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Ausgabe 123-3/2010

DER FANTASTISCHE MR. FOX

FANTASTIC MR. FOX

DER FANTASTISCHE MR. FOX

Produktion: Twentieth Century Fox / American Empiical Pic.; USA 2009 – Regie: Wes Anderson – Buch: Wes Anderson, Noah Baumbach, nach dem Roman "Fantastic Mr. Fox" von Roald Dahl – Kamera: Tristan Oliver – Schnitt: Andrew Weisblum – Länge: 87 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: Twentieth Century Fox – Altersempfehlung: ab 10 J.

Mr. Fox – ein durchaus sympathischer Zeitgenosse, aber auch ein selbstverliebter, arroganter Fuchs. Eines Tages ist es ihm nicht mehr standesgemäß genug, im Fuchsbau zu leben, da muss die Baumhaus-Immobilie in der alten Buche her, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die drei umliegenden Futterfabriken hat. Dort ist er mit seiner Frau früher eingebrochen, um Hühner, Enten und dergleichen zu stehlen, aber diese gefährlichen Diebstähle musste er Mrs. Fox zuliebe unterlassen. Seitdem schreibt er Kolumnen für die Zeitung, was ihm jetzt nicht mehr aufregend genug ist, darum geht er heimlich wieder auf Tour. Fatal, dass sich die bestohlenen Bauern nicht damit abfinden wollen. Sie vertreiben ihn zunächst aus der Buche, dann wollen sie Mr. Fox aushungern und als auch das nicht gelingt, versuchen sie ihn mit schwerem Gerät auszugraben. Dabei wird natürlich nicht nur Mr. Fox Familienleben aufs Empfindlichste beeinträchtigt, sondern auch die Existenz der  anderen Höhlenbewohner aufs Spiel gesetzt, als da sind: Dachs, Kaninchen, Maulwurf und Wiesel. Unserem fantastischen Fuchs fällt aber immer wieder eine Gegenoffensive ein und so führt er die Tiere schlussendlich ins Schlaraffenland – sie graben sich bis in den Supermarkt vor!

Die Hierarchie innerhalb des neu zusammengewürfelten Tierrudels ist schnell festgelegt: Mr. Fox ist der Anführer, was insofern absurd ist, da er ja schließlich derjenige war, der den unterirdischen Fellbewohnern den ganzen Schlamassel eingebrockt hat. Aber in seiner Selbstüberschätzung blendet er auch die anderen. Die Parallelen zur Symbolik in den Tierfabeln sind offensichtlich. Mr. Fox ist smart, schlau und charmant. Hinterhältig, wie ihn so manche Fabel beschreibt, ist er aber nicht, er zeigt sich sogar den Kaninchen gegenüber als äußerst hilfsbereit.

Schon Roald Dahls Vorlage (1970) ist kein Kinderbuch im klassischen Sinne; ironisch und episodenhaft geschrieben, baut es keine Spannung auf, sondern die Handlung treibt assoziativ dahin. Ganz ähnlich ist auch die Dramaturgie des Films angelegt – insofern eine gelungene Literaturverfilmung. Für den Film mussten einige Erzählstränge hinzugefügt werden. So bereichert der sportliche Neffe die Familiendynamik als Antipode zu Ash, dem pubertierenden, Comic lesenden Sohn des Mr. Fox. Während im Buch ganz allgemein von vier Fuchskindern die Rede ist, bekommen die beiden Fuchsjungen im Film eine eigene Individualität. Ob die jungen Zuschauer von den ironischen Dialogen und dem undramatischen Aufbau der Story – wie im Buch gibt es hier Kapitelüberschriften – mitgerissen werden, ist zweifelhaft. Faszinierend für Kinder ist in jedem Fall die große Detailtreue, mit der das gesamte Setting ausgestattet ist. Nicht zuletzt haben sich die Filmemacher exakt an realen Gegebenheiten orientiert, sie bauten beispielsweise Dahls Gartenhaus, in dem er dichtete, als Fox' Schreibstube nach. Das Drehbuch entstand im Haus des Schriftstellers und weitere Inspiration zogen die Autoren aus den Skizzen, die Dahl hinterließ. So ist die letzte Szene, in der die Tiere im Supermarkt mit Einkaufswagen Besorgungen machen, zwar nicht im Buch, existiert aber als Skizze. Die Kulissen sind angefüllt mit Requisiten, die man gar nicht auf Anhieb erfassen kann und die bis in den letzten Winkel mit großem Aufwand gefertigt wurden. Alle Tiere sind mit echtem Fell ausgestattet, erwecken aber trotzdem den Eindruck menschlicher Gestalten. Sie gehen aufrecht und haben die Physiognomie der Menschen, sind zudem jeweils sehr charakteristisch gekleidet. Aber sie bewegen sich nicht so fließend, wie man es aus Animationsfilmen kennt, da Wes Anderson nur zwölf Einstellungen pro Sekunde aufnahm, um jede dann zweimal zu verwenden. So ergibt sich ein leicht ruckartiger Eindruck, der die Getriebenheit und Arroganz des Fuchses aufs Beste beschreibt. Eine andere ungewöhnliche Idee Andersons war, keine Grüntöne im Film zu verwenden, sondern auf braune Farbgebung zu setzen, als leuchtende Herbstfarbe und natürlich als Fuchsfarbe.

Wes Anderson hat eine ganz eigene Puppenwelt geschaffen, die gleichzeitig eine typische Anderson-Welt ist. Wie seine ersten Filme, ist auch "Der fantastische Mr. Fox" eine Produktion, die weite Kameraeinstellungen bevorzugt, so als würde der Regisseur einen seiner Action-Filme drehen und in den Großaufnahmen setzt Anderson auf den Ausdruck der Puppenmimik, als arbeite er mit Schauspielern und nicht mit Puppen. Und das funktioniert ganz fantastisch!

Katrin Hoffmann

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DER FANTASTISCHE MR. FOX im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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KJK-Ausgabe 123/2010

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