers Erwachsenwerden, denen eine humanistische Grundhaltung zu eigen ist.

KJK: Wo leben Sie, im Osten oder Westen Berlins?
Oliver Ziegenbalg: "Am Prenzlauer Berg, aber für mich ist das nie Osten gewesen, einfach Berlin-Mitte."

Warum spielt "13 Semester", ein lakonisch-humorvoller Film über das Studentenleben, nicht in Berlin?
"Es sollte keine Großstadt sein, sondern eine typische Studentenstadt, in der sich alles um das Studium dreht. So fiel die Wahl auf Darmstadt und seine Technische Universität."

In "13 Semester" haben Sie eigene Studienerinnerungen verarbeitet. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Regisseur Frieder Wittich, mit dem sie das Drehbuch verfassten?
"Wir hatten uns über ein anderes Projekt kennengelernt. Das ist sieben Jahre her. Und lustiger weise war es die Produktionsfirma von ‘Friendship’, die damals für einen Stoff einen Regisseur und einen Autor gesucht hatte. Wir hatten uns vorgestellt, verstanden uns, heraus kam der Kurzfilm ‘Opus’, der 2003 in Hof gezeigt wurde. Heute sind wir Freunde."

Wie sieht das gemeinsame Schreiben eines Drehbuchs aus?
"Ausgangspunkt war meine Romanvorlage. Dann trafen wir uns bei ihm oder bei mir. Und das sieht dann so aus: Wir sitzen zusammen, trinken Tee, diskutieren über alles, dann setzt sich einer hin, meisten falls bin ich das, und schreibt erst Mal ein bisschen, eine oder zehn Szenen. Das kann in der Küche sein oder zu Hause. Das tatsächliche Tippen ist eine Tätigkeit, die jeder Autor allein macht. Es würde kaum funktionieren, wenn man es zu zweit machen würde. Wir haben jede Szene, die ich geschrieben habe, abgeklopft, dann ist Frieder noch mal drüber gegangen – ein alternierender Prozess."

Setzen Sie die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Frieder Wittich fort?
"Ja, wir machen gerade ein neues Projekt. Momentan schreiben wir ‘Becks letzter Sommer’, einen Roman über einen Lehrer, etwa 35, 36 Jahre alt, wie Momo (die Hauptfigur aus ‘13 Semester’), der schon einige Jahre als Lehrer arbeitet und sich in einer frühen Midlife Crisis befindet. Wir sind mit unseren Stoffen gewachsen. Als wir vor mehr als sechs Jahren anfingen, ‘13 Semester’ zu schreiben, war das Studium, das grad hinter uns lag, der große Hype. Und jetzt ist es die Arbeitssituation. Für den neuen Stoff, der zwischen München und Istanbul angesiedelt ist, sind wir die gesamte Strecke mit dem Auto abgefahren."

In "Friendship" haben Sie laut Presseheft das Drehbuch mit Hilfe einer Landkarte der USA geschrieben. Heißt das, erst schreiben und dann schauen, wo man drehen kann?
"Dieser Schreibprozess dauert ja lange, etwa zwei Jahre. Jetzt arbeiten wir gerade unsere Reiseerlebnisse zwischen München und Istanbul in das Drehbuch ein, ein kontinuierlicher Prozess. Der Film wird, wenn es gut läuft, nächstes Jahr gedreht und soll Ende 2011, Anfang 2012 ins Kino kommen."

Zurück zu "Friendship", Ihr Name steht fürs Drehbuch. Aber es ist nicht Ihre Geschichte, sondern die von Tom Zickler, einer der Produzenten des Films, der noch vor dem Fall der Mauer als 24-Jähriger mit seinem besten Freund Veit der DDR den Rücken kehrt, um sich den Traum von Freiheit und Abenteuer im kapitalistischen Amerika zu erfüllen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
"Ich war schon vorher mit Tom Zickler befreundet, wir kennen uns schon mindestens fünf Jahre, sind richtige Kumpels. Er hat mir seine Lebensgeschichte erzählt und mich dann gefragt, ob ich das schreiben will. Zuerst war ich noch skeptisch, war mir ein bisschen unsicher, ob ich das kann."

Wer oder was hat Sie – ein in Böblingen geborener, in Karlsruhe groß gewordener Westmensch – bewogen,  diese Geschichte über zwei von der DDR-Realität geprägten Freunde zu schreiben?
"Tom, der mir gesagt hat, dass ich genau der Richtige dafür sei, eben weil ich nicht aus dem Osten käme und deshalb die Geschichte nur unter dem Gesichtspunkt betrachten würde, wie ich sie am schönsten erzählen könnte. Für mich war es ein Film, der viel mehr sein sollte, als eine Geschichte über zwei Jungs aus Ostberlin. Es war immer eine Prämisse für den Film, dass wir gesagt haben: Wenn am Ende nicht auch ein Verlust da ist, wenn der Film nicht auch eine Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung mit dem Regime, in dem die beiden gelebt haben, hat, ist es eine verschenkte Geschichte. Deshalb musste es auch dramatisch werden und sehr ernst. Aber wir wollten den Zuschauer nicht mit einem traurigen Gefühl aus dem Kino gehen lassen, sondern mit der Gewissheit, dass es wieder aufwärts geht. Und dass die beiden am Ende des Films wie versprochen das Auto abliefern, zeigt ihre Integrität und Loyalität."

Gibt es ein weiteres Projekt?
"‘Russendisko’ von Wladimir Kaminer. Das Drehbuch ist fast fertig. Jetzt folgt die Finanzierungsfrage."

Das Buch besteht aus einzelnen Episoden – wird es ein Episodenfilm?
"Nein, es ist die Geschichte von drei russischen Kontingent-Flüchtlingen, also russischen Juden, die ausreisen durften und zu dritt in Berlin bleiben. Aber einer von ihnen ist kein Jude. Sie haben das erfolgreich verdrängt, fühlen sich gut, sind glücklich und plötzlich kommt es heraus."

Sind Sie als Autor auch bei den Dreharbeiten dabei?
"Nicht komplett, aber immer die ersten zwei, drei Wochen, dann besuche ich noch mal den Set. In meinem Fall wollten die Regisseure gern, dass ich dabei bin. Sie haben die Einstellung, dass es gut ist, wenn der Autor am Set ist, wenn etwas umgeschrieben werden muss. Ich will auch immer mit dabei sein, das sage ich von vornherein, einfach, weil das wahnsinnig Spaß macht."

Für viele Drehbuchautoren endet die Arbeit mit der Abgabe beziehungsweise Annahme des Skripts. Sie möchten mehr?

"Ich bin viel im Schneideraum gewesen, um dabei zu sein, wie der Film entsteht. Auch bei beiden Castings war ich dabei, schaute mir die Bänder an. Rede mit dem Produzenten. Nicht insistierend, aber ich glaube, die ganz klassische Aufteilung, der Autor schreibt und hat dann nichts mehr am Set zu sagen, ist so nicht mehr existent, jedenfalls nicht bei den modernen, aufgeschlossenen Produzenten."

Haben Sie schon einmal daran gedacht, selbst Regie zu führen?
"Das steht im Raum. Es ist wirklich so, dass ich mir darüber Gedanken mache. Aber im Moment macht mir das Drehbuchschreiben zu sehr Spaß."

"Friendship" und "13 Semester" haben eine unverwechselbare Handschrift. Was ist Ihr Credo?
"Für mich ist entscheidend, dass die Filme menschlich sind, von wahren Menschen handeln. Die Grundstimmung im Film ist eine Herzlichkeit im Umgang der Menschen untereinander. So bin ich und so soll die Welt auch sein. Das kann man dann blauäugig nennen, aber man kann auch sagen, dass das das Thema ist, das mich umtreibt. Ich möchte, dass die Menschen so miteinander umgehen wie in meinen Filmen."

Mit Oliver Ziegenbalg sprach Gudrun Lukasz-Aden

 

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